Auf Wiedersehen, deutsche Steuer-Gerechtigkeit

Donald Trump kündigte im Wahlkampf massive Steuer-Entlastungen an. Diese will er nun auch wahrmachen.

So sollen u. a. die Unternehmen steuerlich entlastet werden, die Steuersätze von 35% auf 15% senken.

Damit soll ein jährliches Wirtschafts-Wachstum von 3 – 4% geschaffen werden.

Steuer-Gerechtigkeit oder Steuer-Dumping?

Sie wissen bereits: Das hat natürlich große Auswirkung auf die übrige Welt, die führenden Industrienationen und die Schwellenländer.

Einige EU-Mitgliedstaaten wollen ebenfalls einen Kurswechsel in dieser Frage.

Bundesfinanzminister Schäuble hingegen spricht von Steuer-Dumping.

Er weiß genau, dass neben der Spaltung der EU in der Flüchtlingsfrage eine weitere dazu kommen könnte.

Großbritannien schert aus

Doch auch Großbritannien will Unternehmens-Steuern senken, um die wirtschaftlichen Folgen des BrExit abzufedern.

Denn nach dem Votum für den BrExit, den Austritt Großbritanniens aus der EU, fürchtet sie massenhafte Abwanderung von Unternehmen.

So sollen auf der Insel die Unternehmens-Steuern von 20 auf 17 oder gar 15% sinken.

Übrigens: Der Durchschnittssatz in den Industrieländern (OECD) liegt bei 25%.

In Deutschland beträgt der Körperschafts-Steuersatz 15%, die gesamte Unternehmens-Steuerbelastung jedoch satte 30%.

Dabei sind die Briten nicht die einzigen in Europa, die in der Steuer-Politik neue Wege gehen wollen.

Ein Land strebt die billigsten Steuer-Konditionen in der EU an

Doch mit Warnungen an die Briten alleine hat es sich nicht getan. Denn auch im Osten der EU brauen sich für die bisherigen Steuer-Politik-Verteidiger dunkle Wolken zusammen.

Vielleicht wissen Sie schon, welches Land gemeint ist: Ungarn.

Regierungs-Chef Victor Orban, der sich v. a. gegen Merkels verordnete Flüchtlings-Politik gestellt hat, kündigte Ungeheuerliches an: Er will Firmen 2017 nur noch mit 9% Körperschafts-Steuer belasten.

Mit diesem Steuersatz hätten die Ungarn die besten steuerlichen Konditionen, ließ er bereits wissen und würde damit für Unternehmen noch attraktiver werden.

Der neue Steuersatz soll einheitlich für kleine, mittlere und große Firmen gelten.

Griechenland will Steuern senken – wenn man es lässt

Selbst in Griechenland, das so arg von der Troika mit Sparprogrammen gebeutelte Land, dass sich dadurch selbst wirtschaftlich stranguliert, strebt an Steuern zu senken.

Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos erklärte, dass das Land die Steuern senken könnte, wenn die Geldgeber die strengen Auflagen zur Haushalts-Führung lockern würden – um damit wettbewerbsfähiger zu werden.

Eine etwas realistischere Sicht der Dinge ist diese: Die Gläubiger werden das niemals zulassen.

Schäuble & Gabriel gegen Steuer-Entlastungen

Wolfgang Schäuble gefällt das alles nicht.

Er warnte vor einem unfairen Wettbewerb über Mini-Steuersätze. Da müsse man dagegenhalten. Die Zinsen würden nicht weiter sinken, von daher werde es auch keine zusätzlichen Finanz-Spielräume mehr geben.

Gleichzeitig wies er die Appelle der EU-Kommission barsch zurück, dass Länder wie Deutschland ihre Kassen weiter öffnen sollten, um mehr Wachstum zu generieren.

Diese Empfehlungen würden an den Falschen gehen, meinte er dazu.

An Deutschland prallen also die Argumente ab, Steuer-Senkungen würden die Wettbewerbskraft steigern und damit zu mehr Wachstum und Beschäftigung führen.

Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel kritisiert Billigsteuerländer. Das könne doch nicht alles sein, ließ er wissen.

8. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Guido Grandt. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt