Aktienindizes: Sind 1.000er-Marken wirklich relevant?

Wissen Sie noch, wann der DAX auf Schlusskurs-Basis die wichtige Marke von 7.527 Punkten erreicht hat?

Ich verrate es Ihnen: Es war exakt am 2. Mai 2011. Warum diese Marke wichtig war, fragen Sie?

Auch das verrate ich Ihnen: Es war das letzte Hoch, das der DAX nach seinem Aufwärtstrend von 3.666 Zählern im März 2009 markierte.

Knapp 3 Monate später taumelte der deutsche Leitindex in den Herbst-Crash des Jahres 2011, indem innerhalb von nur 6 Wochen ganze 35% verloren gingen!

Investoren und runde Marken

An den Crash erinnern sich wohl die meisten der damaligen Marktteilnehmer – und vielleicht auch daran, dass der DAX im Mai toppte.

Doch außer Mathematikern oder anderen zahlenbegabten Menschen dürften sich nur wenige das Top von 7.527 gemerkt haben.

Der Grund dafür ist: Wir neigen dazu uns eher – die einfacher zu merkenden – runden Zahlen einzuprägen und mit wichtigen Börsen-Ereignissen zu verbinden.

So wird sich wohl jeder Investor erinnern, der lange genug aktiv ist, dass der DAX ab dem Jahr 2000 mehr als 13 Jahre benötigte, um die Marke von 8.000 Punkten nachhaltig zu überbieten.

Dazu eine kleine Anekdote:

Eine familiäre Anekdote aus dem Jahr 2012

Im September 2012 (der DAX notierte seinerzeit bei etwa 7.400 Punkten) saß unsere Familie im Rahmen eine Geburtstagsfeier beisammen.

Da ich ja beruflich mit der Börse verbunden bin, landeten wir irgendwann wieder beim Thema Aktienmarkt.

Plötzlich warf mein Schwiegervater, der eigentlich so gut wie gar nicht in Aktien investiert, folgenden Satz in die Runde:

„Ich weiß nur eines: Sollte der DAX jemals wieder über 8.000 Punkte klettern, dann kann ich nur jedem raten, SOFORT alle Aktien zu verkaufen!“

Als ich ihn nach den Gründen für seine Einschätzung fragte, erhielt ich folgende Antwort:

„Zum einen ist der DAX in den vergangenen Jahren schon 2x bei 8.000 Punkten gescheitert. Danach ging es jedes Mal kräftig bergab.

Und so wird es auch dieses Mal wieder geschehen, wenn der DAX die 8.000 erreicht.“

Ich denke, das bestätigt recht eindrucksvoll, dass runde 1.000er-Marken durchaus eine psychologische Bedeutung für viele Aktien-Anleger haben…

Der DAX und seine runden 1.000er-Marken

Schauen wir uns also einmal gemeinsam in der nachfolgenden Grafik an, wie sich der DAX in der Vergangenheit an seinen 1000er-Marken verhalten hat:

dax_18-10-2017

Der DAX und seine runden 1.000er-Marken   

In der Grafik habe ich alle 1.000er-Marken mit Horizontalen versehen.

Je nachdem, ob sich eine dieser Linien mehr als Unterstützung oder als Widerstand erwiesen hat, habe ich diese eingefärbt.

Die gestrichelten Horizontalen hatten diesbezüglich kaum Relevanz.

Sie sehen es selbst: Lediglich die Marken 3.000 und 11.000 boten dem DAX so gut wie keinen Widerstand oder Unterstützung.

Dagegen konnte beispielsweise die 2.000 Punkte-Marke im gesamten 1. Halbjahr 1990 einfach nicht überboten werden.

Als dies dann im Oktober 1993 endlich doch gelang, diente dieses Niveau anschließend 19 Monate lang als Unterstützung.

Die 4.000er-Marke bot dem DAX gleich in 4 verschiedenen Jahren Unterstützung und war im Jahr 2003 mehrere Monate lang Widerstand.

Über die Bedeutung der 8.000er-Niveaus hatten wir ja bereits gesprochen…

Die 1000er und der Dow Jones

Soviel zum Thema „psychologisch wichtige 1.000er-Marken“…

In einem weiteren Artikel zum Thema schauen wir einmal, welche Bedeutung die runden Niveaus für den Dow Jones haben.

Am 17. Oktober 2017 konnte der US-Leitindex ja erstmals die Hürde von 23.000 überwinden und schloss sogar bei 23.002 Punkten.

Gleichwie: Ich bin schon sehr gespannt, ob wir uns in ein paar Jahren an den Oktober 2017 erinnern werden, als DAX & Dow Jones an runden Marken „knabberten“…

18. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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