Auto1 Aktie: Anleger warten weiter auf den Börsengang

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Auto1 wird immer wieder als heißer Kandidat für einen Börsengang gehandelt. Doch was steckt hinter dem Unternehmen? (Foto: andriano.cz / shutterstock.com)

Die Gruppe gehört zu den wertvollsten Start-ups in ganz Europa. Die Rede ist von der Auto1 Group in Berlin, der größte Händler von Gebrauchtwarenfahrzeuge in Europa.

Binnen 7 Jahren ist die Gruppe von einem 2-Mann-Unternehmen zu einem Milliarden-Konzern avanciert. Spätestens nach dem Einstieg der japanischen Softbank im Januar 2018 – die Japaner investierten 460 Mio. € – gehört Auto1 zu den sogenannten Einhörnern, also jenen Unternehmen, die mit mehr als 1 Mrd. US-$ bewertet werden. Konkret summiert sich die Firmenbewertung von Auto1 inzwischen auf rund 3 Mrd. €.

Ein Börsengang von Auto1 ist vorerst nicht geplant, wie die beiden Gründer Hakan Koç und Christian Bertermann Ende 2017 verlauten ließen – doch die Zeiten ändern sich. Vor allem, wenn die Gruppe weiter international wachsen will, könnte sich ein weiterer Kapitalbedarf abzeichnen. Ein Blick auf das Unternehmen.

Auto1 Aktie – Das Unternehmen im Überblick

Auto1 wurde im Jahr 2012 von den 2 Gründern Christian Bertermann und Hakan Koç ins Leben gerufen. Die Gruppe mit Sitz in Berlin betreibt die Web-Seiten Auto1.com, wirkaufendeinauto.de sowie AutoHero.com, auf der insbesondere Premium-Gebrauchtwagen angeboten werden.

Auto1 ist nach eigenen Angaben mit rund 4.000 Mitarbeitern in über 30 Ländern Europas aktiv und ist damit Europas führender Gebrauchtwagen-Händler.

Im Geschäftsjahr 2018 konnte Auto1 seine Erlöse um 32 % auf 2,9 Mrd. € steigern, in 2017 wuchs der Umsatz allerdings noch um 47 %. Im Vorjahr wurden rund 540.000 Autos an- und verkauft. In Deutschlang gilt Auto1 bereits als profitabel, international gilt das Geschäft noch als defizitär. Trotz des Einstiegs von SoftBank, halten die 2 Mitgründer nach wie vor etwas mehr als 30 % der Anteile an Auto1.

So funktioniert das Geschäftsmodell von Auto1

Die Auto1 Group kauft Gebrauchtwagen kostengünstig auf, um diese dann an Händler weiterzuverkaufen – Auto1 betreut dabei mehr als 55.000 Händler. Auto1 profitiert dabei von einer besonderen Form des Arbitrage-Handels. Anders als bei der Konkurrenz von Mobile.de oder Autoscout24, wird Auto1 selbst Eigentümer der Fahrzeuge.

Im Vordergrund des Geschäftsmodells steht ein Algorithmus, der binnen Sekunden einen fairen Marktpreis für das Gebrauchtfahrzeug ermittelt. Der Großteil der privaten Verkäufer erhält einen garantierten Preis und muss sich auch nicht mehr um Formalitäten kümmern.

Auto1 profitiert dabei von einer europaweiten Datenbank, wodurch die Software ersehen kann, welches Auto gerade wo sehr gefragt ist. Auto1 kauft also das gebrauchte Fahrzeug günstig an und verkauft es dann an anderer Stelle weiter. Dabei profitiert Auto1 von einer breiten Infrastruktur an Ankauf- und Logistikstellen. Gleichzeitig nutzt Auto1 die Kapazitäten bei großen Autotransportern, um die Kosten beim Transport der Fahrzeuge quer durch Europa zu drücken.

Fazit: Auto1 mit starkem Geschäftsmodell, ein Börsengang ist aber vorerst nicht in Sicht

Da jedes Fahrzeug vor dem Weiterverkauf geprüft und bewertet wird, kann Auto1 eine wertvolle Datenbank aus Informationen aufbauen, die dem Unternehmen später Wettbewerbsvorteile beim Handel einbringen.

Das fein verzahnte Netzwerk in Bezug auf Fahrzeugannahme, Transport und Weiterverkauf helfen Auto1 sein Geschäftsmodell weiter zu optimieren. Nachteil: Durch das starke Wachstum hatte Auto1 zuletzt mit relativ vielen Reklamationen von Seiten der Händler zu kämpfen – offenbar fehlte zuletzt qualifiziertes Personal, welche die Fahrzeuge intensiver auf Mängel untersucht. 

Daneben gibt es für interessierte Anleger noch einen weiteren Wermutstropfen. Ein Börsengang von Auto1 ist vorerst nicht geplant, solange sich das Unternehmen privat finanzieren kann. Daher werden Anleger voraussichtlich noch länger warten müssen, bis die Auto1 Aktie an der Börse notiert.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands