Airbus-Aktie: neuer Kampfjet für langfristige Perspektiven

Ein neuer Kampfjet dürfte die Airbus-Aktie stärken – mit einem kompletten Verbundsystem für mehr Souveränität und Technologieführerschaft. (Foto: Cineberg / shutterstock.com)

Was geschieht nun wegen der für unzulässig erklärten Subventionen? Wie geht es mit dem A380 weiter? War der Militärtransporter A340 eine Fehlinvestition? Schlechtwetterfronten machen Airbus immer wieder zu schaffen.

Dennoch verliert der Konzern nicht an Höhe. Der Umsatz konnte 2017 wenigstens minimal auf 66,77 Mrd. Euro zulegen. Beim Gewinn wurden die Schubregler gar um fast 190 % auf 2,87 Mrd. Euro hochgefahren. Die Dividende pro Aktie legte um 11,11 % zu.

Geplanter Kampfjet beflügelt Airbus-Aktie

Und nun könnte die Aussicht auf einen neuen Kampfjet die Airbus Aktie im MDax weiterhin beflügeln. Allerdings stehen hier mehr die langfristigen Perspektiven im Vordergrund. Die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs dauert etliche Jahre und verursacht zunächst Anlaufkosten. Die könnten sich auszahlen, wenn frühestens ab 2035 ein völlig neuer Flugzeugtyp zur Verfügung steht, der die amerikanische Konkurrenz ausstechen soll.

Dabei geht es aber nicht allein um Airbus, dessen Aktie und einen Kampfjet. Geplant ist eher ein ganzes System um einen künftigen Jet herum, das von Airbus und Dassault gemeinsam entwickelt wird. Die Hersteller von Eurofighter und Rafale legen ihre Expertise zusammen. Das Ganze ist politisch gewollt und auf höchster Ebene beschlossen.

Europa geht es neben dem Erhalt seiner Technologieführerschaft auch um mehr Unabhängigkeit von den USA. Außerdem ist es ein Signal. Die Deutsche Luftwaffe steht vor der Entscheidung, ob sie ihre in die Jahre gekommenen Tornados durch den amerikanischen F-35 von Lockheed Martin ersetzen soll.

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Datenhoheit im Luftkampf

Der langfristige Einstieg in ein US-System aber würde nicht nur Mittel von europäischen Eigenentwicklungen abziehen, es geht auch um die Hoheit über die Daten, die in einem Jet gesammelt und verarbeitet werden.

Bei US-Flugzeugen werden sie in Blackboxes geliefert, auf die ein Käufer keinen Zugriff hat. Damit können notfalls die Amerikaner bestimmen, wie und wo sie eingesetzt werden. Für volle Souveränität soll das geplante Future Combat Air System (FCAS) sorgen, an dem Airbus und Dassault arbeiten. Es umfasst neben Kampfjets auch unbemannte Flugzeuge, Drohnenschwärme und Marschflugkörper.

Der neue Kampfjet als Kern des Verbunds wird ein Triebwerk mit Schubvektorsteuerung bekommen. Weder Deutschland noch Frankreich verfügen bislang über derart effektive Antriebe. An ihnen arbeitet MTU Aero Engines. Der Münchner Triebwerkshersteller liefert bereits für den Eurofighter zu und kann auf einschlägige Erfahrungen mit dem ehemaligen Experimentalflugzeug X-31 zurückgreifen.

Drei Hauptprofiteure

Nur einige Kilometer Luftlinie entfernt befindet sich am Südrand Münchens die Zentrale der Airbus Militärsparte. Airbus Defence and Space trägt mit zuletzt 10,8 Mrd. Euro zum Gesamtumsatz des deutsch-französischen Konzerns bei. Der Anteil ist seit zwei Jahren leicht gesunken. Das neue Programm sollte mittel- bis langfristig für Auftrieb sorgen.

Aus Anlegersicht berührt das Thema Kampfjet die Aktie von Airbus, die von Dassault sowie MTU. Auf Zehnjahressicht brachte das Papier von Airbus einen Wertzuwachs von 545 %, die MTU-Aktie 477,7 % und die von Dassault Aviation 203,3 %. Auch in den letzten zwölf Monaten sind alle drei Aktien im Bereich zwischen rund 30 % und 39 % gestiegen. Langfristig also eine stabile Wertanlage mit Potenzial. Die Airbus-Aktie ist derzeit sogar leicht unterbewertet.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.