Altersvermögensgesetz Riester – Anspruch und Förderung

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Das Altersvermögensgesetz (Riester-Rente) ist verhältnismäßig komplex, dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf die staatliche Förderung. (Foto: Daniela Staerk / Shutterstock.com)

Das Altersvermögensgesetz (AVmG) soll dem sinkenden Rentenniveau beziehungsweise der Versorgungslücke im Alter vorbeugen. Es wurde am 11. Mai 2001 im Bundesrat beschlossen und trat am 1. Januar 2002 in Kraft.

Ziel des Gesetzes ist es, die gesetzliche Rente durch eine kapitalgedeckte oder betriebliche Altersvorsorge zu ergänzen. Die Bundesrepublik honoriert unter bestimmten Voraussetzungen die private Altersvorsorge durch eine staatliche Förderung, wie beispielsweise Steuervergünstigungen.

Bei der kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge mit staatlicher Förderung werden die Riester-Rente und die Rürup-Rente als mögliche Rentenergänzungen angeboten. Bei der betrieblichen, staatlich geförderten Altersvorsorge spricht man von Entgeltumwandlung.

Die Riester-Rente ist eine staatliche Förderung zur privaten Altersvorsorge. Grundsätzlich kann jede Person diese Förderung beantragen, wenn diese Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung leistet.

Die gesetzliche Grundlage für die staatliche Förderung bildet das Altersvermögensgesetz (Riester-Rente). Für manche aber nicht für alle kann sich diese Form der zusätzlichen Altersvorsorge lohnen.

Altersvermögensgesetz Riester – wer hat Anspruch?

Beim Altersvermögensgesetz Riester sind folgende Personen förderberechtigt:

  • Arbeitnehmer und Arbeitnehmerin (auch während der Ausbildung oder während der Kinderziehung)
  • Angestellte im öffentlichen Dienst
  • Wehr- und Ersatzdienstleistende
  • Berufssoldaten, Beamte und Richter
  • Arbeiter, die einer geringfügigen Beschäftigung (Mini-Job oder 400-Euro-Job) nachgehen und auf Versicherungsfreiheit verzichtet haben
  • Selbständige, die per Gesetz versicherungspflichtig sind
  • Landwirte, die im Rahmen der Alterssicherung pflichtversichert sind
  • Pflegepersonen und Ersatzleistungsberichtigte, wie zum Beispiel Arbeitslosengeldbezieher

Riester-Rente – wer ist von der Förderung ausgeschlossen?

  • Rentner und Pensionäre, die bereits einen Versorgungsanspruch haben
  • Selbständige und Freiberufler, sofern diese nicht versicherungspflichtig sind
  • Bezieher einer Berufungsfähigkeitsrente oder Erwerbunfähigkeitsrente
  • Pflichtversicherte und Mitglieder, die in einer berufsständigen Versorgungseinrichtung sind (z.B. Ärzte, Notare, Architekten, Patentanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer)
  • Geringfügig Beschäftigte, für die Arbeitgeber nur einen pauschalen Rentenversicherungsbeitrag abführen

Altersvorsorgezulage bei Riester-Verträgen

Beim Altersvermögensgesetz Riester ist mit der Altersvorsorgezulage eine staatliche Förderung für Riester-Verträge vorgesehen. Zunächst hat jeder Förderberechtigte Anspruch auf die Altersvorsorgezulage, solange der Mindesteigenbeitrag eingezahlt wird.

Der Mindesteigenbeitrag ergibt sich durch das sozialversicherungspflichtige Vorjahreseinkommen. Um die maximale Zulage zu erhalten, muss der Sparer 4 % des Bruttoeinkommens in den Vertrag einzahlen.

Aktuell erhält der Riester-Sparer eine Grundzulage von 154 € (Ehepaar: 308 €). Hat der Vertragsinhaber Kinder, die vor 2008 geboren sind, werden von Staat weitere 185 € spendiert. Für nach 2008 geborene Kinder gibt es 300 €. Darüber hinaus bezuschusst der Staat Berufseinsteiger mit einem einmaligen Bonus von 200 Euro.

Ein Rechenbeispiel: Hans Mustermann, 30 Jahre alt, verheiratet, 1 Kind geboren nach 2008. Herr Mustermann verfügt über ein Bruttoeinkommen von 40.000 € im Jahr. Der Jahresbeitrag des Versicherten beträgt damit 1.600 €. Dabei erhält Herr Mustermann eine Zulage von 454 €, bei einer Eigenleistung von 1.146 € pro Jahr.

