Aluminium im Höhenflug – Nicht in die Falle laufen

Was ist der Vorteil von Rohstoffen im Depot? Sie tragen zur Stabilisierung bei, weil sie wenig gemein haben mit Aktien oder Anleihen. Abseits von Öl oder Gold lohnt sich der Blick auf Industriemetalle. Neben Kupfer und Zink zeigt auch Aluminium wieder einen positiven Trend.

Im Vergleich zu den großen Aktienindizes zeigt die Preisentwicklung bei Aluminium rückblickend ein eigenes Bild. Einzige Parallele ist der Absturz in der Finanzkrise. Die vorangegangenen Preisen von weit über 3.000 US-$ pro Tonne fielen um gut die Hälfte und stiegen bis 2011 wieder auf ca. 2.700 US-$.

Danach ging es erneut bergab. Zu Beginn 2016 brachte die Tonne nur noch 1.450 US-$. Seit 2017 geht es aber wieder spürbar bergauf. Der aktuelle Preis: ca. 1.894 US-$.

Preisentwicklung bei Aluminium seit Trump im Aufwind

Der jüngste Auftrieb indes passt zum Höhenflug des Dow Jones. Alles Zufall? Die zurückliegende magere Preisentwicklung bei Aluminium machte den Aluminiumherstellern zu schaffen. Alcoa, die Nummer zwei nach dem russischen Weltmarktführer Rusal, verzeichnete noch im letzten Quartal 2016 Verluste.

Zuvor allerdings waren sie deutlich höher, was das US-Unternehmen zu einer Aufspaltung veranlasste. Das Geschäft mit technologisch anspruchsvolleren Produkten wurde in die neue Gesellschaft Arconic ausgelagert.

Seit Jahresbeginn sind die Märkte wieder optimistisch. Die Alcoa-Aktie legte um 32 % zu. Mit ein Anlass ist die jüngste Trump-Euphorie an den Märkten. Die beflügelt auch Aluminium, was die Preisentwicklung auf das höchste Niveau seit Sommer2015 treibt.

Da man als Anleger über Futures, Zertifikate oder Rohstoff ETCs auf die Preisentwicklung von Aluminium setzen kann, stellt sich die Frage, inwieweit der Trend fundamental gerechtfertigt ist.

Fundamentaldaten geben wenig Anlass

Nachfrage ist der Hauptfaktor beim Rohstoff Aluminium. Verwendet wird er wegen seiner Eigenschaften als korrosionsbeständiges, stromleitendes und extrem leichtes Metall in vielen Bereichen. In der Automobil- und Flugzeugindustrie ist er unentbehrlich. Doch der Automobilmarkt in den USA stagniert auf hohem Niveau. In Europa und China legt er nur leicht zu.

Ein weiterer Einflussfaktor ist der Ausgangsstoff Bauxit. Engpässe beim Abbau drücken zugleich die Aluminiumproduktion, was die Preise treibt. Bauxit aber notiert mit durchschnittlich 485 US-$ pro Tonne seit 2010 mehr oder weniger gleich. Daran kann es also auch nicht liegen.

Ebenso wenig an den Energiekosten. Der Stromverbrauch bei der Herstellung ist zwar enorm, doch die Energiepreise sind nur moderat gestiegen und wirken sich weder in die eine noch die andere Richtung aus.

Hinzu kommt das Überangebot auf dem Weltmarkt. Die globale Aluminiumproduktion ist 2016 mit 58,2 Millionen Tonnen auf einen Rekordwert gestiegen. China hat als größter Anbieter und Verbraucher seine Produktion im Vorjahresvergleich um 13 % erhöht.

Spekulationen treiben den Preis

All das legt nahe, dass der jüngste Preisauftrieb vor allem spekulationsgetrieben ist. Bei Kupfer etwa ist er genauso zu beobachten. Der Anlass für die Phantasie: Setzt Donald Trump sein angekündigtes Infrastrukturprogramm um, werden für Schienen, Brücken und Gebäude Industriemetalle in Massen benötigt.

Hinzu kommen seine Bemühen um einen schwächeren Dollar. Da auch Aluminium auf Dollarbasis berechnet wird, zieht die Nachfrage an – preisbedingt. Was der Spekulation entgegenläuft, ist die Entwicklung in China. Peking will seine Wirtschaft nun verstärkt auf den Dienstleistungsbereich verlagern. Der überhitzte Immobilien- und Bausektor wird gebremst. Und das gesamte Wachstum zeigt Schwächen.

Vor dem Hintergrund ist es mehr als fraglich, ob Trumps Pläne den Aluminiumpreis noch lange treiben können. Wer das Risiko nicht scheut und sich mit der Funktion von Leerverkäufen etwas auskennt, kann beispielsweise einen Short-ETF Aluminium vom Anbieter ETF Securities kaufen und auf fallende Preise spekulieren.

20. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt