Anleihen: 2018 noch kein Durchbruch

Anleihen sind 2018 keine wirkliche Alternative. Da steigende Zinsen die Kurse drücken, sollte ein ansehnliches Zinsniveau abgewartet werden. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Irgendwann musste es ja kommen. Der jüngste Einbruch der Aktienmärkte gleich nach der fünften Woche des Jahres lässt die Frage aufkommen, ob Anleihen 2018 wieder aus der Asche emporsteigen.

Wenn die Rally der Aktien zu Ende geht, bietet sich eigentlich ein Umstieg in Zinspapiere an. Doch erstens sind ein paar trübe Tage notfalls eine längst fällige Kurskorrektur. Und zweitens stellen auch 2018 Anleihen noch keine wirkliche Alternative dar.

Anleihen bleiben auch 2018 keine echte Alternative

Als Anleger sollte man abwarten bis wieder ein ansehnliches Zinsniveau erreicht ist. Immerhin unterliegen Anleihen einer ganz eigenen Dynamik: Ein Ansteigen der Zinsen drückt den Kurs der im Umlauf befindlichen Papiere. Das kann frustrierender sein als eine Kurskorrektur bei Aktien auszusitzen.

Beim aktuellen Einbruch jedenfalls spielten die Aussichten auf eine außerplanmäßig schnellere Zinsanhebung durch die US-Notenbank Fed eine Rolle. Anlass waren unerwartet stark ausgefallene Lohnzuwächse in den USA. Um einer ausufernden Inflation zu begegnen, werden üblicherweise die Zinsen angehoben. Werden aber Geld und Kredite teuerer, bremst dies das Wirtschaftswachstum. Höhere Zinsaufwendungen und Löhne nagen zudem an den Unternehmensgewinnen.

Klar, die Tage von ewigen Nullzinsen scheinen gezählt. Billiges Geld, das seit der Finanzkrise vor zehn Jahren die Aktienmärkte erst stützte und dann beflügelte, ist angesichts der stabilen wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr erforderlich.

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Zwischen Unruhe und niedrigem Niveau

Im Verlauf der nächsten Monate kommt es darauf an, wie sich Zinsen und Aktien entwickeln. Sollten Aktien weiterhin zulegen und die Zinsen gleichzeitig steigen, entsteht Druck auf die Kurse von Anleihen. Wenn am Anleihemarkt Unruhe aufkommt, sinken die Renditen mittelfristig.

Anders ist es, wenn die Aktienmärkte weiterhin nachgeben und Zinserhöhungen zunächst ausgesetzt werden. In dem Fall werden bereits etliche Investoren in Anleihen umgeschichtet haben und bei gestützten Kursen kann es sich wenigstens lohnen, die Papiere zu halten.

Insgesamt wird man mit Anleihen 2018 kaum Geld verdienen können. Zumindest nicht mit Bundespapieren. Aber auch Staatsanleihen aus Spanien oder Portugal werfen nichts mehr ab. Ähnlich das Bild bei Unternehmensanleihen. Den Firmen mit ausreichender Bonität geht es in der Regel so gut, dass sie keine hohen Risikoaufschläge bieten. Und durch den erstarkten Euro bieten Fremdwährungsanleihen ebenfalls keine Zusatzerträge mehr.

Schwellenländer bieten mehr

Etwas anders die Aussichten bei Anleihen aus Schwellenländern. Vor allem, wenn sie in Lokalwährungen aufgelegt sind. Hält die stabile Verfassung der Weltwirtschaft weiterhin an, werden viele Währungen bei sinkenden Inflationsraten kräftig zulegen können. die Wachstumsraten jedenfalls liegen meist über dem Schnitt der etablierten Industrienationen.

Zudem konnten zahlreiche Schwellenlänger ihre Schuldenquote teils erheblich senken. Auch signalisieren die Zentralbanken eine langsame aber stete Normalisierung ihrer Geldpolitik. Die Folge sind moderat steigende Zinsen, was die Anleihen weiterhin stützt. Bei Schwellenländer-Anleihen sind Renditen über 7,5 % keine Seltenheit.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.