Bayer Aktie: Rückschlag in der Krebsforschung dämpft Euphorie

Die Aktionäre der Bayer AG hatten zuletzt nur wenig Freude an der Aktie. Der deutsche Pharmagigant musste zuletzt seinen Umsatz- und Gewinnausblick für das laufende Gesamtjahr nach unten korrigieren.

Statt einem Jahresumsatz von 51 Mrd. €, erwartet Bayer nur noch einen Umsatz von 49 Mrd. €. Das bereinigte Betriebsergebnis wird nur um oberen einstelligen Bereich wachsen – hier hatte Bayer zuvor noch ein Gewinnwachstum von mehr als 10 % in Aussicht gestellt.

Schwäche im Life-Science-Bereich sorgt für gedämpften Ausblick

Ursächlich für den schwächeren Jahresausblick war unter anderem die Schwäche im Life-Science-Geschäft, also dem Geschäft mit Arzneien und Agrarprodukten. Die Pharmasparte rund um rezeptpflichtige Medikamente konnte dagegen seinen Umsatz um 4,4 % auf 4,3 Mrd. € steigern.

Bayer investiert jährlich etwa 4,7 Mrd. € in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente, wobei insbesondere die Sparte Bayer HealthCare an neuen Ansätzen in der Krebsforschung arbeitet, um die körpereigenen Abwehrkräfte des Menschen im Kampf gegen den Krebs zu mobilisieren (Immuntherapie).

Anleger müssen wissen, dass der Markt für derartige Immuntherapien gegen den Krebs ein boomender Markt ist und von 2,5 Mrd. US-$ in 2015 auf 7,5 Mrd. US-$ in 2022 wachsen soll (Quelle: GBI Research).

Bayer erleidet Rückschlag in der Krebsforschung

Doch ausgerechnet in der Krebsforschung musste Bayer zuletzt einen Rückschlag hinnehmen. Zwar ist Bayer mit dem Krebsmedikament Xofigo erfolgreich im Markt unterwegs, große Hoffnungen hegte Bayer jedoch auch mit dem Wirkstoff Anetumab Ravtansine.

Bei Anetumab Ravtansine handelt es sich um ein Antikörperkonjugat (ADC) zur Behandlung von Mesotheliom, einer Tumorerkrankung, die häufig durch Asbestbelastung verursacht wird. In einer Phase-II-Studie zur Behandlung von fortgeschrittenem Brustfellkrebs ist dieser Wirkstoffkandidat überraschend gefloppt und hat den primären Endpunkt nicht erreicht.

Das Problem: Anetumab Ravtansine wird derzeit noch in sechs weiteren Forschungsstudien zur Bekämpfung von anderen Tumorarten getestet und galt bislang als der große Hoffnungsträger im Bayer-Portfolio mit einem potenziellen Jahresumsatz von rund 2 Mrd. €. Der Wirkstoff sollte eigentlich 2019 auf den Markt kommen.

Die Medikamenten-Pipeline von Bayer

Interessant für Anleger: Die Entwicklungs-Pipeline von Bayer setzt sich hauptsächlich aus sechs Wirkstoffen zusammen, die in Zukunft für Wachstum sorgen könnten. Dazu zählen neben Anetumab Ravtansine, auch der Wirkstoffkandidat Vericiguat, Finerenone, Vilaprisan, BAY-1841788 und Copanlisib.

Dieser Pipeline trauen Analysten ein Umsatzpotenzial von rund 6 Mrd. € zu. Spannend dürfte daher auch der Ausgang einer Phase-III-Zulassungsstudie mit Vericiguat, einem neuartigen Behandlungsansatz gegen Herzinsuffizienz (Herzschwäche), werden. Der sGC-Stimulator blieb bislang einen Wirkungsnachweis in einer mittleren Forschungsstudie (noch) schuldig.

Besser sieht es für den Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten Fingerenone von Bayer aus, der bei chronischer Herzinsuffizienz und diabetischer Nephropathie zum Einsatz kommen soll und in mittleren Teststudien gute Ergebnisse erzielen konnte.

Ebenfalls positiv waren bislang die Ergebnisse von Vilaprisan, ein selektiver Progesteron-Rezeptormodulator (SPRM) von Bayer, zur Behandlung von Gebärmuttermyomen – im Juli hat Bayer hier eine neue Phase-III-Studie mit Vilaprisan begonnen.

Positive Daten gab es zuletzt auch vom neuen Krebsmittel Copanlisib, ein Wirkstoffkandidat von Bayer, der zur Behandlung des neuerlich aufgetretenen Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) eingesetzt wird. Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) ist laut Bayer weltweit die zehnthäufigste Krebserkrankung.

Fazit: Rückschlag in der Krebsforschung ist (noch) kein Beinbruch

Die enttäuschenden Daten zum Krebsmittel Anetumab Ravtansine sind zwar kein Beinbruch, aber ein empfindlicher Rückschlag für Bayer im Onkologie-Bereich. Die Euphorie der Investoren im Zusammenhang mit der Medikamenten-Pipeline von Bayer dürfte erst einmal verflogen sein, was sich auch im Bayer-Aktienkurs der letzten Wochen wiederspiegelt. In den letzten 3 Monaten gab die Bayer-Aktie um knapp 10 % nach.

Dennoch sollten Anleger nicht in Panik verfallen und ihre Bayer-Aktien vorschnell über Bord werfen, denn zum einen ist der deutsche Pharmagigant mit seiner Forschungs-Pipeline nach wie vor breit aufgestellt, zum anderen hat Bayer Anetumab Ravtansine noch nicht aufgegeben. Der Wirkstoff wird nach Angaben von Bayer Onkologie-Leiter Robert LaCaze weiter erforscht.

21. August 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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