Alphabet-Aktie – bedingt anlegerfreundlich

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Die Alphabet-Aktie ist mit dem neuen CEO anlegerfreundlicher und transparenter geworden. Doch trotz guter Zahlen gibt es keine Dividenden. (Foto: achinthamb / Shutterstock.com)

Nicht zuletzt wegen ihres Börsenwerts, ihrer Dominanz und Ausrichtung auf Zukunftsmärkte sind FANG Aktien ein wertvolles Asset im Portfolio. Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google bescherten Anlegern jahrelang zuverlässig steile Kursgewinne. Mit ihrer Ausrichtung auf die Zukunftsmärkte ändert an ihrem Potenzial auch die Kurskorrektur nichts, die ab Februar nahezu alle traf.

Neuer Konzernchef überzeugt Anleger

Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Papier von Google, das nach wie vor unter dem Kürzel des Suchmaschinenunternehmens läuft, seit der Umstrukturierung in eine Holding vor fünf Jahren allerdings als Alphabet-Aktie firmiert. Anlass ist die Änderung an der Spitze des Konzerns kurz vor Jahreswechsel. Die Gründer Brin und Page verabschiedeten sich aus dem operativen Geschäft, neuer CEO wurde Google-Chef Sundar Pinchai.

Die jüngste Kurskorrektur der Alphabet Aktie hat mit dem Führungswechsel nichts zu tun, sie traf auch andere Papiere. Immerhin konnte Alphabet zuvor kurzzeitig die Grenze von 1 Billion US-Dollar Börsenwert überscheiten, was für ein Vertrauen der Märkte in die Entscheidung spricht. Doch könnten bei all dem künftigen Potenzial die Zeiten des stürmischen Wachstums vorbei sein.

Das Duo Sergey Brin und Larry Page verkörperte den sagenhaften Aufstieg von einer Garagenfirma zum Weltkonzern. Im Jahr 2004 war es ihnen gelungen, die Suchmaschine Google an die Börse zu bringen. Obwohl die zur Jahrtausendwende geplatzte Internetblase noch allen in den Knochen steckte, griffen die Anleger zu. Es dauerte nicht lange bis der Börsenneuling Schwergewichte wie Exxon oder General Motors überholte und zum Synonym für den Informationszugang im Internet wurde.

Mit neuen Diensten wie Google Maps oder später Youtube zog Google die weltweiten Werbegeldströme an und mauserte sich außerdem zu einem der führenden Cloudanbieter. Als immer mehr operative Geschäftseinheiten wie Supercomputer, Künstliche Intelligenz, Medizintechnik, Energie oder autonomes Fahren heranwuchsen, wurde der wuchernde Konzern 2015 in eine Holding umgewandelt. Aus der Google Aktie wurde die Alphabet-Aktie. Seitdem ist Google Teil eines Firmenkonglomerats unter dem Dach von Alphabet.

Alphabet-Aktie in drei Varianten

Die Alphabet-Aktie gibt es in den Varianten A, B und C. Die A-Aktie entspricht mit Stimmrecht einer deutschen Stammaktie, die stimmrechtslose C-Aktie einer Vorzugsaktie und die B-Aktie ist weitgehend in den Händen der Konzerngründer, sie wird nicht an der Börse gehandelt. In der Konstruktion behielten Alphabet-Präsident Brin und Konzern-Chef Page die absolute Mehrheit aller Stimmen und somit die ungestörte Verfügungsgewalt.

Die Tatsache, dass die beiden im Dezember 2019 in den Aufsichtsrat wechselten, ändert an ihrer Dominanz wenig. Nun ist es am neuen Chef Sundur Pichai, das Dickschiff Alphabet voranzutreiben. Sein Können hat er längst mit der weltweiten Verbreitung des Browsers Chrome oder des Betriebssystems Android für mobile Geräte unter Beweis gestellt. Zudem zeigte er sich in einem Kartellverfahren vor dem US-Kongress souverän.

Allerdings bekommt Alphabet gerade im Google Kerngeschäft zunehmend Konkurrenz, nicht zuletzt durch Facebook und Amazon, das zudem als führender Cloudanbieter immer stärker wächst. Zumindest sorgten die Zahlen des Geschäftsjahres 2019 für zufriedene Gesichter. Auch wenn, 20% erartet wurden, so stieg der Umsatz um 18,3% auf 162 Mrd. US-Dollar. Das Netto-Ergebnis pro Aktie konnte um 12,5% auf 49,16 US-Dollar zulegen.

Etwas durchwachsen indes präsentierte sich das vierte Quartal 2019. Das Umsatzplus lag mit 17% leicht unter dem Jahresschnitt und damit unter den Erwartungen. Für starke Zuwächse sorgte vor allem das Cloudgeschäft mit plus 53%. Mit einem Plus von 31% verzeichnete Youtube doppelt so viel Zuwachs wie die klassische Suchmaschine. Beide zusammen machen einen Umsatzanteil von rund 70% aus, was gleichzeitig die Abhängigkeit vom Geschäft mit Werbeeinnahmen vor Augen führt.

Noch immer keine Dividenden

Unterm Strich zeigt die Entwicklung, dass die Zuwächse auch künftig gut zulegen dürften, wenn auch nicht mehr ganz so stürmisch. Etwas moderater könnten auch die Kurszuwächse ausfallen. Letztlich ist dies eher von Vorteil, wenn das Unternehmen langsam in seine bislang überhöhte Bewertung fundamental hineinwächst. Im Vergleich zu Amazon etwa ist das Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV) um ein Vielfaches niedriger. Beruhigend ist obendrein der stetig wachsende Cashbestand von nun 120 Mrd. US-Dollar. Damit bleibt viel Luft für Investitionen.

Erfreulich aus Anlegersicht: Alphabet-Chef Pinchai sorgt für eine größere Transparenz. Endlich werden konkrete Zahlen für die verschiedenen Geschäftsbereiche vorgelegt. Was der bisher eher anlegerunfreundlichen Alphabet-Aktie noch fehlt, sind Dividenden, und das bei einem Unternehmen, das hochprofitabel und stets auf Wachstumskurs ist. Dass Ausschüttungen eine Top-Aktie mit der Anlegerlaune ganz oben halten, zeigt das Beispiel Apple. 2012 wurden endlich Dividenden gezahlt. In Sachen Börsenwert steht die Aktie mit über 1 Bio. US-Dollar an der Spitze.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.