Ausblick Automobilbranche 2019 – Autoaktien im Fokus

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Die Automobilindustrie scheint sich gerade neu zu erfinden - ein Ausblick auf die Automobilbranche in 2019. (Foto: Gubin Yury / shutterstock.com)

Das Jahr 2018 war ein schwieriges Jahr für die weltweite Automobilbranche und für die deutschen Hersteller insbesondere. In den ersten 9 Monaten 2018 kletterte der weltweite Autoabsatz nur um 1,2 % auf 62,2 Mio. Fahrzeuge.

Vor allem in Nordamerika waren die Verkaufszahlen rückläufig, aber auch der schleppende deutsche Markt machte den Herstellern zu schaffen. Allein hierzulande ging die Zahl der Neuzulassungen in 2018 um 0,2 % zurück – der erste Rückgang seit 5 Jahren. Vor allem der Absatz von Diesel-Fahrzeugen brach nach den vielfältigen Skandalen in 2018 ein. Konkret sank der Verkauf von Dieselautos in 2018 in Deutschland um 6,5 %.

Ausblick auf die Automobilbranche 2019

Neben der Dieselproblematik hat die deutsche Autoindustrie noch ein weiteres Problem: Neue Abgasprüfstandards wie das WLTP-Verfahren erfordern weitere Anpassungen von Seiten der Hersteller. Dadurch soll sich der angegebene Kraftstoffverbrauch in den Verkaufsprospekten am tatsächlichen Verbrauch in der Praxis orientieren.

Daneben verschieben sich die Investitionsschwerpunkte der Branche weiter in Richtung Elektromobilität und autonomes Fahren. Die deutschen Autohersteller wollen mit gutem Beispiel vorangehen und weiter in diese Bereiche investieren.

Porsche verdoppelt Taycan-Produktion

Porsche war in 2018 gut unterwegs. Die Verkäufe stiegen in den ersten 9 Monaten 2018 um 6 % auf 196.562 Autos. In Deutschland lief das Geschäft sogar noch besser, hierzulande stiegen die Auslieferungen um 13 % auf 24.709 Fahrzeuge.

Auch in den USA erfreuen sich Porsche-Fahrzeuge wie der Crossover Macan oder der SUV Chayenne großer Beliebtheit. Vor allem der elektrisch betriebene Taycan stößt auf reges Kundeninteresse. Porsche will die Produktion dieses Elektroautos von 20.000 auf 40.000 Einheiten verdoppeln, wobei der Elektro-Taycan bis Ende 2019 in den USA verfügbar sein soll.

Audi vor großen Herausforderungen

Für Audi hat das Jahr 2019 nicht gut angefangen. Im größten Audi-Motorenwerk im ungarischen Györ streiken die Mitarbeiter. Zudem ging der Audi-Absatz im Jahr 2018 deutlich zurück. Konkret sanken die Verkäufe im Vorjahr um 3,5 % auf 1,81 Mio. Autos. In Europa brach der Absatz sogar um 14 % ein. Hintergrund waren Probleme mit dem neuen Abgas-Prüfverfahren WLTP.

Trotz dieser Probleme und Absatzschwierigkeiten in den USA und China – hier brachen die Verkäufe um 15 % bzw. um 5 % im letzten Monat ein – blickt Audi verhalten optimistisch ins neue Jahr. Schon im März soll der neue elektrische Audi E-Tron in Europa zur Auslieferung kommen – es ist das erste rein elektrische Automodell der Ingolstädter. Wie viele Vorbestellungen es konkret für den E-Tron gibt, wollte Audi zwar nicht nennen, Vertriebschef Christian Dahlheim sprach jedoch von einem „extrem starken“ Kundeninteresse an dem neuen Elektroauto.

BMW leichtes Absatzplus, doch keine Entwarnung

Anders als Audi hat der bayerische Autobauer BMW seinen Absatz im Vorjahr leicht steigern können. Von den Marken BMW, Mini und Rolls Royce konnte BMW im Vorjahr 2,49 Mio. Autos verkaufen – ein Plus von 1,1 %.

Beim Gewinn musste BMW zuletzt aber deutliche Abstriche machen. So brach zum Beispiel der Gewinn im 3. Quartal 2018 um 24 % ein, die operative Gewinnmarge halbierte sich.

Für 2019 strebt BMW zwar ein leichtes Absatzplus an, doch über den Berg dürfte BMW damit noch nicht sein. Marktbeobachter erwarten, dass BMW noch stärker in Elektromobilität, autonomes Fahren und künstliche Intelligenz investieren muss, will der bayerische Autobauer seine ehrgeizigen Ziele erreichen. Laut BMW-Vorstand Harald Krüger will BMW den Konkurrenten Mercedes-Benz bis 2020 überholen.

