Bancor – das weltgrößte Crowdfunding-Projekt unter der Lupe

Das Crowdfunding-Projekt Bancor setzt neue Maßstäbe - was Anleger wissen müssen. (Foto: welcomia / Shutterstock.com)

Dass Crowdfunding-Projekte zweistellige Millionenbeträge einsammeln, ist keine Seltenheit. Doch dass Crowdfunding-Projekte inzwischen mehr Geld einsammeln als so mancher Börsengang, ist neu.

So geschehen am 12. Juni 2017, als das Blockchain-Projekt Bancor einen neuen Weltrekord aufstellte. Im Rahmen eines sogenannten Initial Coin Offerings (ICO) sammelte Bancor binnen drei Stunden umgerechnet rund 153 Mio. US-$ ein.

Ursächlich für den Run auf Blockchain-Start-ups ist der aktuelle Hype rund um Initial Coin Offerings (ICO). Im Rahmen eines ICOs können sich Anleger schon frühzeitig an einer Digital-Währung bzw. an einem Blockchain-Projekt beteiligen.

Die Teilnahme an solchen ICOs bescherte Anlegern in den letzten 12 Monaten traumhafte Renditen von teilweise über 1.000 %. Wer bei den ICOs von Ark, Etheroll, Golem, Komodo dabei war, kann sich sogar über Renditen von 5.000 % und mehr freuen.

Was ist Bancor? Weltgrößtes Crowdfunding-Projekt unter der Lupe

Hinter Bancor steht die Schweizer Bprotocol Foundation, die im Jahr 2017 gegründet wurde, um das Bancor Protokoll im Markt zu etablieren. Beim Bancor Protokoll handelt es sich um einen Standard, um digitale Währungen (Tokens) zu erschaffen.

Hinter Bancor stehen unter anderem Kapital- und Venture-Experten wie Dr. Bernard Lietaer, Eyal Hertzog und Guy Benartzi, die bereits Erfahrungen mit Firmengründungen vorweisen können. Vorangetrieben wird die Entwicklung des Bancor Protokolls von der LocalCoin Ltd. Als Berater und Investor ist der populäre US-Venture-Kapitalgeber Tim Draper mit an Bord.

Bancor – eine Plattform für die Erschaffung neuer Tokens

Bancor will de facto eine Plattform bieten, um es für jeden Nutzer zu ermöglichen, seine eigenen digitalen Tokens auf der Blockchain ins Leben zu rufen. Dies soll auch dann möglich sein, wenn der Nutzer keine Programmierkenntnisse besitzt.

Durch den Prozess führen sogenannte Messenger-Bots, die dem Nutzer dabei helfen, bestimmte Parameter festzulegen. Die neu erschaffenen Tokens sollen anschließend von Jedermann ge- und verkauft werden können.

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Bancor will die notwendige Liquidität für diese Smart Tokens bereitstellen. Dies bedeutet, dass bei der Erschaffung eines neuen Tokens, Bancor als eine Art Reserve-Währung dient. Zudem sollen die digitalen Tokens ohne Spreads gehandelt werden können. Dies bedeutet: Kauf- und Verkaufspreise sind gleich.

Welches Problem will Bancor lösen?

Bancor will vor allem das Problem der geringen Liquidität im Markt für Kryptowährungen lösen und so gleichzeitig Preisineffizienzen vorbeugen. Zwar gibt es Marktplätze wie Poloniex, Kraken oder Bittrex, auf denen Kryptowährungen gehandelt werden können, allerdings müssen sich Nutzer hier mit hohen Gebühren bzw. hohen Spreads bei An- und Verkaufspreisen auseinandersetzen.

De facto agiert das Bancor Protokoll als dezentraler und hochliquider Marktplatz, um den gebührenfreien Handel mit Kryptowährungen zu ermöglichen. Dieser Markt ist vielversprechend, summiert sich das Handelsvolumen mit Kryptowährungen bereits auf über 70 Mio. US-$ pro Tag.

Anwendungsbereiche für Bancor

Bancor kann aber nicht nur als virtuelle Wechselstube eingesetzt werden, Bancor kann zum Beispiel auch dafür verwendet werden, um für spezielle Anlässe (Spendenaktionen) eine bestimmte Kryptowährung ins Leben zu rufen.

Gleichzeitig erlaubt es Bancor eine Art Exchanged Traded Funds (ETF) umzusetzen, wodurch Anleger mit dem Kauf eines Tokens einen ganzen Korb an Kryptowährungen nachbilden können. Zu guter Letzt kann Bancor auch selbst als Crowdfunding-Plattform dienen, um neue Projekte durch die Ausgabe neuer Digital-Währungen (Tokens) anzustoßen.

Fazit: Bancor ist ein interessantes Blockchain-Projekt, das aber noch am Anfang steht

Das Crowdfunding-Projekt Bancor ist ein interessanter Ansatz, um die Erschaffung neuer, sogenannter „Smart Tokens“ (Digital-Währungen) zu ermöglichen, welche die Grundlage für ein neues monetäres System bilden sollen.

Für Anleger stellt sich die Frage, wie diese durch das Halten des Bancor Tokens, der bereits als separate Kryptowährung (Kürzel: BNT) gehandelt wird, profitieren können. Hierzu müssen Anleger wissen, dass der Bancor Token quasi als Reserve-Token für jeden neu geschaffenen „Smart Token“ dient. Dies bedeutet: Je mehr „Smart Tokens“ ins Leben gerufen werden, desto wertvoller wird der Bancor Token.

Trotz der vielversprechenden Aussichten sollten Anleger stets bedenken, dass es sich bei Investitionen in Kryptowährungen um ein hochspekulatives und weitgehend unreguliertes Marktsegment handelt, das von hohen Kursschwankungen geprägt ist. Kryptowährungen kommen daher wenn überhaupt nur als Depotbeimischung in Frage.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands