Aktien: Jahresendrally 2016 mit frühem Start

Immer, wenn der Kalender dünn wird, macht sich unter Anlegern eine Art weihnachtliche Vorfreude breit. Ab Herbst zeigt sich nämlich ein statistisches Phänomen: Die Börsenkurse starten noch einmal kräftig durch und bringen die Rendite auf Touren.

Wer auf den Effekt setzt, kann mit einer Trefferquote von 80% rechnen. Ein vielbeachteter Hinweis ist das Investmentbarometer der CitiGroup, das jedes Quartal die Stimmung unter privaten und professionellen Investoren abfragt.

Die Jahresendrally bei Aktien startet 2016 früher als üblich

Demzufolge gibt es auch diesmal bei Aktien eine Jahresendrally. 2016 verlief zwar unruhiger als das Jahr zuvor, doch die Anleger trauen den Märkten noch einiges zu. Und das obwohl der Brexit Anlass zur Sorge geben könnte. Die Jahresendrally 2016 steht ohnehin unter besonderen Vorzeichen.

Die US-Wahlen im November werfen ihre Schatten, oder besser ihren Lichtstrahl voraus, denn die Wall Street ist dabei, einen Clinton-Sieg einzupreisen. Zudem sorgen steigende Ölpreise für Auftrieb. Diesmal geht es also etwas früher los als üblich.

Und hier gibt es den ersten taktischen Ansatz: Steigt man früh ein, winken Potenziale im Aufwärtssog. Nach der Wahl hingegen dürfte es einen Dämpfer geben. Die Aufmerksamkeit wird sich sofort auf den nächsten Zinsschritt der Fed im Dezember richten. Schon Signale für eine leichte Zinsanhebung lassen Investorengeld vermehrt in Anleihen fließen.

Mehr Optimisten nach Brexit-Desaster

Was mit Blick auf hiesige Aktien das Citi-Investmentbarometer angeht, so glauben ca. 15% der Befragten, dass es im letzten Quartal mit europäischen Aktien bergab geht. Rund ein Drittel erwartet eine Seitwärtsbewegung. Knapp über die Hälfte aber geht von steigenden Kursen aus.

Im Vorquartal dagegen betrug der Optimistenanteil nur 36,3% – die Unsicherheit wegen der Brexit-Entscheidung war noch zu dominant. Mittlerweile haben sich die Aktienmärkte erholt und die Zuversicht gestärkt. Nicht nur der DAX konnte seit Anfang Juli wieder kräftig zulegen, auch der EuroStoxx 50 notiert deutlich höher als zuvor.

In Deutschland ist die Aktien-Jahresendrally 2016 längst angelaufen. Das zeigt sich unter anderem an der gestiegenen Nachfrage nach dividendenstarken Titeln im DAX. Was seit Wochen auffällt, ist die Stärke etwa von BMW, Daimler, BASF Allianz, Münchner Rück oder Siemens im Vergleich zum Gesamtmarkt.

Bei den beiden Autowerten verdient dies insofern Beachtung, als sie sehr exportabhängig sind. Immerhin sind die USA seit dem VW-Skandal ein schwieriges Umfeld geworden und in Großbritannien finden sich mit der Schwäche des britischen Pfund weniger Käufer. Auf der anderen Seite können sie von Konjunkturprogrammen verschiedener europäischer Länder und ohnehin vom China-Geschäft profitieren.

Viertes Quartal im Schnitt der Bringer

Aufschlussreich ist üblicherweise der Blick aufs vierte Quartal der letzten zehn Jahre. Hier beträgt die durchschnittliche Kursentwicklung bei BMW 5,5% und bei Daimler 5,9%. Alles in allem spricht wenig gegen einen weiteren Aufwärtstrend.

Besser noch die Werte von BASF (8,7%) und Henkel (8,5%). Auch Thyssenkrupp verzeichnet 7,4% – das Sorgenkind kommt mit seinem Umbau in der Stahlsparte gut voran. Parallel sorgen neue EU-Strafzölle auf chinesischen Stahl für Aufwind.

Insgesamt bieten sich aktuell etliche Chancen. Auch der MDax und TecDax ziehen an. Generell interessant sind für eine Jahresendrally immer die statistischen Durchschnittswerte des DAX. Seit seinem Bestehen hat der deutsche Leitindex im letzten Quartal 1,25% zugelegt. Derzeit notiert er klar unter dem Schlussstand von 2015. Es gibt also noch Luft nach oben.

28. Oktober 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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