Ausblick für den Nasdaq 100: US-Tech-Werte bleiben attraktiv

Beim Nasdaq ist nach extrem langer Hausse mit einer Korrekturphase zu rechnen. Langfristig aber bleiben Tech-Werte der Renner. (Foto: andersphoto / shutterstock.com)

Er ist der absolute Renner unter den großen marktbreiten Indizes. Der amerikanische Technologiewerte-Index Nasdaq 100 hat den S&P 500 oder den Dax weit hinter sich gelassen.

Fast 200 % Wertzuwachs bescherte er Anlegern in den letzten zehn Jahren, mehr als drei Mal so viel wie die beiden anderen Leitbarometer. Anfang des Monats war er auf den Rekordwert von 5.881 Punkten geklettert.

Verhaltener Ausblick zum Nasdaq 100

Und wie ist der Ausblick des Nasdaq? Die Bäume können natürlich nicht in den Himmel wachsen. Der steile Aufwärtstrend hält schon seit Anfang 2009 auf nahezu gerader Linie an. Damals notierte der Nasdaq übrigens bei 1.064 Punkten.

Zudem lässt der jüngste Trump-Hype nach und die US-Notenbank Fed hat die Zinsen auf eine neue Spanne von 1 % bis 1,25 % angehoben – und den nächsten Schritt angekündigt. Zinsanlagen werden wieder interessanter, was erfahrungsgemäß teilweise Umschichtungen von Anlagegeld nach sich zieht.

Zum Ausblick des Nasdaq heißt es verbreitet, er sei „ausgelutscht“. Obwohl er immer noch nach oben hin ausgetestet wird, steigt die Gefahr, dass große Investoren vorsichtshalber aussteigen, um möglichst wenig Verluste zur riskieren. Ein Ketteneffekt könnte dann die Trendwende bringen.

Die schien auch Ende 2015 gekommen, als es bis Februar 2016 mit über 15 % zum größten Rücksetzer seit 2009 kam. Doch dann ging die Rally erst recht weiter. Der Steigwinkel verlief steiler als je zuvor. Was zog, waren vor allem die Wegbereiter der digitalen Zukunft wie Amazon, Apple, Facebook, Google oder Microsoft. Und unverändert sind sie es, die den Ausblick im Nasdaq bestimmen.

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Einsetzende Sektoren-Rotation

Und damit die weitere Entwicklung im S&P 500, wo sie ebenfalls gelistet sind. Dort stehen die fünf Großen für gut 38 % der jüngsten Wertzuwächse. Nimmt man wichtige doppelt gelistete Vertreter aus dem Gesundheitssektor wie etwa Biogen hinzu, sind es gar 75 %. Bislang trugen gerade die Internet-Konzerne mit ihrer digitalen Kosteneffizienz zur niedrigen Inflation und den lange geringen Zinsen bei.

Doch der Wind scheint sich zu drehen. Waren die Internet-Konzerne bislang eher übergewichtet, weil sie zu opportunen Wachstums- und Momentum-Strategien passten, wird nun ein Wechsel hin zu Value-Aktien beobachtet. Auch Bankentitel profitieren. Hält die Sektoren-Rotation an, geht dies zulasten des Nasdaq.

Immerhin machen die großen Tech-Konzerne rund 50 % im Nasdaq aus. Zwar sind auch andere Branchen vertreten wie Konsumgüter und Gesundheitswesen, doch wenn die führenden Aktien nachgeben, helfen auch Titel wie die des Biotechnologieunternehmens Amgen oder des Spielzeugherstellers Matell nicht weiter. Dann ist der gesamte Index besonders betroffen.

Einstweilen auf Nummer Sicher gehen

Insgesamt erscheint nach der bisherigen Euphorie eine Konsolidierung wahrscheinlich. Die Frage ist, ob man jetzt noch in den Nasdaq investieren will – sei es mit einem ETF oder über Zertifikate bzw. Optionsscheine. Auf jeden Fall bieten sich derzeit Absicherungs-Strategien an: Stoppmarken, Short-Produkte oder ganz einfach vorübergehend aussteigen und die Entwicklung bis Herbst abwarten.

Gleichzeitig sollte man auch künftig verstärkt auf den Nasdaq setzen. Ganz einfach, weil die Digitalisierung von Industrie und Gesellschaft unaufhaltsam voranschreitet. Die Technologiekonzerne arbeiten überproportional profitabel. Und mit ihrer Marktposition haben sie genügend Ressourcen, um in neue Produktfelder zu investieren. Sie werden die Zukunft weiterhin voranzutreiben und eine Korrekturphase unbeschadet überstehen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.