Aramco-Aktie: Der größte Börsengang aller Zeiten kommt 2018

Ab Mitte nächsten Jahres soll es also soweit sein: der staatliche Saudi-Arabische Ölkonzern Aramco geht an die Börse.

Nachdem immer noch nicht entschieden wurde, an welchem Handelspatz außerhalb von Riad die Aramco-Aktie platziert werden soll, kamen Gerüchte auf, das Vorhaben werde verschoben oder auf Eis gelegt. Dem wollte Kronprinz Salman jetzt entgegenkommen und ließ verlauten, die Vorbereitungen kämen gut voran.

Aramco-Aktie soll 100 Milliarden bringen

Und während sich hinter den Kulissen die internationalen Börsen einen Bieterwettstreit liefern, wirbt Donald Trump dieser Tage in aller Offenheit für New York. Damit weiß man wenigstens, dass die Sache läuft, die schon länger für Wirbel sorgt. Der Börsengang dürfte der größte aller Zeiten werden. Saudi Arabien will mit der Aramco-Aktie gut 100 Mrd. US-$ einnehmen. Beim bisher größten IPO kassierte Alibaba, Chinas Anwort auf Amazon, 2014 gut 25 Mrd. US-$.

Und während Alibaba nach den Kurssprüngen am ersten Handelstag auf einen Börsenwert von 231 Mrd. US-$ kam, rechnen die Saudis mit mehr als 2 Bio. US-$. Zum Vergleich: Apple bringt 901 Mrd. US-$ auf die Waage, der Ölriese Exxon Mobil 453 Mrd. US-$. Doch die offiziellen Schätzungen vom Anfang des Jahres waren wohl etwas phantasiegetrieben. Inoffiziell und vermutlich näher an der Realität wurde von ca. 500 Mrd. US-$ ausgegangen – was immer noch gewaltig ist.

Um aber das Märchen aus 1.000 und einer Nacht doch noch wahr werden zu lassen, hat Riad im März die Steuern für Aramco mal eben von 85 % auf 50 % gesenkt, und schon rückten die Zahlen wieder Richtung 1,5 Mrd. US-$. Die Steuerausfälle sind für die Regierung eine Investition, um das Projekt so hoch wie möglich anzusetzen. Die erhofften Einnahmen sollen helfen, das Land auf neue Beine zu stellen.

Geld für einen gigantischen Staatsfonds

Weg von der einseitigen Ölabhängigkeit hin zu einer sich öffnenden Volkswirtschaft und Erneuerbaren Energien soll es gehen. Dass der dramatische Ölpreisverfall ab 2014 Löcher in die zuvor stets gefüllte Staatskasse riss, verstärkte das Bestreben, eine wettbewerbsfähige Industrie aufzubauen, die für nachhaltige Steuereinnahmen sorgt.

Das massive Reformprogramm beinhaltet zudem umfassende Strukturänderungen, weitere Privatisierungen – und die Gründung eines Staatsfonds, der das Ganze finanziert. In den soll das Anlegergeld beim Aramco Börsengang fließen. Damit entsteht auf Anhieb der mit Abstand größte Staatsfonds der Welt.

Damit die Rechnung aufgeht, wurde der Ölkonzern bereits auf breitere Beine gestellt. Er engagiert sich etwa bei riesigen Solarparks und setzt verstärkt auf Gas, das auf der arabischen Halbinsel in Unmengen vorhanden und noch unerschlossen ist. Dass für den geplanten IPO-Erlös zunächst nur 5 % der Aramco-Anteile in den Handel gebracht werden, verdeutlicht die Größe des Konzerns.

Geheimniskrämerei um Zahlen

Was stört ist die fehlende Transparenz. Bisher war weder ein Einblick in die Bücher möglich, noch wurden jemals nachvollziehbare Zahlen veröffentlicht. Inwieweit sich die Verantwortlichen künftig in die Karten schauen lassen, bleibt abzuwarten. Ob die geplanten Reformen auch bei Aramco Einzug halten, ist ungewiss. Es wird nach wie vor unter der Kontrolle von Staat und Regierung stehen. Deren Gemauschel mit dem tatsächlichen Börsenwert jedenfalls hat einen schlechten Eindruck hinterlassen.

Was wiederum beeindruckt: Aramco verfügt allein bei Rohöl über Reserven von angeblich 265 Mrd. Barrel – rund 15 % des weltweiten Vorkommens. Und bei der Tagesförderung produziert es zehn Mal so viel wie Exxon Mobil. Von den noch nicht absehbaren Gasförderungen ganz zu schweigen. Solange der Ölpreis nicht dramatisch unter das derzeitige Niveau fällt, dürfte die Rechnung der Saudis grob aufgeben.

Privatplatzierung nicht ausgeschlossen

Unter Umständen aber anders als sich viele Privatanleger erhoffen. Gut möglich, dass es nicht zum Börsengang im klassischen Stil kommt. Das energiehungrige China will sich ein Aktienpaket von über 5 % durch Direktkäufe sichern. Auch Japan und Südkorea melden mit Nachdruck Interesse an. Von daher wird nun eine Privatplatzierung nicht ausgeschlossen.

Ob am Ende nur Staatsfonds und institutionelle Investoren zum Zuge kommen, ist noch offen. Sollte sich Aramco doch noch für eine Konstruktion entscheiden, die Privatanleger berücksichtigt, so wäre der von Trump gewünschte Börsenplatz New York eine gute Wahl. Dort sind nämlich die Anforderungen an Transparenz und Informationen besonders hoch.

21. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt