BASF-Aktie: gute Aussichten trotz jüngster Bremse

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Die BASF-Aktie hat mittelfristig bessere Perspektiven als der jüngste Kurseinbruch nach den gekappten Jahreszielen vermuten lässt. (Foto: JPStock / shutterstock.com)

Was ist nur los mit der BASF-Aktie? Anfang Juli knickte sie rapide ein, innerhalb eines Tages von 62,88 Euro auf 58,85 Euro. Danach hat sie sich wieder einigermaßen erholt, doch der Schock über eine Gewinnwarnung saß vielen Anlegern noch im Nacken.

Die Ludwigshafener Zentrale des Chemiekonzerns hatte vermeldet, der Umsatz sei im schwachen zweiten Quartal 2019 um 4 % gesunken. Als richtig problematisch aber wurde das Ebit vor Sondereinflüssen aufgenommen. Es liegt mit 1 Mrd. Euro rund 47 % unter dem Vergleichswert des Vorjahresquartals. Mit Blick aufs Jahresende wird nun mit einem Minus von ca. 30 % gegenüber dem Vorjahreswert gerechnet.

Der Kursrutsch der BASF-Aktie wurde zudem von den krassen Abweichungen zu den bisherigen Prognosen befeuert. Denn eigentlich wurde auf Jahressicht ein Zuwachs von bis zu 10 % erwartet. Einen leichten Rückgang sieht man nun beim Umsatz, der bislang um 1,5 % hätte zulegen sollen. Der Chemiekonzern bangt um seine Jahresziele. Allerdings sollte man der Fairness halber erwähnen, dass der Vorstand in Bezug auf die vorigen Ebit-Prognosen die 10 % ausdrücklich als Maximalwert ausgab.

Handelsstreit und zyklisches Tief

Dennoch, der gesamte Einbruch ist nicht marginal. Die Gründe sind gemischt und die Aussichten auf die nähere Zukunft lassen einstweilen nicht auf einen nennenswerten Wiederaufschwung der BASF-Aktie hoffen.

Da ist zum einen die gebremst wachsende Weltwirtschaft. Zum Hintergrund: Der Konzern ist weltweit vertreten. Er generiert die höchsten Umsätze mit rund 45% in Europa und über 20% davon in Nordamerika sowie Asien-Pazifik. Dabei bekommt das Chinageschäft seit Jahren immer mehr Gewicht. Folglich haben Konjunkturnachrichten zu China aber auch den USA starken Einfluss auf die BASF-Aktie.

So war gerade in China zuletzt der Absatz von Automobilen eingebrochen. Betrug das Minus dort im ersten Halbjahr ganze 13%, lag der weltweite Rückgang bei rund 6%. Die Automobilindustrie ist mit einem Umsatzanteil von gut 20% seit einigen Jahren der Umsatztreiber der BASF, die neben Autolacken, Grundstoffen für Karosserien jeder Art und Batteriematerialien einer der großen Automobilzulieferer ist. In dem Bereich profitiert der Konzern zudem von der Nachfrage nach Chemikalien für E-Autos. Hatten sich die Rückgänge bereits vor geraumer Zeit angekündigt, so schlagen sie nun mit etwas Zeitverzögerung auf die Auftragsbücher durch.

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Von daher war es wohl etwas optimistisch, als der Vorstand zu Beginn des Jahres von Zuwächsen ausging. Und das obwohl zu dem Zeitpunkt bereits ein Stellenabbau in dem Bereich angekündigt wurde. Allerdings ist dies Teil einer generellen Verschlankung, bei der insgesamt 6.000 der 122.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Der erhoffte Spareffekt soll sich ab 2021 pro Jahr mit rund 2 Mrd. Euro im Konzernergebnis niederschlagen.

Unsicherheiten belasten Planungen und Aktie der BASF

Mittlerweile jedoch zeigt das deutlich schwierigere Umfeld tiefe Spuren, und zwar bei allen Chemieunternehmen weltweit. Der Branchenprimus BASF bleibt trotz ihres diversifizierten Geschäftsmodells davon nicht verschont. So machen sich auch in den USA wetterbedingte Ausfälle in der Landwirtschaft bemerkbar, was zu einer geringeren Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln führte.

Ein genereller Faktor ist der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China aber auch anderen Ländern. Neue Zölle sind ein gegebener und ein potenzieller Belastungsfaktor. Niemand weiß, wie lange der Streit noch anhalten wird. Die Unsicherheiten und ständigen Änderungen erlauben nur noch eingeschränkte Planung was Investitionen betrifft. Dies gilt ebenso für das nach wie vor offene Szenario beim Brexit.

Gerade exportorientierte Länder geraten zunehmend unter Druck. Die Gefahr ist, dass die Gesamtsituation immer mehr Branchen erfasst und zu Negativeffekten führt, die auch in absehbarer Zeit Unternehmen wie BASF belasten.

Zumindest im Automobilsektor aber dürfte der Abschwung nicht mehr allzu lange anhalten. Irgendwann steht Nachholbedarf an. Grundsätzlich darf nicht übersehen werden, dass die BASF-Aktie ein typisch zyklisches Papier ist das von konjunkturellen Schwankungen beeinflusst wird. Gleichzeitig jedoch ist der Konzern mit seinen fünf Geschäftsfeldern breit aufgestellt, was für gewissen Ausgleich von Umsatzschwankungen einzelner Bereiche sorgt. Trotz aktuell getrübter Stimmung sind mittelfristig die Aussichten für die Aktie gut.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.