Apple mutiert zum Serviceunternehmen

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Apple verzeichnete zuletzt ein boomendes Servicegeschäft, dennoch geriet die Apple-Aktie unter die Räder - Was steckt dahinter? (Foto: Francesco Marino - Fotolia)

Die Apple-Aktie fiel zuletzt deutlich unter die Marke von 200 US-$, nachdem mit Lumentum einer der größeren Apple-Zulieferer eine Gewinnwarnung veröffentlicht hat. Zuvor hatte auch Japan Display – ebenfalls ein Apple-Zulieferer – seinen Jahresausblick zusammengestrichen.

Infolge der Gewinnwarnungen bei den Apple-Zulieferern fürchten Marktbeobachter eine deutlich schwächere Nachfrage nach dem iPhone – Apples Verkaufsschlager der letzten Jahre.

Dies scheint auch ein Medienbericht der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei zu bestätigen. Demnach soll Apple seine Auftragsfertiger Foxconn und Pegatron eine schwächere Nachfrage nach dem iPhone XR signalisiert und damit die Pläne für zusätzliche Produktionslinien bei den Herstellern gestoppt haben.

Apple mutiert zum Serviceunternehmen

Für schlechte Stimmung sorgte zuvor die Ankündigung von Apple, keine iPhone- und andere Hardware-Verkaufszahlen im Rahmen seiner Quartalszahlen veröffentlichen zu wollen. Vielmehr will Apple den Blick eher auf sein wachsendes Servicegeschäft lenken. Dieses spielte im jüngsten Quartal immerhin 9,98 Mrd. US-$ in die Apple-Kassen und wuchs um 17 % im Vergleich zum Vorjahr.

Doch einige Marktteilnehmer nahmen dies zum Anlass, um über ein mögliches Ende des Wachstumszyklus beim iPhone zu spekulieren. Apple hat seit der Einführung im Jahr 2007 mehr als 1,2 Mrd. iPhones im Gesamtwert von über 738 Mrd. US-$ verkaufen können.

Noch immer spielt das iPhone im Apple-Umsatzmix eine tragende Rolle. Ganze 37,19 Mrd. US-$ erwirtschaftete das Kult-Telefon im jüngsten Quartal. Allerdings konnte Apple zuletzt nur 46,89 Mio. iPhones verkaufen – ein Nullwachstum im Vergleich zum Vorjahr. Lediglich der iPhone-Umsatz wuchs um 29 % gegenüber dem Vorjahr, was allerdings den höheren Verkaufspreisen geschuldet ist.

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Apple Servicegeschäft – was Anleger beachten müssen

Immer wieder verweisen Apple-Optimisten auf die Vorteile des wachsenden Servicegeschäfts, das Apple stetig wiederkehrende Einnahmen beschert. Allerdings vergessen Anleger hier oft, dass das Servicegeschäft auf Kunden basiert. Die Kunden kommen wiederum überwiegend übers iPhone ins Apple-Ökosystem.

Verkauft Apple also weniger iPhones, verliert auch das Servicegeschäft an Schwung. Das liegt daran, dass weniger potenzielle Apple-Kunden zur Verfügung stehen, die Apple für seine verschiedene Services (Apple Music, Apple Pay etc.) gewinnen kann.

Fazit: Apples Hochpreisstrategie könnte sich als Bumerang erweisen

Einer der Gründe, warum Apple zuletzt stagnierende Absatzzahlen beim iPhone hinnehmen musste, dürfte die Hochpreisstrategie der Kult-Marke sein. Das iPhone wurde in den letzten Jahren immer teurer. Zuletzt mussten Konsumenten mehr als 1.000 US-$ für das Spitzenmodell berappen. Solange Vollbeschäftigung herrscht und Konsumenten sehr gut verdienen, ist dies kein Problem.

Kommen jedoch erste Konjunktursorgen auf und Konsumenten müssen den Gürtel enger schnallen und sparen, kann dies für Apple zum Bumerang werden. Kunden sparen sich dann schon mal das nächste iPhone-Upgrade und warten einfach den nächsten Zyklus ab. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Innovationssprünge beim iPhone nicht mehr so groß sind wie in der Vergangenheit.

Für Apple ist diese Entwicklung prekär, erwirtschaftet Apple immer noch den Großteil seines Umsatzes über das iPhone. Zwar dürfte das boomende Servicegeschäft im Laufe der nächsten Jahre weiter an Bedeutung gewinnen, doch noch kann Apple ein schrumpfendes Hardware-Geschäft (Mac- und iPad-Verkaufszahlen sinken bereits) nicht vollständig kompensieren.

Zwar ist das nicht das Ende der Apple-Aktie, Apple-Anleger werden sich möglicherweise in den nächsten Monaten aber mit weiter sinkenden Kursen abfinden müssen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands