Amazon kommt in China nicht voran – doch warum?

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Amazon kommt in China nicht in Schwung - jetzt soll es Konsequenzen geben. Das müssen Anleger wissen. (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Amazon ist in China seit etwa 15 Jahren aktiv – mit bescheidenem Erfolg. Während der E-Commerce-Gigant den amerikanischen Online-Handel mit einem Marktanteil von geschätzten 40 % kontrolliert, kommt Amazon im Reich der Mitte einfach nicht voran.

Branchenexperten wie Anthony Chukumba von Loop Capital schätzen den Marktanteil von Amazon im chinesischen E-Commerce-Markt auf etwa 1 %. Lokale Rivalen wie Alibaba Group und JD.com teilen dagegen den chinesischen Markt weitgehend unter sich auf.

Zudem versuchen andere Lokal-Rivalen wie zum Beispiel NetEase mit einer eigenen E-Commerce-Marke (Kaola) Marktanteile zu gewinnen – zuletzt mit Erfolg. Die Position von Amazon wird dagegen eher schwächer, zumal auch Chinas führender Internetkonzern Tencent die Fühler in diesem Markt ausgestreckt hat.

Warum Amazon in China fast chancenlos ist

Alibaba hat sich schon früh mit seinem Geschäftsmodell im chinesischen E-Commerce-Markt an die Spitze gesetzt und dominiert heute den Markt mit einem Marktanteil von etwa 58 %.

Alibaba genießt sozusagen den First-Mover-Vorteil, nachdem der Konzern schon vor der Jahrtausendwende gegründet wurde. Andere Unternehmen wie Tencent und NetEase nutzen ihre enorme Reichweite über Mobile Apps, um das E-Commerce-Geschäft anzukurbeln. Tencent kann hier auf den Messenger WeChat bauen, während NetEase die Nr. 1 unter den E-Mail-Diensten ist.

Kleinere Unternehmen wie das Groupon-Pendant Pinduoduo und Vipshop kämpfen um die verbliebenen Marktanteile. Für Amazon wird es dagegen zunehmend schwieriger, in diesem schnell wachsenden Markt weiter relevant zu bleiben.

Dies wäre aber für den erfolgsverwöhnten E-Commerce-Giganten aus Amerika sehr wichtig, denn China ist bereits im Jahr 2018 zum weltgrößten E-Commerce-Markt mit einem Volumen von 1,1 Billionen US-Dollar avanciert. Bis 2022 soll der chinesische E-Commerce-Markt auf 1,8 Billionen US-$ anwachsen, womit dieser Markt dann doppelt so groß wäre wie der US-Markt.

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Amazon will in China offenbar Konsequenzen ziehen

Aus der Misere der vergangenen Jahre will Amazon nunmehr offenbar Konsequenzen ziehen. Wie chinesische Medien berichten, soll Amazon bereits mit dem chinesischen Internetkonzern NetEase in Verhandlungen stehen, um Amazon China mit dessen E-Commerce-Sparte Kaola zu verschmelzen.

Bei Kaola handelt es sich um eine schnell wachsende E-Commerce-Seite, die chinesischen Konsumenten den Kauf von Produkten jenseits von Landesgrenzen ermöglicht. Zudem hat NetEase jüngst den ersten physischen Kaola-Laden in China eröffnet.

Das E-Commerce-Geschäft von NetEase hat im vierten Quartal 2018 um 43,5 % auf über 971 Mio. US-$ zugelegt – der chinesische Internetkonzern ist also in diesem Segment eindeutig auf Wachstumskurs.

Fazit: Amazon steht in China unter Zugzwang

Marktbeobachter glauben nicht mehr, dass es Amazon in China aus eigener Kraft zu einem nennenswerten Player im E-Commerce-Geschäft schaffen wird. Auch erachten Experten die Reaktion von Amazon als „zu spät“ an, falls der Deal mit NetEase tatsächlich zustande kommt.

Dennoch könnte eine Zusammenlegung von Amazon China mit Kaola den Amerikanern neue Perspektiven in China eröffnen. Trotz der Größe gilt der chinesische E-Commerce-Markt noch als vergleichsweise jung. Rund 38 % der chinesischen Bevölkerung kaufen derzeit online ein, diese Zahl ist noch ausbaufähig.

Ganz unabhängig davon, ob die Fusion zwischen Amazon China und Kaola zustande kommt, sollten Anleger die Amazon-Aktie nicht abschreiben. Amazon tut sich wie andere amerikanische Tech-Firmen schwer im Reich der Mitte, dafür dominiert das Online-Kaufhaus nach wie vor in den USA. Und dies nicht nur im Online-Handel, sondern auch bei Cloud-Infrastrukturdiensten.

Daher bleibt die Amazon-Aktie trotz der Rückschläge in China weiterhin für Langfrist-Anleger interessant.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands