BASF entdeckt die Elektromobilität

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Nun will die BASF bei der Elektromobilität mitmischen und das Feld nicht China überlassen. Geplant ist ein neues Werk in Finnland. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Den richtigen Weg in die Zukunft zu weisen ist nicht immer einfach. Als Bayer dabei war Monsanto zu übernehmen, wirkte die Unternehmenspolitik der BASF recht mutlos. Es fehlten Perspektiven, eine Story, die Anleger überzeugt. Im Mai dieses Jahres wurde dann der blass wirkende CEO Kurt Bock abgelöst, Martin Brudermüller übernahm das Ruder am Rhein. Der versprühte neue Tatkraft und begann die Weichen für zukunftsorientiertes Wachstum zu stellen.

Teil davon ist der jüngst konkretisierte Einstieg der BASF in die Elektromobilität. Während Bayer nun wegen Monsanto mit Imageproblemen und Stellenabbau kämpft, setzt die BASF mit der Elektromobilität auf ein Feld, das positiv besetzt ist und Potenziale verspricht. Die BASF will zum wichtigen Zulieferer für Batterien werden und sich so rechtzeitig fürs Geschäft mit Elektroautos positionieren.

Es geht auch ohne China

Konkret geplant ist eine neue Fabrikanlage, zunächst in Finnland und dann an einem deutschen Standort, der noch gesucht wird. Das Investitionsvolumen von über 400 Mio. Euro ist Teil eines Plans, der bereits 2017 unter Bock verkündet wurde, doch Brudermüller versteht es, das Thema griffig zu präsentieren: „Batteriematerialien für Elektromobilität sind ein riesiger Chemiemarkt, der im Moment entsteht“, sagt er und verweist darauf, dass das Ganze derzeit zu sehr „unter der Kontrolle der Chinesen steht“.

Gemeint ist damit vor allem der Zugriff auf Rohstoffe, den sich China strategisch zu sichern sucht. Für Lithium-Ionen Batterien sind Nickel und Kobalt unerlässlich. Denn aus ihnen bestehen die Kathoden, die Pole einer Batterie. Und die BASF will kommendes Jahr in die Produktion von Kathodenmaterialien einsteigen.

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Um das heikle Thema Rohstoffgewinnung verträglich anzupacken, startet die BASF mit BMW und Samsung im Kongo einen Test zum Kobalt-Abbau unter menschenwürdigen Bedingungen – begleitet von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Das Werk in Finnland wiederum entsteht in Kooperation mit dem russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel, der die Tür zu Rohstoffen aus Russland öffnet. Beide Partner arbeiten schon länger zusammen. Die Russen betreiben ganz in der Nähe der geplanten Produktionsanlage Nornickel, eine Raffinerie für Nickel und Kobalt.

BASF will mit Elektromobilität wachsen

Ab 2020 sollen pro Jahr Batterie- bzw. Kathodenmaterialien der BASF für gut 300.000 Elektrofahrzeuge hergestellt werden. Es ist vorgesehen, die Weiterverarbeitung nach der Vorproduktion in Finnland an einem deutschen Standort zu betreiben. Infrage kommt Schwarzheide in der Lausitz, wo die BASF bereits ein Gasturbinenkraftwerk unterhält, das sich umweltfreundlich für die energieintensive Weiterverarbeitung eignet.

Ein Blick auf die Landkarte aber genügt, um einen weiteren Vorteil dieses Standorts zu erkennen: Er ist nur zehn Kilometer von Kamenz entfernt, wo Daimler eine neue Batteriefabrik betreibt.

Die BASF rechnet mit anfänglichen Erlösen von rund 500 Mio. Euro im neuen Geschäftsbereich Elektromobilität. Um diesen mit genügend Kapital noch besser anschieben zu können, denkt  Brudermüller an einen eventuellen Börsengang der Gas- und Ölfördertochter Wintershall. Die wiederum hat unlängst mit DEA fusioniert und könnte zu Deutschlands erstem börsennotierten Ölkonzern werden.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.