Aktienkauf: Diese 7 Regeln sollten Privatanleger dringend beachten

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Diese Grundregeln beim Aktienkauf bewahren vor unüberlegten Aktionen, die für viele Neueinsteiger oft im finanziellen Desaster enden. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Wer die Vorzüge von Aktien frisch für sich entdeckt hat, mag vielleicht so schnell wie möglich loslegen. Überall winken Potenziale, und es scheint, als müsse man sofort zugreifen bevor sich ein Papier verteuert.

Timing ist zwar wichtig, doch nützt es nichts, wenn voreilige Aktionen im Desaster enden. Ganz einfach, weil die wichtigsten Grundregeln beim Aktienkauf übersehen wurden.

Grundregeln beim Aktienkauf

Im Klartext: Als Neueinsteiger sollte man unbedingt die Grundregeln beim Aktienkauf verinnerlichen. Sie sind einleuchtend und alles andere als banal. Oft nicht hilfreich ist es, sich von Tradern motivieren zu lassen, die den Eindruck erwecken, als könne man mit schlauen Chartmustern und cleveren Aktionen den Markt austricksen.

Aktien sind keine Wettpapiere aber auch keine Darlehen mit garantiertem Ertrag. Als Aktionär wird man Mitunternehmer und muss mit den gekauften Firmenanteilen so bedacht umgehen wie ein Unternehmer. Und so wie der braucht man Mindestkapital, das nicht anderweitig benötigt wird. Unter 5.000 € sollte man lieber einem Investmentclub beitreten. Hier sind 7 Grundregeln, die vor allem Neulinge bezüglich Aktienkäufe beachten sollten.

1. Kosten fressen Rendite

Jedes erfolgreiche Unternehmen braucht eine günstige Kostenstruktur. Beim Einkauf sind Preise und Konditionen die halbe Miete. Genauso ist es bei Aktien. Weil sie in der Regel nur über eine Bank bzw. Broker erhältlich sind, muss man sich den passenden „Lieferanten“ suchen. Filialbanken bieten persönliche Beratung. Ein erstes Gespräch ist sinnvoll, weil man sich durch Rückfragen Gedanken über das eigene Anlageziel machen muss.

Doch Bankberater verkaufen gerne mit Eigeninteresse – und kassieren Provisionen. Wie viel die von der Geldanlage fressen, merkt man erst später. Also lieber die Kosten sparen und einen Online-Broker bzw. eine Direktbank mit guten Konditionen suchen: Gratis-Depot und geringe Handelsgebühren. Service gibt es zwar auch, wohl aber keine Beratung.

2. Mit Demokonto und Musterdepot Erfahrung sammeln

Welcher Anbieter letztlich passt, zeigt sich nicht immer auf Anhieb. Wichtig ist es, zunächst einen zu finden, bei dem es nicht sofort ums Eingemachte geht. Stichwort: Demokonto und Musterdepot. Die sind der ideale Einstieg für Trockenübungen – ohne Kosten und echtes Geld.

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Anstatt in einer Gemütslage zwischen Übervorsicht und Tatendrang reale Papiere in ein Depotkonto einzubuchen, kann man so erste Erkenntnisse gewinnen und aus Fehlern lernen.

3. Sprichwort mit Substanz: Hin und her macht die Taschen leer

Dabei stellt man bald fest: Hin und her macht die Taschen leer. Schneller als vermutet stellen sich Gier und Angst ein. Doch mit jedem Kauf und Verkauf entstehen Transaktionskosten, und schon schmilzt die Rendite. So viel zur Faszination Daytrading. Überschaubare Kurseinbrüche lieber in Ruhe beobachten. Besser noch: Risikopapiere vermeiden. Sie fressen Nerven, Zeit und Geld.

4. Verluste sind oft gravierender als vermutet

Was Risiko bedeutet, zeigt sich an einer gerne übersehenen Tatsache: Wer 50 % verliert, muss 100 % aufholen. Wenn sich Verluste und Handelskosten summieren, kann es brenzlig werden. Folglich sollte man Papiere mit einem Mindestmaß an Berechenbarkeit kaufen. Die sind im Prime Standard an der Börse gelistet.

5. Berechenbarkeit und Liquidität an der Börse sind wichtig

Am besten in großen Indizes wie Dax und Mdax. Sie verlaufen ruhiger und bieten genügend Liquidität. Bei Bedarf kann man Aktien sofort verkaufen und sitzt nicht darauf fest. Zudem ist garantiert, dass die Unternehmen ihrer Publizitätspflicht nachkommen. Und das greift in den nächsten Punkt: Information.

6. Kein Kauf ohne solide Information

Als Aktionär und Mitinhaber muss man unbedingt auf dem Laufenden sein. Das gibt zwar keinen Wissensvorsprung am Markt, lässt aber die Situation einschätzen. Unternehmenszahlen sind ohnehin Grundlage für jede Kaufentscheidung. Fachmedien und seriöse Finanzportale gehören auf jeden Fall dazu.

7. Breite Streuung schützt gegen Risiken

Dort finden sich auch Informationen zu Anlagestrategien sowie Eigenheiten verschiedener Branchen. Breite Streuung ist das A und O, um Risiken zu vermindern. Das beweist sich spätestens, wenn einzelne Aktien einbrechen und der Rest für Ausgleich sorgt.

Die Grundregeln zum Aktienkauf sind die Basis für die beachtlichen Perspektiven von Aktien. Weniger als 7 % Jahresrendite brachte der deutsche Aktienmarkt im langfristigen Schnitt nicht. Umso bemerkenswerter, dass hierzulande nur 4,41 Mio. Anleger direkt in Aktien investieren.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.