Alte Freistellungsaufträge ab 2016 ungültig – das ist zu tun

Sie haben Ihrer Bank doch sicher einen Freistellungsauftrag erteilt, oder mehrere?!

Gut so! Denn auf diese Weise führt sie auf Ihre Kursgewinne, Zinsen und Dividenden keine Abgeltungsteuer ans Finanzamt ab.

Zumindest tut sie es nicht, wenn diese Erträge den Sparerpauschbetrag von 801 € pro Person (1.602 € bei zusammen veranlagten Ehepaaren) nicht übersteigen und Sie den entsprechenden Betrag haben freistellen lassen.

Doch Achtung: 2016 droht neues Ungemach!

Dann nämlich werden plötzlich diejenigen Freistellungsaufträge ungültig, die Sie noch vor dem Jahr 2011 erteilt haben.

Der Grund dafür liegt wieder einmal in der deutschen Steuer-Bürokratie.

Freistellungsauftrag muss Steuer-Identifikationsnummer enthalten

Vor 2011 haben die Banken im Freistellungsauftrag die Steuer-Identifikationsnummer (kurz: Steuer-ID oder Steuer-IdNr.) noch nicht abgefragt, obwohl es sie schon seit 2007 gibt.

Eine solche Nummer erhält jeder Steuerbürger. Sie gilt ein Leben lang. Soll ein Freistellungsauftrag auch ab dem Jahr 2016 gültig sein, so muss er zwingend diese Steuer-ID enthalten.

Bei gemeinsamen Freistellungsaufträgen zusammen veranlagter Ehepaare müssen sogar beide Steuer-IDs auf dem Formular eingetragen sein.

Damit ist klar: Freistellungsaufträge aus der Zeit vor 2011 müssen erneuert werden, sonst droht ein Steuerabzug gleich vom 1. Euro an Kapitalerträgen an.

Neue Freistellungsaufträge: So gehen Sie vor

Überlegen Sie zuerst, bei welchen Banken (inklusive Depot-Banken) Sie Kapitalerträge erzielen, wo Sie also Guthaben-Zinsen bekommen, von Kursgewinnen profitieren oder Dividenden einstreichen.

Bei mehreren Banken versuchen Sie Ihre Erträge realistisch einzuschätzen: Welche Summen entfallen auf welche Bank?

Anschließend füllen Sie die betreffenden Freistellungsaufträge aus.

Die gibt es als Formular bei der jeweiligen Bank; Bei Online-Banken sind sie auf deren Internetseite abrufbar.

Die Summe der freigestellten Beträge darf den Sparerpauschbetrag nicht übersteigen.

Sie sollten jedoch darauf achten, dass von den freigestellten Beträgen nichts übrig bleibt, was bei einer anderen Bank womöglich noch dringend gebraucht würde.

Denn dann würde die eine Bank schon Steuern ans Finanzamt abführen, während die andere  noch ungenutzte „Reserven“ hätte.

Fazit

Sie sehen also: Es lohnt sich durchaus, die eigenen Freistellungsaufträge zu überprüfen und ggf. auch anzupassen.

Das spart Ihnen Arbeit bei der Steuererklärung. Die Anlage KAP brauchen Sie dann meistens nicht auszufüllen.

20. November 2015

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Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst (MBA) ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin und schreibt vorwiegend Ratgebertexte. Sie hat mehrere Bücher zu den Themen Börse, Geldanlage, Immobilien, Recht & Steuern sowie Kommunikation verfasst. Daneben arbeitet sie als Dozentin an der Business School Alb-Schwarzwald, die zur Steinbeis Hochschule Berlin gehört.

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