Der monatliche Vorsorgebeitrag beträgt 133,33 €, wobei sich der effektive monatliche Kostenanteil auf 95,50 € summiert.

Staat fördert Riester-Rente durch Sonderausgabenabzug

Neben der Altersvorsorgezulage können Riester-Sparer auch in den Genuss einer steuerlichen Förderung (Sonderausgabenabzug) durch den Staat kommen.

Dabei können insbesondere Familien mit Kindern einen Zulageanspruch geltend machen. Auch für Singles mit hohem Einkommen kann die steuerliche Seite der Riester-Rente lukrativ sein.

Der Riester-Sparer kann Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich beim Finanzamt geltend machen, sobald die Beiträge für den Zulagenanspruch überschritten werden. Dieser Sonderausgabenabzug wird aktuell bis zu 2.100 € gewährt.

ie Wechselgebühren, die sich in einer Größenordnung von etwa 50 bis 150 € bewegen.

Das Altersvermögensgesetz: Anbieterwechsel bei der Rürup-Rente birgt Nachteile

Im direkten Vergleich mit der Riester-Rente sind Rürup-Sparer eindeutig im Nachteil. Zwar lassen die gesetzlichen Regelungen einen Anbieterwechsel zu, allerdings nur dann, wenn der Vertrag den Wechsel eindeutig vorsieht.

Ein weiterer Minuspunkt: Die Höhe etwaiger Gebühren für den Anbieterwechsel der Rürup-Rente muss der Versicherer nicht vor Vertragsschluss bekanntgeben.

Wer also wechseln will, auf den kann unter Umständen eine böse Überraschung zukommen. Zusätzlich warten auf den Altersvorsorgesparer weitere Kosten. Für den neuen Rürup-Vertrag werden in der Regel zusätzliche Kosten bei Vertragsabschluss fällig.

Entgeltumwandlung: Eine Begriffserklärung

In Deutschland haben Arbeitnehmer gemäß § 1a BetrAVG Anspruch auf Entgeltumwandlung bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung. Allerdings können Beschäftigte ihren Tariflohn nur dann umwandeln, wenn der Tarifvertrag das zulässt.

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Werden diese Beiträge vom Arbeitgeber direkt vom Bruttolohn abgezogen, mindert sich dadurch das steuer- und sozialversicherungspflichtige Einkommen des Arbeitnehmers. Die Verwendung von Teilen des Gehalts für unbare Leistungen bezeichnet man als Entgeltumwandlung.

Betriebswirtschaftliche Auswirkungen beim Arbeitgeber

Die direkten Auswirkungen auf das Unternehmen des Beschäftigten und seinen Arbeitgeber hängen in erster Linie von dem Durchführungsweg ab.

Bei Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds und der Unterstützungskasse sind die Versicherungsbeiträge der Angestellten als Betriebsausgaben geltend zu machen. Die Entlastungen durch die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge haben jedoch alle Durchführungswege gemeinsam.

Neben Pflichten und Verordnung: Der Vorteil für den Unternehmer

Den Vorteil des Arbeitgebers durch das Altersvermögensgesetz versuchen wir anhand eines kleinen Rechenbeispiels zu verdeutlichen: Ein mittelständisches Unternehmen hat 250 Mitarbeiter. Die durchschnittliche Umwandlungsquote beträgt 100 € pro Mitarbeiter und Monat.

Bei einer Teilnahmequote der Belegschaft von 80 % ergibt sich für den Unternehmer eine Lohnnebenkostenersparnis von circa 50.300 € pro Jahr.

Somit profitiert nicht nur der Arbeitnehmer von dem Altersvermögensgesetz. Der Arbeitgeber kann seinen Angestellten helfen, für ihre Zukunft vorzusorgen und spart dabei selbst noch eine beträchtliche Summe Geld.

Private Altersvorsorge: Der Vergleich lohnt sich

Gerade heutzutage wird die private Altersvorsorge immer wichtiger, um im Alter finanziell nicht im Regen zu stehen. Manch einer hat sich vielleicht voreilig für eine Ansparform entschieden und hinterher über einen Anbieterwechsel oder gar eine Kündigung nachgedacht.

Es lohnt sich daher durchaus hin und wieder den eigenen Vertrag zur privaten Altersvorsorge zu prüfen und mit anderen Anbietern zu vergleichen.

Vor der Antragstellung sollte jeder Einzelne aber genau prüfen, wie hoch die individuelle Förderung wirklich ist, nicht für alle ist die Riester-Rente lohnenswert. 


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands