Banking der Zukunft: Das ändert sich bei Banken für Kunden und Anleger

Nach dem Siegeszug der Online-Banken und anderer Fintech-Unternehmen steht die klassische Bankenwelt vor einer weiteren großen Herausforderung. Ursächlich sind neue technologische Entwicklungen wie zum Beispiel die Blockchain, die Banken langfristig sogar überflüssig machen könnten.

Doch während das Thema Blockchain für einige Banken noch weit entfernt ist, sehen sich Sparkassen & Co einer aktuellen Entwicklung gegenüber, die nicht weniger bedrohlich für die Zukunft der Banken ist.

Immer weniger Kunden besuchen eine Filiale

Denn es ist kein Geheimnis, dass immer weniger Bankkunden eine Filiale aufsuchen. Laut einer Studie des Sparkassenverbands aus dem Jahr 2015, besucht jeder Sparkassenkunde im Schnitt nur noch einmal pro Jahr eine Filiale.

Dafür ruft jeder Kunde jeden zweiten Tag entweder die Online-Seite der Bank oder eine App auf, um Bankgeschäfte abzuwickeln oder den Kontostand zu prüfen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass immer mehr Sparkassen und Banken ihr Filialnetz weiter ausdünnen.

Gab es zur Jahrtausendwende in Deutschland noch gut 38.000 Bankfilialen (Sparkassen und Genossenschaftsbanken), sank diese Zahl im Jahr 2015 auf rund 28.000, so eine Studie der Förderbank KfW. Behalten die Banken ihr Umstrukturierungstempo bei, dürften bis zum Jahr 2035 rund 50 % der noch bestehenden Bankfilialen geschlossen sein, glaubt man bei der KfW.

Die Zukunft der Banken – So wollen Finanzinstitute gegensteuern

Um nicht von der Digitalisierungswelle überrollt zu werden, wollen viele Banken ihr Angebot weiter anpassen. Dies bedeutet: Weniger persönliche Präsenz vor Ort, dafür ein Ausbau der Online-Angebote, denn viele Kunden wollen trotz Online-Banking auf eine Beratung nicht verzichten, insbesondere wenn es um langfristige Finanzierungsvorhaben (z.B. beim Immobilienkauf) geht.

Gerade wenn es um Beratung geht, setzen einige Banken inzwischen auf digitale Assistenten. Sogenannte „Robo-Advisor“ sind seit Jahren auf dem Vormarsch, Sparkassen wollen zum Beispiel mithilfe eines digitalen Wertpapierberaters (Selbstberatungsmodul) nun ebenfalls ein Zeichen setzen.

Auch wollen viele Banken ihre Filialen als Selbstbedienungsstandorte umfunktionieren. Das bedeutet, dass der Kunde meist nur noch einen Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker und ein Telefon vorfindet, um bei Bedarf einen Beratungstermin zu vereinbaren. Weitere Initiativen finden im mobilen Internet statt. So wollen Banken und Sparkassen mit der PayPal-Alternative Paydirekt verloren gegangene Marktanteile beim Mobile Banking zurückgewinnen – bislang mit überschaubarem Erfolg.

Blockchain: Die große Herausforderung der Zukunft

Das Thema Blockchain ist für viele Banken bislang eher ein Hype auf dem Papier als ein reales Geschäftskonzept. Doch die Blockchain hat erhebliches Potenzial und könnte eines Tages Banken als Mittelsmann überflüssig machen. Denn anders als in der klassischen Bankenwelt, benötigt die Blockchain kein zentrales Register, das Zahlungsvorgänge überwacht und abwickelt.

Vielmehr könnte jeder Kunde in Zukunft direkt Geld über Landesgrenzen hinweg in Sekundenschnelle überweisen – und das ohne Bank. Möglich wird dies durch den dezentralen Aufbau der Blockchain samt Kryptowährungen wie den Bitcoin. Banken versuchen sich auf diese Herausforderung durch Kooperationen mit dem Technologiekonzern IBM und einer eigenen Digital-Währung (Ripple) zu rüsten.

Fazit: Neue Technologien stellen Banken vor große Herausforderungen

Nicht nur die Digitalisierung und der rückläufige Publikumsverkehr in den Bankfilialen stellt die Zukunft von Banken in Frage. Auch die Blockchain dürfte ihren Teil dazu beitragen, dass sich Banken weiter modernisieren müssen, um nicht eines Tages irrelevant zu werden.

Eine Banküberweisung von Deutschland nach Australien kann zum Beispiel schon mal Tage dauern. Ein unhaltbarer Zustand, wenn man bedenkt, dass eine E-Mail ans andere Ende der Welt nur Sekunden benötigt. Die Blockchain und Kryptowährungen (Bitcoin etc.) könnten eine ähnliche Wirkung auf Banken haben, wie zur Jahrtausendwende die E-Mail auf die klassische Post.

Banken werden sich also bewegen müssen, weg von reinen Kosteneinsparungsmaßnahmen, hin zu mehr Kundenorientierung gekoppelt mit moderner Technik. Kunden in der Bankfiliale dürften künftig auch weiterhin von realen Menschen empfangen werden, die unterstützt durch Technik maßgeschneiderte Angebote unterbreiten.

Zudem ist mit weiteren Software-basierten Beratungslösungen (Robo-Adviser etc.) rechnen, die dem Kunden bei Anlageentscheidungen zur Seite stehen. Dies bedeutet aber nicht, dass Bank-Aktien wie zum Beispiel die Deutsche Bank automatisch eine interessante Anlagemöglichkeit für Anleger darstellen. Vielmehr bedeutet dies, dass die Bankenwelt in den nächsten Jahren vor einem großen Umbruch steht, was wiederum einen höheren Investitionsbedarf von Seiten der Banken erfordert.

7. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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