Apple: Neuheiten ohne Wow-Effekt

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Die Neuheiten, die Apple dieses Jahr bietet, sind nicht bahnbrechend aber die Fortsetzung von Nutzerfreundlichkeit und vor allem Qualität. (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Zu den Top-Aktien im Depot gehören neben Amazon, Microsoft oder Google, Papiere von Apple. Seit zehn Jahren brachten sie ein Plus von rund 755 %. Doch jüngst gaben sie deutlich nach. Verpasst der Vorzeige-Technologiekonzern den Anschluss? Immerhin hat Apple Neuheiten auf Lager, die eigentlich aufs Gegenteil schließen lassen.

Apple-Neuheiten, nicht ganz so neu

Traditionell waren Neuheiten von Apple wegweisend und der Konkurrenz voraus. Doch der einstige Vorsprung ist immer schwerer zu halten. Das neue iPhone8 etwa bietet Features wie Gesichtserkennung und kabelloses Laden, sorgte aber für Enttäuschung am Markt. In Sachen Datengeschwindigkeit kann es angeblich kaum mithalten. Da hilft auch der Kultstatus im Wettbewerb mit Samsung und anderen nicht weiter.

Aber auch eine andere Apple-Neuheit ist eigentlich nur die hauseigene Antwort auf ein Vorreiterprodukt von Amazon. Nach „Echo“ mit der Assistentin Alexa, kommt Apple mit dem smarten Lautsprecher HomePod, inklusive Assistentin Siri. Mit der kann man sich über ein System unterhalten, das aus sechs Mikrofonen besteht.

Die Assistenzsoftware Siri ermöglicht eine verschlüsselte Kommunikation mit den Apple-Servern und bringt somit mehr Datenschutz. Und wo liegt der Vorteil gegenüber Echo? Schließlich bringt auch Google einen vernetzten Lautsprecher, den Home-Speaker, auf den Markt.

Siri säuselt auf hohem Klangniveau

Der Home-Pod von Apple hat eine zylindrische Form und soll mit Bass- und Hochtönern für einen unvergleichlichen Raumklang sorgen. Zumindest soll der besser sein als bei den Produkten von Amazon- und Google. Das Kalkül: Die Konkurrenten haben zwar smarte Lautsprecher, bieten aber nur mäßige Klangqualität. Die ist zwar bei Lautsprecher-Spezialisten wie Sonos besser, doch fehlt hier die Interaktivität.

Apple will beides verbinden und hofft, dass seine smarte Qualitätsbox zum Preis von 349 US-$ ankommt. Damit ist sie fast doppelt so teuer wie Amazons Echo. Googles Home-Speaker kostet lediglich 129 US-$. Qualität gegen mittelmäßige Masse – ob sich das Rezept auch künftig auszahlt, bleibt abzuwarten. Der Home-Pod kommt zunächst in den USA, dann in Großbritannien auf den Markt. Im nächsten Jahr wird es auch hierzulande zu kaufen sein.

Intelligenter und nutzerfreundlicher

Weitere Neuheiten von Apple: Das Tablet iPad kommt auch als Pro-Modell mit größerem Display: 10,5 anstatt bisher 9,7 Zoll. Zudem gibt es vereinfachte Handhabungen wie das Verschieben von Dateien zwischen einzelnen Apps. Auch lassen sich Texte, die mit dem Apple-Stift geschrieben werden, nach bestimmten Inhalten durchsuchen. Über einen eingebauten Scanner können Dokumente mit dem Stift bearbeitet werden.

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Die erste Computer-Uhr der Welt, die Apple-Watch, bekommt ein Siri Ziffernblatt, das im Stil selbstlernender Software aktuell gewünschte Informationen anzeigt. Die Alltagstauglichkeit muss sich natürlich noch beweisen.

Im Bereich leistungsstarker Rechner will Apple mit dem „superschnellen“ iMac Pro die lange vernachlässigten professionellen Mac-Kunden zurückgewinnen. Eine Neuheit bietet der Browser Safari: Als Nutzer kann man etwa Werbevideos abblocken. Oder das Tracking verhindern und damit Werbeanzeigen, die einen nach vorangegangener Internetsuche länger verfolgen.

Apple-Pay und Apple-Autos

Ende des Jahres soll auch in Deutschland der Bezahldienst Apple-Pay zur Verfügung stehen. Grund für die späte Einführung sind wohl Verhandlungen mit den Banken. Deren Transaktionsgewinne werden nämlich durch die Apple-Gebühr von 0,15% geschmälert. Auch für Nutzer wird der Dienst nicht immer kostenlos sein. Bei Kreditkarten ist mit einem Aufschlag von 3% zu rechnen.

Insgesamt versucht Apple neben Datensicherheit auf mehr Nutzerfreundlichkeit und Qualität abzuzielen. Wenn alle Komponenten mit Hard- und Software quasi aus einem Guss optimal aufeinander abgestimmt sind, ist die Leistung trotz vergleichsweise geringerer Daten effektiver als bei Konkurrenzprodukten.

Dies trifft bisher auch auf Smart-Phones zu, weshalb sich das neue iPhone 8 besser verkaufen dürfte als aktuell befürchtet. Die jüngste Kurskorrektur der Apple-Aktie sollte man im Auge behalten. Sie könnte noch eine Weile anhalten, kann aber die Chance zum Einstieg vor der nächsten Trendwende sein.

Denn schon kommt die neueste Meldung: Apple konzentriert sich nun auf Autos mit künstlicher Intelligenz (KI). Für Konzernchef Tim Cook ist es „die Mutter aller KI-Projekte“. Ob ein eigenes Fahrzeug geplant wird, ist noch unklar. Getestet wird aber bereits.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.