Aramco Aktie: Weltgrößter Börsengang lässt weiter auf sich warten

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Die saudische Aramco gilt als der größte Energiekonzern der Welt. Der Börsengang lässt dennoch weiter auf sich warten. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Erst verschoben, dann abgesagt. Das Drama um den weltgrößten Börsengang geht weiter. Die Rede ist vom saudischen Ölkonzern Aramco. Das staatliche Unternehmen sollte schon im Jahr 2018 an die Börse – daraus wurde nichts. Streitigkeiten über mögliche Börsenhandelsplätze und über die Bewertung sorgten für das vorläufige Börsen-Aus. Jetzt soll der Börsengang von Aramco in 2021 über die Bühne gehen.

Ursprünglich hatte Kronprinz Mohammed bin Salman die Idee eines Börsengangs von Aramco bereits Anfang 2016. Geplant war, rund 5 % der Aramco-Anteile über die Börse bei Investoren zu platzieren. Durch den Börsengang sollte das Unternehmen bis zu 100 Mrd. US-$ erlösen, bei einer Bewertung von rund 2 Billionen US-Dollar.

Trotz der hohen Bewertung wäre ein Aramco-Börsengang für Anleger durchaus interessant, kontrolliert das Unternehmen mehr als 260 Mrd. Barrel Rohöl. Dadurch wäre Aramco der weltgrößte Energiekonzern. Doch ist der Konzern auch zukunftsträchtig, wenn die Welt sich vom Öl verabschiedet und sich alternativen Energieträgern zuwendet? Ein Blick auf das Unternehmen.

Aramco Börsengang – ein Blick auf die potenzielle Aktie

Aramco wurde ursprünglich im Jahr 1933 als California-Arabian Standard Oil Company gegründet, erst im Jahr 1988 folgte die Umbenennung in Saudi Arabian Oil Company/Saudi Aramco.

Jedes achte Barrel Rohöl kommt von Aramco, insgesamt zeichnet der staatliche Ölkonzern für etwa 12 % der weltweiten Ölproduktion verantwortlich, mehr als jeder andere Ölproduzent. Unter dem Strich pumpt Aramco 10,3 Mio. Barrel Rohöl pro Tag aus dem Boden, mehr als doppelt so viel wie der nächste Konkurrent (Rosneft.).

Die Rohölreserven im Boden beziffert Aramco auf 261 Mio. Barrel, mehr als die Hälfte der gesamten Ölreserven Nordamerikas. Außerdem betreibt Aramco das weltweit größte Erdöl- bzw. Erdgasnetz (Master Gas System).

Aramco verkauft 75 % seiner Ölproduktion ins Ausland, China ist dabei der größte Abnehmer. Laut Rystad-Daten kaufen die Chinesen etwa 1,4 Mio. Barrel Rohöl pro Tag. In 2018 konnte Saudi Aramco seinen Umsatz auf 356 Mrd. US-$ steigern, nach Einnahmen von 263 Mrd. US-$ im Jahr vorher. In Saudi Arabien beschäftigte das Unternehmen zuletzt 65.000 Mitarbeiter.

Aramco gilt als das profitabelste Unternehmen der Welt

Eigentlich galt der iPhone-Hersteller Apple als das wertvollste Unternehmen, das auch den nächsten Gewinn erwirtschaftet. Doch der operative Gewinn von Aramco stellt den Apple-Gewinn in den Schatten.

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Für 2018 konnte Aramco nicht nur einen deutlichen Umsatzanstieg vermelden, auch der Gewinn summierte sich auf 224 Mrd. US-$ und war damit etwa drei Mal so hoch wie bei Apple (82 Mrd. US-$).

Bei der Gewinnmarge liegt Aramco aber deutlich hinter anderen Ölkonzernen wie Exxon Mobil und Royal Dutch Shell zurück. Dies liegt daran, dass Aramco rund 50 % seiner Gewinne als Einkommensteuer an den Staat abführen muss und daneben eine zusätzliche Abgabe (mind. 20 %) an das saudische Königshaus leistet.

Aramco steigt ins Chemie-Geschäft ein

Neben dem Erdöl- und Erdgas-Geschäft will sich Aramco ein weiteres Standbein in der Chemie-Branche aufbauen. Hierzu hatte das Unternehmen im März 2019 für über 69 Mrd. US-$ 70 % der Anteile am saudi-arabischen Chemiegiganten Sabic erworben.

Mit der mehrheitlichen Übernahme will sich Aramco fitt machen für die Zeit nach dem Öl. Denn Sabic ist in mehr als 50 Ländern weltweit aktiv und beschäftigte rund 34.000 Mitarbeiter. Der Sabic-Umsatz summierte sich in 2018 auf 45 Mrd. US-$, dabei fiel ein Gewinn von 5,7 Mrd. US-$ an.

Fazit: Aramco rüstet sich für den Börsengang und die Zeit nach dem Öl

Mit der mehrheitlichen Übernahme von Sabic steigt die Produktionstiefe bei Aramco. Zudem eröffnet sich Aramco mit der strategischen Übernahme neue Wachstumsmöglichkeiten auf den Weltmarkt. Sabic stellt nicht nur Kunststoffe und Metalle, sondern auch Düngemittel her. Zudem hält Sabic 25 % der Anteile am Schweizer Chemie-Riesen Clariant.

Für Anleger wäre Aramco daher durchaus interessant, zumal der Ölkonzern sicherlich seinen potenziellen Aktionären eine attraktive Dividendenrendite bieten könnte. Zum Vergleich: Exxon Mobil und BP weisen Dividendenrenditen von 4 bis 6 % auf.

Allerdings stehen die Chancen schlecht, dass Aramco wirklich in den nächsten 2 Jahren an die Börse kommt. Der Grund: Aramco konnte sich bislang sehr gut am Anleihemarkt finanzieren. Allein im April 2019 nahm der saudisch-arabische Ölriese rund 12 Mrd. US-$ durch einen Anleiheverkauf auf. Solange sich Aramco günstig anderweitig am Kapitalmarkt finanzieren kann, dürfte ein Börsengang eher kein Thema sein, glauben Analysten.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands