Alte Energie, neue Energie – sind die Tage von Eon und RWE gezählt?

Die Aktien der Energiekonzerne Deutschlands könnten Auftrieb erfahren, sobald schwelende Übernahmegerüchte von RWE und Eon wieder aufflammen (Foto: 360b / shutterstock.com)

Es ist ungefähr ein halbes Jahr her, da standen die Aktien der Energiekonzerne Eon und RWE im Fokus, weil sie neue Ableger an die Börse brachten. Bei Eon war es der Spin-Off Uniper, bei RWE war es Innogy. Es war die Trennung von „neuer und alter“ Energie. Eon gliederte sozusagen die Vergangenheit aus, RWE die Zukunft.

Aktien: Energiekonzerne im Visier

Eon hält an Uniper noch rund 47%. RWE hält an Innnogy gut 77%. Die Aktien der neuen Energiekonzerne sind im Mdax gelistet und konnten sich bisher recht gut behaupten. Vor allem Uniper legte die letzten drei Monate um über 23% zu. Doch jetzt sind die Aktien sowohl der jungen, als auch der alten Energiekonzerne im Visier.

Mit der Aufspaltung wurden die Karten im Energiebereich neu gemischt. Und das führt zu Begehrlichkeiten. Die Branche ist dabei, sich europaweit zu konsolidieren. Und längst keimen Übernahmephantasien auf.

Interessant wurden RWE und Eon erst, nachdem die drohenden erheblichen Risiken aus dem Atomstreit mit der Bundesregierung beigelegt werden konnten.

Finnen schielen auf Uniper

Interessenten gibt es für sowohl die alten als auch die neuen Unternehmen. Als aktuell „heißer Kandidat“ wird Uniper gehandelt. Was eine Übernahme greifbar macht, ist die mit 5,2 Mrd. € Börsenwert geringe Größe des Betreibers von Kohle- und Gaskraftwerken.

Gerüchten zufolge war der tschechische Energiekonzern EPH interessiert. Immerhin hatten die Tschechen letztes Jahr das deutsche Geschäft mit Braunkohle von Vattenfall gekauft.

Nun aber zeichnet sich ab, dass der finnische Versorger Fortum nach Uniper greifen könnte. Eon wäre bereit, sich von seinem Ableger komplett zu trennen und den Verkaufserlös mitzunehmen. Der Haken: Uniper ist an mehreren Kernkraftwerken in Schweden beteiligt, was ein Risiko darstellt.

RWE braucht Innogy als Geldmaschine

Dieses Problem gibt es bei Innogy, der als grüner Energiekonzern aufgestellt ist, nicht. Innogy verdient sein Geld mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb. Mit einem Börsenwert von 19,2 Mrd. € ist er jedoch schwerer zu verdauen. Angeblich ist der französische Energiekonzern Engie interessiert, der ohnehin sein Geschäft mit Netzen und Ökostrom ausbauen will.

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Aber: Die Franzosen würden sich nicht mit einer Minderheitsbeteiligung zufriedengeben. RWE jedoch hält 77% an Innogy, mit der klaren Ansage, den Anteil länger behalten zu wollen. Denn der Ableger bringt dem angeschlagenen Konzern hohe Dividendenerträge, auf die er angewiesen ist.

Der nächste Gedanke wäre, RWE zu übernehmen. Doch das Kraftwerksgeschäft läuft nicht rund und beschert Einbußen, dazu die Schuldenlast von gut 23 Mrd. €. Zudem ist die Beseitigung von Schäden aus dem Braunkohleabbau sowie der Rückbau von Kernkraftwerden mit enormen Kosten verbunden.

Verbleibt also noch die RWE-Beteiligung an Innogy, die tatsächlich attraktiv wäre. Ob aber die kommunalen Aktionäre bzw. die Bundesregierung eine Übernahme absegnen würden, ist zu bezweifeln. Immerhin hat RWE Kernkraftwerke mit an Bord.

Aufgeteiltes Eon als attraktive Variante

Allerdings wäre auch eine ganz andere, eine rein deutsche Variante denkbar, bei der sich die vom Geschäft her passenden Konzerne zusammenschließen: RWE fusioniert mit Uniper und Eon geht mit Innogy zusammen. Die erste Konstellation wäre nach Überwinden von Kartellhürden schneller möglich. Die zweite allerdings erst in einigen Jahren.

Was Engie und andere mögliche Interessenten angeht, zu denen auch Finanzinvestoren gehören: Weil RWE sich kaum von seiner Innogy-Beteiligung trennen kann, ist eigentlich Eon das nahe liegende Übernahmeziel. Im Vergleich zu Innogy wäre Eon mit einem Börsenwert von 15,5 Mrd. € günstiger zu haben. Ein Brocken sind aber die enormen Kosten für den Abriss der Kernkraftwerke in Deutschland sowie Schulden in Höhe von 26 Mrd. €.

Spannend indes wäre die Netzsparte von Eon, die konstant hohe Renditen bringt. Denkbar wären hier eine Abspaltung und dann ein Teilverkauf – aufgespalten wären die Konzernteile mehr wert.

Fazit

Die Übernahmegerüchte, die seit geraumer Zeit schwelen, flammen wieder auf. So wie es aussieht, dürfte Uniper als erstes auf dem Verkaufsprogramm stehen. Vom relativ konkreten Interesse von Fortum profitierten die Aktien aller vier deutschen Versorger.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.