Anleihen aus Schwellenländern bieten häufig mehr

Der Dow Jones und der S&P 500 hangeln sich von einem Rekord zum nächsten, auch der Dax erklimmt neue Höhen. Einer der Treiber ist aber nach wie vor der Anlagenotstand.

Selbst nach den ersten Leitzinserhöhungen in diesem Jahr bringen etwa zehnjährige US-Staatsanleihen gerade mal um die 2 % Rendite. Wer mehr sucht, wird abgesehen von Unternehmenspapieren bei Schwellenländer-Anleihen fündig.

Schwellenländer-Anleihen mit besserer Bonität

Nimmt man eine etwas schlechtere Bonität in Kauf, bieten Länder wie Brasilien, Argentinien, Russland, Mexiko, Indien, Indonesien oder aufstrebende osteuropäische Kandidaten Zinsen zwischen 4 % und über 7 %. Je länger die Laufzeit, desto mehr gibt es. Natürlich können politische Risiken schnell auf die Wirtschaft durchschlagen, weshalb etwa türkische Anleihen derzeit mit Vorsicht zu genießen sind.

Andererseits bieten sich Chancen bei Ländern, die sich auf Erholungskurs befinden wie Brasilien oder Argentinien. Im Vergleich zu den etablierten Industrienationen haben diese Staaten ein erhebliches Aufholpotenzial. Indien zum Beispiel erwartet ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von gut 7 %. Über 5 % sind es in Indonesien. Das Land wurde mittlerweile im Bonitätsranking von Standard & Poor´s auf BBB-, also auf Investmentgrade heraufgestuft.

Damit ist Indonesien genauso investitionswürdig wie Italien und Portugal. Ihren Zinsvorsprung gegenüber US-Bonds bieten Schwellenländer-Anleihen aber vorwiegend, wenn sie in der eigenen Währung laufen. Der große Unsicherheitsfaktor ist hier das Währungsrisiko. Wie stark sich Währungseffekte in einem Portfolio mit Schwellenländer-Anleihen auswirken können, haben die Schwankungen Jahre 2012 bis 2015 gezeigt, als die Renditen der Anleihen in Lokalwährung parallel zur Wirtschaft auf Talfahrt gingen.

Papiere in Lokalwährung bringen mehr

Mittlerweile aber geht es wieder aufwärts. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedenfalls sind gut. Wichtig ist eben, dass die Fundamentaldaten eines Landes stimmen und die Regierung ihren Haushalt im Griff hat. Dennoch muss man insgesamt wegen der höheren Inflationsraten, die an einer Währung zehren, mit Abschlägen von bis zu 3 % im Jahr rechnen. Damit bringen beispielsweise brasilianische Anleihen effektiv 5 % anstatt 8 % ohne Währungseffekt.

Der lässt sich allerdings umgehen. Schwellenländer-Anleihen gibt es auch in Hartwährungen wie Euro und US-$. Dafür ist die Verzinsung deutlich niedriger. Im Schnitt liegt sie bei höchstens 3 %. Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung hingegen bringen nach Abzug von Währungseffekten im Schnitt 5 % Realverzinsung und mehr.

Auch wenn die wirtschaftlichen Rahmendaten derzeit gut sind, in etlichen Regionen spielt die Entwicklung der Rohstoffpreise eine entscheidende Rolle. In den vergangenen Jahren litten viele Länder, die stark vom Export von Öl, Gas, Agrarrohstoffen oder Industriemetallen abhängen, unter teils viel zu niedrigen Preisen. Doch die Talsohle ist durchschritten, vermutlich auch auf absehbare Zeit. Hält der wirtschaftliche Aufschwung an, dürften zugleich die Anleihekurse steigen und damit die Gesamtrendite.

Einfluss durch Fed und EZB

Gleichzeitig sollte man das Verhalten der US-Notenbank und der EZB im Auge behalten. Werden die Leitzinsen angehoben, so verlieren Schwellenländer-Anleihen an Attraktivität. Dies wird am ehesten Hartwährungsanleihen in US-$ betreffen. Andererseits steckt die hohe Verschuldung der USA den Zinserhöhungen Grenzen. Und bis die EZB sich zu nennenswerten Schritten durchringt, wird noch einige Zeit vergehen.

Der einfachste Weg für Privatanleger ist eine Anlage in entsprechende Fonds. Auch ETF gibt es auf Schwellenländer-Anleihen. Beim direkten Zeichnen von Anleihen sind mitunter die Einstiegssummen erstaunlich hoch.

25. Oktober 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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