Aktien-Auswahl: Diese Kennzahlen sollten Sie kennen

Ende Juni eines jeden Jahres endet das 1. Halbjahr des Geschäftsjahres. Und schon kurze Zeit später veröffentlichen die Unternehmen Vorabzahlen […] (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Ende Juni eines jeden Jahres endet das 1. Halbjahr des Geschäftsjahres.

Und schon kurze Zeit später veröffentlichen die Unternehmen Vorabzahlen für die ersten 6 Monate des entsprechend laufenden Jahres.

Diese Zahlen werden viele Investoren zum Anlass nehmen, sich von laufenden Positionen zu trennen und neue Positionen aufzubauen.

Anders gesagt: Für viele Investoren ist das Zahlenwerk der Konzerne das entscheidende Kriterium dafür, ob eine Aktie ge- oder verkauft wird.

Ich möchte, dass auch Sie das Zahlenwerk der Firmen analysieren und auf Basis dieser kurzen Analyse Investitions-Entscheidungen treffen können, die Ihnen hoffentlich eine höhere Rendite bringen.

Daher stelle ich Ihnen hier einige wichtige Kennzahlen vor, mit denen Sie jede Bilanz innerhalb von wenigen Minuten auf Herz und Nieren prüfen können.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das wohl am häufigsten herangezogene Kriterium bei der Aktien-Bewertung ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Es zeigt Ihnen an, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird.

Richtgröße für ein günstiges KGV ist 10, der Marktdurchschnitt liegt bei rund 15.

Hier die Formel, mit der Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis berechnen können:

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) = Aktienkurs : Gewinn je Aktie

Ein niedriges KGV ist isoliert betrachtet aber nicht zwingend ein Kaufargument.

Sind die zukünftigen Gewinn-Aussichten schlecht, oder ist die Verschuldung zu hoch (Bilanz-Probleme), bietet die Aktie wenig Kurs-Potenzial.

Gewinn je Aktie (EPS)

Um das KGV berechnen zu können, brauchen Sie den Gewinn je Aktie.

Diese Angabe können Sie in den meisten Fällen den Finanz-Berichten der Konzerne entnehmen. Sollte dem nicht so sein, so berechnen Sie den Gewinn je Aktie wie folgt:

Gewinn je Aktie (EPS) = Nettogewinn des Unternehmens : Anzahl der Aktien des jeweiligen Unternehmens

Der Gewinn je Aktie wird oft als „EPS“ bezeichnet. EPS steht für „Earnings per Share“ und bedeutet im Deutschen nichts anderes als Gewinn je Aktie.

Wenn Sie diese Größe nicht finden, können Sie den Unternehmens-Gewinn einfach durch die Anzahl der Aktien dividieren.

Der Gewinn je Aktie, den Sie für die Berechnung des KGVs nutzen, kann sich auf bereits erzielte oder auf erwartete Firmen-Gewinne beziehen.

Das KGV ist in Fachkreisen jedoch nicht ganz unumstritten.

Der Grund: Der Jahres-Überschuss, also die Grundlage der Berechnung, kann von den Konzernen in die gewünschte Richtung gesteuert werden.

Legale Bilanzierungs-Tricks können vom Management genutzt werden, um den Jahres-Überschuss zu beeinflussen.

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Die Eigenkapitalquote (EK-Quote)

Eine überaus wichtige Kennzahl zur Messung der Kapital-Struktur ist die Eigenkapitalquote (EK-Quote). Diese drückt den Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme aus.

Das Eigenkapital ist die Summe aus gezeichnetem Kapital und Rücklagen, also das Geld, das – vereinfacht gesagt – auch dem Betrieb gehört und nicht geliehen werden muss.

Die Formel zur Berechnung sieht wie folgt aus:

Eigenkapital : Bilanzsumme x 100 = EK-Quote (in %)

Das Eigenkapital ist bei einer Aktiengesellschaft das von den Aktionären zur Verfügung gestellte Kapital.

Daher haben Sie als Aktionär einen Anspruch auf den anteiligen Gewinn des Unternehmens.

Folgendes ist für Sie als Anleger sehr wichtig: Je höher die Eigenkapitalquote, desto weiter ist ein Konzern von einem Konkurs wegen Überschuldung entfernt.

Zudem ist eine Firma mit einer höheren Eigenkapitalquote weniger abhängig von Banken als eine mit einer niedrigen Eigenkapitalquote.

Eine sehr niedrige Eigenkapitalquote (unter 10 – 20% der Bilanzsumme) kann ein Zeichen für ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Unternehmens sein.

Allerdings wird die Beurteilung der Eigenkapitalquote dadurch erschwert, dass eine optimale Eigenkapitalquote nicht für alle Firmen gleich ist.

Sie sollten daher stets die EK-Quote des von Ihnen begutachteten Betriebs mit der durchschnittlichen EK-Quote der Branche, in der jener tätig ist, vergleichen.

Im Finanz-Sektor etwa sind niedrige Quoten normal, während in der Software-Branche hohe EK-Quoten üblich sind.

Es kann jedoch auch innerhalb der Branchen größere Abweichungen geben, ohne dass dies zwingend ein Alarmzeichen sein muss.

Wichtig ist auch stets die Entwicklung der EK-Quote im zeitlichen Verlauf.

Die Eigenkapitalrendite

Bei der Berechnung der Eigenkapitalrendite werden Gewinn und Eigenkapital eines Unternehmens in Relation gesetzt.

Diese Kennzahl gibt an, wie rentabel das von Ihnen als Aktionär zur Verfügung gestellte Eigenkapital vom Konzern eingesetzt wurde.

Die entsprechende Formel sieht wie folgt aus:

Jahres-Überschuss (Nettogewinn) : Eigenkapital x 100 = Eigenkapitalrendite (in %)

Die Eigenkapitalrendite sollte nach Möglichkeit höher sein als die Gesamtkapitalrendite, da das Eigenkapital primär das Risiko des Betriebs trägt – und somit Sie als Aktionär und Eigenkapitalgeber.

Für das höhere Risiko verdient das Eigenkapital bzw. der Aktionär als Eigenkapitalgeber gegenüber den vergleichsweise sicheren Zinsen für Fremdkapital eine Risiko-Prämie.

Darin liegt übrigens auch der finanztheoretische Grund für die langfristig höhere Rendite von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.