Automobil-Branche: Status quo und Zukunft im Blickpunkt

Seit der Diesel-Affäre um VW im September 2015 kommt die deutsche Automobil-Branche nicht mehr zur Ruhe.

Verwaltungsgericht Stuttgart fordert bessere Luftqualität

Mitte 2017 sorgten ein Urteil des Verwaltungsgerichts in Stuttgart und ein Bericht des „Spiegel“ für Schlagzeilen:

So entschied das Verwaltungsgericht Stuttgart Anfang August 2017, dass die Luftqualität in Stuttgart verbessert werden müsse – auch mit Fahrverboten.

Nachrüstungen reichten für das Verwaltungsgericht nicht mehr aus.

Beispiele für Absprachen im vermeintlichen Auto-Kartell

Schon einige Tage zuvor veröffentlichte das Nachrichten-Magazin „Spiegel“ einen Bericht über ein angebliches Auto-Kartell.

Die großen deutschen Autobauer sollen sich regelmäßig versammelt haben, um illegale Absprachen zum Nachteil ihrer Kunden zu treffen.

Eine dieser „skandalösen“ Absprachen:

Die Verdecke (sogenannte Soft-Tops) von Cabrios können nur bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h geöffnet und geschlossen werden.

Rein physikalisch wäre dies allerdings auch bis zu einer Geschwindigkeit von 80 km/h möglich.

Der Hintergrund dieses „Skandals“ ist folgender:

Die Ingenieure und Techniker der Autobauer haben sich darauf geeinigt, dass es sinnvoll sei, 10 km/h als Sicherheits-Abzug einzurechnen und 20 km/h als fiktive Windgeschwindigkeit.

Schließlich wollen Sie Ihr Cabrio-Verdeck auch einmal an der Nord- oder Ostseeküste während der Fahrt öffnen oder schließen können.

Auch über dieses Beispiel hinaus ging es bei den Absprachen im Wesentlichen um technische Dinge, die nichts mit dem kaufmännischen Kartellrecht zu tun haben.

Zwar können technische Absprachen ohne Zweifel Einfluss auf Preise und Kosten haben.

Doch aus den technischen Absprachen, die es zwischen den Autobauern gab – und die in jeder (großen und bedeutenden) Branche üblich sind –, einen derartigen Skandal bzw. ein Auto-Kartell zu machen, ist für mich absurd!

Außerdem scheint mir all dies doch ziemlich weit von einem eindeutigen Gesetzesverstoß entfernt…

Grüne wollen Verbot von Verbrennungs-Motoren

Kommen wir nun zum Thema Diesel-Motoren – oder besser, ganz allgemein zum Verbrennungs-Motor:

Diesen wollen die Grünen ab dem Jahr 2030 abschaffen.

Meine Meinung: Ein generelles Verbot bzw. ein Ablaufdatum von Verbrennungs-Motoren ist genauso unsinnig, wie große Teile der öffentlichen Diskussion bzgl. dieses Themen-Komplexes!

Schauen wir uns einmal die Fakten an:

Der ÖPNV (öffentlicher Personen-Nahverkehr) in Deutschland ist in keinem besonders guten Zustand.

In meiner Heimatstadt Köln sind Busse und Bahnen zu den Stoßzeiten heute schon gnadenlos überfüllt und oftmals unpünktlich.

Jetzt die 1.000-€-Frage:

Was würde passieren, wenn die Hälfte derer, die derzeit vorwiegend mit ihrem PKW in Köln unterwegs sind, zukünftig auf den ÖPNV setzen würden?

Richtig: Das System würde völlig zusammenbrechen.

Besser: Infrastruktur ausbauen

Daher muss der ÖPNV in Deutschland ausgebaut und modernisiert werden!

Wenn dies der Fall ist – da bin ich mir sicher –, werden automatisch weniger PKW in unseren Städten unterwegs sein.

Dann gibt es weniger Diesel-Fahrzeuge in unseren Städten, was weniger NOx-Ausstoß bedeutet und weniger Benziner, was weniger CO2-Ausstoß bedeutet.

Zudem brauchen wir eine vernünftige Infrastruktur im Hinblick auf die Elektromobilität!

Solange es kaum Ladestationen gibt, wird sich auch kaum jemand ein Elektrofahrzeug kaufen – so einfach ist das!

Und daran ändert auch eine Kaufprämie nichts.

Sie würden ja auch keinen Diesel-PKW kaufen, wenn es Diesel-Kraftstoff nur an einer von 100 Tankstellen gäbe – auch dann nicht, wenn Sie dafür eine Prämie erhielten.

Und: Technologie vorantreiben

Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang: Die Ladezeit und die Reichweite müssen sich verbessern!

Wenn es nur noch wenige Minuten dauert, bis der Akku eines Elektro-Autos wieder geladen ist und wenn Sie mit einer Akku-Ladung nicht mehr 200, sondern 500 km weit fahren können, wird ein solches Auto deutlich attraktiver.

Jemand, der im Außendienst arbeitet und pro Jahr 80.000 km fährt (vorwiegend lange Strecken), kann derzeit unmöglich auf ein Elektro-Auto setzen!

Grünen-Forderung ist Quatsch – Anderer Umgang vonnöten

Sollten sich Infrastruktur, Ladezeiten und Reichweiten in den kommenden Jahren nicht deutlich verbessern, wird auch im Jahr 2030 kein Vertriebler auf ein Elektro-Auto setzen können.

Allein schon deshalb ist die Forderung der Grünen in meinen Augen Blödsinn.

Was es stattdessen braucht:

  • einen vernünftigen Umgang mit diesem Thema,
  • eine sachliche Diskussion
  • und einen sanften und fließenden Übergang zwischen den Technologien.

8. August 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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