Aktien bleiben vorläufig erste Wahl – Sparer müssen sich gedulden

Die Wende der Geldpolitik der EZB ist langsam in Sicht, doch wird es noch lange dauern bis Zinsanlagen ernsthaft mit Aktien konkurrieren. (Foto: dominic8 / Shutterstock.com)

Es war einmal eine Zeit, da brachten Zinsen noch Geld. Doch lange ist es her, dass sie nicht mit Nullsummenspiel oder gar Verlusten gleichgesetzt wurden. Den Anfang der Niedrigzinsphase machte die Finanzkrise.

Seitdem haben sich allerdings die Aktienmärkte prächtig entwickelt, während Anleihen kämpfen. In den USA wurde das Ende der Ära des billigen Geldes längst eingeläutet. In Europa wird noch gewartet.

Geldpolitik-Wende gefordert

Weil die Schieflage langsam zum Risiko für die Finanzstabilität wird, fordern nun auch die deutschen Wirtschaftsweisen eine rasche Wende in der Geldpolitik. Dass sich Banken und Versicherungen schon lange nach einer Geldpolitik-Wende sehnen, ist bekannt. Der positive Nebeneffekt des bisherigen Zustands waren ohnehin fällige Neuausrichtungen und weniger zinsbasierte Produkte. Der anhaltende Druck sorgte zum Teil für frischen Wind.

Doch das hat Grenzen. Nicht zuletzt gib es in vielen Bereichen Richtlinien und gesetzliche Vorgaben, Kapital in sichere Anleihen zu investieren. Die Versicherungsbranche ist nur ein Beispiel. Die Sachverständigen der Bundesregierung indes verweisen auf zunehmenden Druck an anderer Stelle: Immobilien. Gerade hierzulande sind die Preise derart gestiegen, dass die Bundesbank eine Überbewertung von 15 % bis 30 % sieht.

Weil der Aufschwung in der Eurozone offensichtlich trägt, sei der Zeitpunkt für die Geldpolitik-Wende laut Bundesbank gekommen. Das sieht die EZB ähnlich, hat aber eine etwas andere Zeitvorstellung. Im Oktober hatte sie beschlossen, die Wertpapierkäufe ab Januar auf 30 Mrd. € pro Monat zu halbieren und so bis September nächsten Jahres fortzufahren.

Das ist einerseits der Einstieg zum Ausstieg, doch bläht es nicht nur die EZB-Bilanz weiterhin auf. Was fehlt, ist ein Fahrplan, auf den sich der Markt einstellen kann. Ohne entsprechende Vorbereitung besteht die Gefahr möglicher Verwerfungen.

Gewinner und Verlierer

Gleich, wie schnell sich die Wende in der Geldpolitik demnächst vollzieht, sie wird Gewinner und Verlierer sehen. Auf staatlicher Ebene werden Schulden für die Finanzminister teurer. Ohne Niedrigzinsen wäre Deutschlands schwarze Null nicht so schnell möglich gewesen.

Und wenn sich mit steigenden Zinsen der Euro verteuert, werden natürlich Klagen aus der Exportwirtschaft kommen. Im Verhältnis zum Dollar rangiert der Euro schon eine Weile oberhalb von 1,17 €. Andererseits: Die europäische und deutsche Wirtschaft lebt zwar in hohem Maße vom Export, doch ob ein Kurs von 1,20 € oder etwas darüber wirklich so schädlich wäre, kann mit Blick in die Vergangenheit bezweifelt werden. Vor rund zehn Jahren war das ähnlich.

Abgesehen davon, dass ein stärkerer Euro Rohstoffimporte vergünstigt, dürfte es erst ab dem Bereich oberhalb von 1,30 € kritisch werden. Und was ist mit den bislang niedrigen Finanzierungskosten für Unternehmen, weil sie leichter an günstige Kredite kommen? Mit Investitionen waren sie ja offenbar zurückhaltender als erwartet. Nicht auszuschließen, dass die Aussicht auf eine Wende viele schnell noch zum Umdenken bewegt.

Keine schnellen Verschiebungen

Bis aber Sparer mit einem einigermaßen rentablen Zinsniveau rechnen können, dauert es noch eine ganze Weile. Vor 2019 wird sich wenig bis nichts tun. Bevor die Zinsen spürbar steigen können muss zuerst die EZB ihre Anleihekäufe gegen null fahren. Und auch dann kommt der Effekt nicht gleich zum Tragen – wie das Beispiel USA zeigt. Dort ist die Notenbank Fed 2014 aus den Anleihekäufen ausgestiegen. Die Zinsen liegen aber erst seit Mitte des Jahres wieder über 1 %. Beeindruckend ist das noch nicht.

Dabei handelt die EZB nicht gerade unverantwortlich. Das Ziel der Preisstabilität ist bei einer aktuellen Inflationsrate von ca. 2 % eigentlich erreicht. Ob sie weiter ansteigt, ist nicht ausgemacht. Die Geldpolitik mag für den einen vorsichtig und für den anderen zögerlich erscheinen. Auf jeden Fall hat sie noch keine größeren Umschichtungen der Investoren in Anleihen bewirkt.

Und das ist für Aktienanleger die gute Nachricht: Bis auf weiteres bleiben Aktien auch zum Vermögensaufbau erste Wahl. Als die EZB im Oktober ihr weiteres Vorgehen mit den einstweilen halbierten Anleihekäufen verkündete, schoss der Dax erstmals gewaltig über die Marke von 13.000 Punkten bevor er wieder etwas nachgab.

Im nächsten Jahr dürfte er weiter zulegen. Bleibt die Überlegung, ob die Papiere nicht eh schon überbewertet sind – was auch auf die Rendite geht. Zwar liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit 13,4 etwa 20 % über dem Schnitt der letzten zehn Jahre, es ist aber niedriger als das KGV von 18 im S&P 500.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt