Bargeldabschaffung: Beispiele zeigen Probleme auf

Euro Symbolbild_shutterstock_768058255_Batmanv

Indien und Schweden liefern Beispiele für die Bargeldabschaffung. Auch in Deutschland werden erste Schritte in diese Richtung unternommen. (Foto: batmanv / shutterstock.com)

Die Deutschen lieben ihr Bargeld. Laut einer Untersuchung der Bundesbank wurden im Jahr 2017 74 % der alltäglichen Geschäfte in Deutschland mit Bargeld abgewickelt. Einer Abschaffung stehen viele Konsumenten kritisch gegenüber. Dennoch werden immer mehr Schritte in diese Richtung unternommen – etwa, dass der 500 Euro-Schein ab Ende 2018 nicht mehr ausgegeben wird. Auch immer höhere Negativzinsen sind ein Indiz für die Abschaffung von Bargeld.

Beispiele für Bargeldabschaffung: Indien mit Problemen

Schweden und Indien verfolgen schon lange den Trend der Bargeldabschaffung, sind aber keine Paradebeispiele. Indien hat im November 2016 alle Banknoten im Wert von 500 und 1.000 Indischen Rupien als ungültig erklärt und damit die arme Bevölkerung in eine Krise gestürzt.

Die Inder konnten ihre alten Banknoten zum Teil gegen neue umtauschen, der Prozess lief aber schleppend und die sogenannte Demonetarisierung war für Indien kein Plusgeschäft. Der Sinn hinter der Aktion war die Eindämmung von Schwarzgeld. Experten gehen aber davon aus, dass durch die Aktion Unmengen an Geld gewaschen wurde.

In Schweden funktioniert Verbannung von Münzen und Scheinen besser

In Schweden läuft die Abschaffung des Bargelds besser und Kartenzahlungen sind in dem skandinavischen Staat an der Tagesordnung. Manche Geschäfte nehmen sogar kein Bargeld mehr an und nur noch 25 % der Schweden bezahlen pro Woche überhaupt noch mit Scheinen und Münzen. Selbst Kleinstgeschäfte und die Kollekte in der Kirche können bargeldlos bezahlt werden.

Allerdings macht die Abschaffung vor allem der älteren Generation zu schaffen, die sich an mobiles Bezahlen oder Zahlvorgänge über das Internet nicht herantraut. Ökonomen sehen die Gefahr, dass die Versorgung der Bürger nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, wenn die Entfernung des Bargelds aus dem Zahlungsverkehr weiter fortschreitet.

Bargeldabschaffung in Deutschland: Pro und Contra

Die ältere Generation ist auch in Deutschland einer der Treiber, das Bargeld zu behalten. Einer Abschaffung stehen zudem auch Datenschützer kritisch gegenüber, die die schonungslose Transparenz von digitalen Transaktionen bemängeln. Zudem ist ein digitales Bezahlsystem anfälliger für Fehler. Für viele Deutsche ist der Überblick über die eigenen Ausgaben ein weiterer Punkt, der für Bargeld spricht. Die Kontrolle ist höher, wenn das Geld haptisch verfügbar ist.

Auf der anderen Seite ist bargeldloses Bezahlen effizient und schnell. Zudem würden durch die Abschaffung von Bargeld illegale Geschäfte und Schwarzgeld eingedämmt. Weiterhin wird ohne Bargeld vermieden, dass Menschen Scheine und Münzen zu Hause horten.

Euroscheine Brieftasche – Vladyslav Starozhylov -shutterstock_375340615

Flüchtlingskrise: Wolfgang Schäuble spricht KlartextDer Bundesfinanzminister verrät hinsichtlich der Flüchtlingskrise und des Euro genau das, was Sie schon immer befürchtet haben. › mehr lesen

Die Abschaffung des Bargelds – nicht von heute auf morgen

Noch ist Deutschland von einer Abschaffung des Bargelds weit entfernt, dafür ist es in der Gesellschaft noch zu stark verankert. Mit dem Wegfall des 500-Euro-Scheins wird aber ein Anfang gemacht. Auch die Einführung einer Obergrenze für anonyme Bargeldzahlungen geht in diese Richtung. Ab Barzahlungen von 10.000 Euro muss seit 2017 ein Ausweis vorgezeigt werden.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.