Auto-Aktien: Trump ist nur eines von vielen Problemen

Trumps Strafzölle belasten Automobilaktien erheblich. Doch selbst ohne sie scheinen die fetten Jahre der Hersteller einstweilen vorüber. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Glaubt man an die Zukunft der deutschen Autobauer, so wäre derzeit der richtige Zeitpunkt zum Einstieg. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen 5 und etwas über 6 sind die Aktien von BMW, Daimler und VW unterbewertet und die Kurse haben in den letzten drei Monaten zweistellig nachgegeben. Auf Jahressicht konnte einzig VW leicht zulegen.

Bei Daimler schlugen zuletzt hausgemachte Probleme mit Abgasmanipulationen sowie der Brand bei einem zentralen Zulieferer in den USA ins Konto. Doch der aktuell größte Unsicherheitsfaktor für die Auto-Aktien sind Strafzölle, die Donald Trump nun in die Tat umsetzen will.

Strafzölle belasten Automobilaktien

Derweil haben die Stuttgarter schon mal eine Gewinnwarnung herausgegeben. Daimler und BMW würden mit ihren Exporterfolgen in den USA besonders unter den Sanktionen leiden. VW indes kommt dort mit seiner Kernmarke auf einen Marktanteil von nur 2 %, was die Auswirkungen von Strafzöllen auf die Automobilaktie der weltweiten Nummer eins in Grenzen hält.

Dennoch, Trumps geplante Besteuerung von bis zu 25 % wird europäische Autos um einige Tausend US-Dollar teurer machen, und damit weniger konkurrenzfähig. Bislang werden 2,5 % Importsteuern fällig. Eine derart drastische Mehrbelastung muss sich zwangsläufig in den Bilanzen niederschlagen. Auch wenn die deutschen Hersteller auch in den USA selbst produzieren, so haben sie letztes Jahr immerhin eine halbe Mio. Autos in die USA geliefert.

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Das Damoklesschwert der Strafzölle lastet wie Blei auf den Automobilaktien. Kein Wunder, dass der Verband der Automobilindustrie (VDA) nun nach Vergeltung durch die EU ruft. Ein Stillhalten würde Trump als Schwäche ansehen, die ihn nur zu neuen Eskapaden ermuntert.

Von China allein kann die Branche nicht leben

Drohende Vergeltungsmaßnahmen der EU wiederum rufen die Wirtschaft in den USA auf den Plan. Im Handelskrieg sind ihre eigenen Interessen gefährdet. Das Debakel um Harley Davidson verdeutlichte den Bumerang-Effekt. Allen voran befürchtet GM massive Jobverluste. Der Widerstand gegen Trump formiert sich auf breiter Front – auch in der Politik. Immer mehr Parteifreunde kritisieren, dass der Präsident mit der Begründung der „nationalen Sicherheit“ bei Importen seine Befugnisse missbraucht.

Doch selbst wenn das Thema Strafzölle im Sande verlaufen sollte, so hat nach Ansicht von Experten die deutsche Automobilkonjunktur ihren Höhepunkt überschritten. Dieselskandale, neue Beschränkungen, sowie Sanktionen gegen Russland und den Iran belasten die Branche zusätzlich. Während die meisten Marktregionen in der Welt weitgehend gesättigt sind, ist in China auch weiterhin viel zu holen.

Doch vom Reich der Mitte allein können die deutschen Hersteller auf Dauer nicht leben. VW zumindest hat bereits Konsequenzen gezogen und will massiv in Indien investieren. Renault etwa hat das Potenzial bei massentauglichen günstigen Autos längst erkannt. BMW und Daimler müssen sich etwas einfallen lassen – unabhängig von möglichen Strafzöllen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.