Alibaba Aktie: Was kommt nach dem Rücktritt von Jack Ma?

Alibaba Logo RED__shutterstock_265259816_Pieter Beens

Nach dem Rücktritt von Jack Ma soll Daniel Zhang den E-Commerce-Riesen führen. Was bedeutet das für die Alibaba Aktie? (Foto: Peter Beens)

China-Aktien standen zuletzt unter Druck. US-Präsident Donald Trump erwägt US-Medienberichten zufolge ein Delisting von chinesischen Aktien wie Alibaba und Baidu an Amerikas Börsen.

Hintergrund ist der andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China – eine schnelle Lösung des Konflikts ist bislang nicht in Sicht. Wenngleich ein Delisting von chinesischen Aktien eher unwahrscheinlich ist, haben Chinas Top-Unternehmen derzeit mit Herausforderungen zu kämpfen.

Während Chinas führende Suchmaschine Baidu zuletzt mit Wachstumsproblemen zu kämpfen hatte, steht bei Chinas führendem E-Commerce-Konzern Alibaba Group ein Führungswechsel an. Der Grund: Alibaba-Gründer Jack Ma hat sich jüngst aus der Führungsspitze zurückgezogen.

Alibaba-Gründer tritt zurück – Was kommt nach Jack Ma?

Der ehemalige Englisch-Lehrer Jack Ma hatte Alibaba im Jahr 1999 gegründet und das Unternehmen zu Chinas führendem E-Commerce-Konzern aufgebaut.

Alibaba verzeichnete im vergangenen Fiskaljahr 2019 einen Umsatz von umgerechnet 54,5 Mrd. US-$. Auch im ersten Fiskalquartal 2020 kletterten die Einnahmen um weitere 42 % auf 16,7 Mrd. US-$. Gleichzeitig ist Alibaba hochprofitabel. Allein im jüngsten Quartal wuchs der Gewinn um 145 % auf 3,1 Mrd. US-$.

Grundsätzlich gute Vorzeichen für ein weiteres Wachstum. Doch Ma-Nachfolger Daniel Zhang will Chinas E-Commerce-Giganten weiter umbauen.

Alibaba-Aktie: Was können Anleger vom neuen Chef erwarten?

Der 47-jährige Daniel Zhang führt Alibaba schon seit 2015 als Firmenchef, daher ist es wenig überraschend, dass Zhang nunmehr auch die Positionen des Vorsitzenden (Chairman) übernimmt.

Auf das Konto von Zhang, der bereits seit 2007 im Unternehmen ist, gehen wichtige Ideen zurück, die Alibaba in den letzten Jahren weiter vorangebracht haben. So hat Zhang u.a. den eBay-Konkurrenten Tmall vorangetrieben.

Auch die Idee zum Shopping-Event Singles Day, das regelmäßig am 11. November stattfindet, kam von Zhang. An diesem Tag lockt Alibaba regelmäßig Kunden mit hohen Rabatten und Preisnachlässen, wodurch allein in den ersten Minuten Milliarden-Umsätze generiert werden.

Online- und Offline-Handel sollen miteinander verschmelzen

Bereits im Jahr 2017 hatte Jack Ma die künftige Konzernstrategie vorgegeben, die Zhang nun weiter vorantreiben möchte. So sollen unter anderem die Grenzen zwischen Online- und Offline-Welt verschwinden.

Das bedeutet nicht nur kassenlose Supermärkte, sondern auch ein eigener intelligenter Chipsatz namens Hanguang 800. Dieser soll Rechenaufgaben, die gewöhnlich 1 Stunde dauern, auf 5 Minuten reduzieren, so der E-Commerce-Gigant.

Der Chip soll im schnell wachsenden Cloud-Geschäft von Alibaba zum Einsatz kommen und Alibabas Online-Seiten noch schneller machen. Dabei geht es vor allem um die Themen Produktsuche, Übersetzungen von Produkt-Beschreibungen und Produkt-Empfehlungen. Der gesamte Kundenservicebereich soll dadurch intelligenter werden.

In diese Strategie passt auch die jüngste Übernahme der E-Commerce-Plattform Kaola von NetEase. Kaola ist derzeit mit einem Marktanteil von 25 % die Nr. 1 in China, was den grenzüberschreitenden Online-Handel angeht. Verbraucher können über Kaola aus einer Vielzahl von Übersee-Marken (Hipp, Philips, Nescafe etc.) wählen, wodurch Kaola schon heute bei Chinas Konsumenten sehr beliebt ist.

Fazit: Alibaba bleibt auf Wachstumskurs

Trotz des Wechsels an der Führungsspitze können Anleger davon ausgehen, dass Alibaba auch in den nächsten Jahren überproportional wachsen wird. Optimistische Analysten erwarten, dass Alibaba schon im Fiskaljahr 2021 die Umsatzgrenze von 100 Mrd. US-Dollar erreichen kann.

Alibaba-Chef Daniel Zhang macht keinen Hehl daraus, dass Disruptionen (bahnbrechende Innovationen) im Konzern selbst stattfinden sollen – und nicht bei der Konkurrenz.

Anleger können ebenfalls davon ausgehen, dass Alibaba weiter in die Themen Digitalisierung, bargeldloses Bezahlen, künstliche Intelligenz (KI) und Lieferdienste (Freshippo) investieren wird. Geografisch gesehen will Alibaba in den nächsten 10 Jahren vor allem in Südostasien wachsen. Auch Europa und der US-Markt sollen künftig eine größere Rolle spielen.

Unter dem Strich bleibt die Alibaba Aktie vor allem für jene Anleger interessant, die ihr Depot mit einem starken Wert aus China diversifizieren wollen. Anleger sollten aber mit volatilen Kursen bei der Alibaba Aktie rechnen, solange der Handelsstreit zwischen den USA und China noch nicht gelöst ist.

Xiaomi RED – shutterstock_627951437

Xiaomi Börsengang - Was Anleger wissen müssenDer chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi drängt an die Börse - Was können Anleger erwarten? › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands