Autonomes Fahren: Toyota und Uber starten Gemeinschaftsprojekt

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Toyota und Uber gehen eine Partnerschaft ein und entwickeln gemeinsam autonome Fahrsysteme. Uber will nächstes Jahr an die Börse. (Foto: Toyota Deutschland)

Trends treiben die Aktienmärkte. Autonomes Fahren ist einer davon. Doch bis die Vision vom Roboterauto Wirklichkeit wird, ist noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten. Aufgrund der enormen Kosten liegt es nahe, dass sich spezialisierte Partner zusammentun. Dieser Tage verkündete Toyota auf seiner Internetseite die Kooperation mit Uber. Rund 500 Mio US-Dollar investieren die Japaner in den amerikanischen Fahrdienst, dessen zweites Standbein die Entwicklung autonomer Autos ist.

Selbstfahrendes Toyota-Auto für den Fahrdienst

Aus Anlegersicht ist die Meldung schon deshalb interessant, weil Uber nächstes Jahr an die Börse will. Nach Negativschlagzeilen wegen eines überfahrenen Fußgängers durch ein selbstfahrendes Auto kommt nicht nur die Finanzspritze, sondern vor allem der Imageaufbau recht.

Toyota und Uber arbeiten künftig gemeinsam an autonomen Fahrzeugen. Allerdings geht es zunächst nicht um reine Roboterautos, die ohne Fahrer auskommen würden. Mit autonom sind Assistenzsysteme gemeint, die wesentliche Aufgaben übernehmen wie Streckenverlauf, Umfelderkennung oder automatische Reaktion auf Hindernisse bzw. Anpassung an Verkehrssituationen.

Das Know-how bezüglich der entsprechenden Systeme und Software liegt bei Uber, Toyota bringt seine Kompetenz in der Fahrzeugfertigung ein. Der Plan ist, demnächst ein Sicherheits-Assistenzsystem von Uber in Autos von Toyota einzubauen, die wiederum beim Fahrdienst zum Einsatz kommen. Langfristig sollen die später in Serie produzierten autonomen Fahrzeuge von einem dritten Partner betrieben werden.

Uber bereitet sich auf Börsengang vor

Mit dem Investment verschafft sich Toyota zum einen Zugriff auf das größte Mobilitätsnetzwerk in seinen Hauptabsatzmärkten. Zum anderen findet die weltweite Nummer zwei nach VW Anschluss an einen Zukunftstrend, bei dem andere längst weiter sind. Auch Uber erhofft sich neuen Schub. Beim autonomen Fahren wurde es bereits von den Rivalen Google mit seiner Einheit Waymo, General Motors oder Daimler abgehängt.

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Angesichts der hohen Kosten für diese Projekte ist Uber auf seinen neuen Partner als Schubhilfe angewiesen. Zuletzt waren sie heruntergefahren worden, Uber braucht überzeugende Zahlen für die Börse. Zumindest ist der Umsatz im ersten Quartal vergleichen mit dem Vorquartal um 7,5 % auf 2,59 Mrd. US-Dollar gestiegen.

Durch den Verkauf der Geschäfte in Südostasien und Russland kam endlich ein Gewinn zustande, der ähnlich hoch ist wie der Umsatz. Ohne diesen Sondereffekt aber liegt das Betriebsergebnis bei Minus 550 Mio. US-Dollar. Damit hat sich der Verlust gegenüber dem Vorjahr um fast ein Drittel verringert.

Ein langer, steiler und teuerer Weg

Dennoch sind die Ziele ehrgeizig. Das zeigen allein die Ausgaben für autonomes Fahren, die in der Branche bis zu 200 Mio. Dollar pro Quartal betragen. Als Anleger sollte man die enormen Entwicklungskosten nicht übersehen. Nicht ohne Grund zieht es deutsche und europäische Hersteller an die Fördertöpfe der Regierung bzw. der EU. Allein in Deutschland laufen derzeit 22 Projekte.

Zu den größten Herausforderungen zählt die Verarbeitung der ungeheuren Datenmengen in der Echtzeitanwendung. Der erforderliche Energieaufwand übersteigt den bisheriger Autos um ein Vielfaches. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Antriebssysteme, vor allem Batterien. Noch gibt es keine wirklich überzeugenden Lösungen, diesen Spagat zu überwinden. Zudem müssen teuer entwickelte Komponenten in so hoher Stückzahl verbaut und verkauft werden, dass sie sich rechnen.

Doch autonome Fahrzeuge sind zunächst ein kleiner Teilmarkt, der in den Anfängen steckt. Mittlerweile macht sich die Erkenntnis breit, dass die Vision völlig autonomer und total vernetzter Systeme mit rein batteriegetriebenen Fahrzeugen in weitere Ferne rückt. Bis dahin ist es sinnvoller, Assistenzsysteme eins ums andere marktfähig auszubauen, damit sie Umsätze erzeugen. Wie so oft, lassen sich die ganz hohen Ziele besser mit kleineren und realistischen Schritte erreichen. Ansonsten wird die Vision schnell zur Illusion.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.