Daimler kann weiter auf das Zugpferd Mercedes-Benz bauen

Daimler hat im Jahr 2018 mehr Premium-Fahrzeuge verkauft als jeder andere Autohersteller. Allein die Tochter Mercedes konnte seinen Absatz in 2018 um 0,9 % auf 2,31 Millionen Autos steigern.

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Mit einer neuen Firmenstruktur will Daimler auch in 2019 weiter Gas geben. Mit 3 schlagkräftigen Einheiten (Daimler Mobility AG, Daimler Truck AG, Mercedes-Benz AG) will Daimler nicht nur flexibler, sondern sich auch besser auf die einzelnen Sparten konzentrieren. Zwar dürften die Kosten für die Neustrukturierung bis zum Jahr 2020 bei einem hohen dreistelligen Millionen Eurobetrag liegen, langfristig soll sich die Neustrukturierung aber auszahlen.

Volkswagen schließt globale Allianz mit Ford

Volkswagen (VW) begann das Jahr 2019 mit einem Paukenschlag. Gemeinsam mit dem US-Autohersteller Ford will VW eine breite globale Allianz schmieden. Ford wird in diesem Zusammenhang mittelgroße Pickup-Trucks für VW entwickeln, wobei diese Fahrzeuge Anfang 2022 auf den Markt kommen sollen. VW will im Gegenzug einen City-Van bauen.

Zudem will VW der weltweit größte Hersteller von Elektroantriebstechniken werden. Insbesondere das VW-Werk in Salzgitter soll hier künftig eine größere Rolle spielen und unter anderem die Elektromotoren für die neue VW I.D. Serie bauen – dessen Produktion soll Ende 2019 in Zwickau anlaufen. Insgesamt will VW in diesem und im nächsten Jahr rund 870 Mio. Euro in die Fertigung von Elektromobilitäts-Komponenten investieren.

Tesla kommt in Schwung, doch Fragen bleiben

Der US-Elektroautobauer Tesla konnte die Produktion im 4. Quartal 2018 auf 86.555 Elektroautos steigern, ein neues Rekordhoch. Auch die Produktion des Model 3 kommt immer besser in Schwung – 63.150 Elektroautos dieses Typs wurden an die Kunden ausgeliefert.

Insgesamt konnte Tesla im vergangenen Jahr 245.000 Elektroautos an die Kunden verkaufen, darunter 145.000 Model 3 und rund 100.000 Model S und Model X. Die Produktion kletterte im Schlussquartal auf rund 1.000 Elektroautos täglich.

Außerdem hat Tesla jüngst grünes Licht von den Behörden erhalten, um das Model 3 in Europa auszuliefern. Daher dürfte das Model 3 in den nächsten Wochen bald an die ersten Europa-Kunden ausgeliefert werden, in China soll es im März soweit sein.

Doch es gibt auch Gegenwind: Der Gewinn wird im Schlussquartal voraussichtlich deutlich niedriger ausfallen als im Vorquartal. Gleichzeitig hat Tesla Sparmaßnahmen eingeleitet, um rund 7 % bzw. rund 3.000 Stellen zu kürzen. Außerdem muss Tesla damit rechnen, dass die Subventionen für Tesla-Elektroautos in den USA bis Ende 2019 gänzlich wegfallen. 2019 könnte also ein schwieriges Jahr für Tesla werden, das von weiteren Investitionen geprägt ist.

Fazit: Automobilbranche steht vor einem großen Umbruch

Keine Frage, die weltweite Automobilbranche steht vor einem großen Umbruch. Autoanalysten wie Peter Fuß von Ernst & Young erwarten, dass die Branche in 2019 die Probleme im Zusammenhang mit dem neuen Abgasprüfstandards überwinden wird – der Analyst rechnet daher mit Nachholeffekten im ersten Halbjahr 2019.

Zwar entfallen inzwischen mehr als die Hälfte der weltweit angemeldeten Patente im Bereich autonomes Fahren auf deutsche Autohersteller, doch viele Hersteller sind noch nicht für die neuen Mobilitätsplattformen gerüstet (Car-Sharing, autonomes Fahren etc.).

Dabei gilt insbesondere das traditionelle Absatzmodell der Automobilbranche als überholt. Vielmehr werden Kunden in ferner Zukunft wohl nicht mehr ein eigenes Auto besitzen, sondern je nach Bedarf ein Fahrzeug ordern oder Autos teilen.

Auch bleibt noch die Frage offen, ob die deutschen Autohersteller die Produktion der Akkuzellen in die eigene Hand nehmen oder weiter abhängig von ausländischen Herstellern bleiben. Autoaktien bleiben daher weiterhin für konservative Anleger ein heißes Eisen – dies gilt nicht nur für deutsche Hersteller wie Daimler, sondern insbesondere auch für Tesla.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands