Bedroht die alternde Gesellschaft Renditen und Aktienkurse?

Ein hoher Anteil zinsbasierter Geldanlagen trotz magerer Zinsen und geringer Inflation sowie ein vermehrt niedriges Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) bei Aktien – diese Konstellation ist leidlich bekannt und es werden verschiedene Gründe diskutiert. Was selten erwähnt wird, ist der Zusammenhang zwischen Demografie und Finanzmärkten. Und der gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Zusammenhang zwischen Demografie und Finanzmärkte

Das Phänomen alternder Gesellschaften in den etablierten Industrieländern ist ein schleichender Prozess, der sich früher oder später in den unterschiedlichsten Bereichen auswirken wird. Im Zusammenhang von Demografie und Finanzmärkten müssen gewohnte Denkmuster hinterfragt und um neue Ansätze ergänzt werden. Das naheliegende Szenario:

Wenn der Anteil der konsum- und investitionsstarken Altersgruppe zwischen 40 und 50 Jahren geringer wird und die Zahl der Senioren mit höherem Sparanteil zunimmt, so entsteht eine Verschiebung vom Käufer- zum Verkäufermarkt. Für die Volkswirtschaft bedeutet dies, dass weniger Arbeitskräfte das Wachstum bremsen und die Ruheständler mit ihren Sparpotenzialen weniger Geld ausgeben. Beides zusammen führt zu geringerer Inflation und niedrigen Zinsen.

Ein neuer Konjunkturzyklus etwa wird daran wenig ändern. Weniger Erwerbstätige wirken sich ohnehin negativ auf das Pro-Kopf-Wachstum aus. Insofern sind Unternehmen besser für die Zukunft aufgestellt, die weltweit präsent von den jungen, aufstrebenden Märkten, den Emerging Markets profitieren.

Weniger Aktienanleger

Auch zeigt der Zusammenhang, dass die Demografie die Finanzmärkte mit ihren Produkten beeinflusst. Mit zunehmendem Alter erfolgt nämlich eine Verlagerung in weniger riskante Anlageklassen. Bekanntes Beispiel sind Fonds, die Richtung Rente zielstrebig von Aktien in Zinspapiere umschichten. Die Fachwelt spricht auch von einem Asset Meltdown. Einer schon vor Jahren veröffentlichten Berechnung des Max-Planck-Instituts für Sozialpolitik zufolge müssten in der EU die Renditen demografiebedingt bis 2035 um einen Prozentpunkt fallen.

Wegen der Verschiebung dürfte es auch an den Aktienmärkten nicht einfacher werden. Wenn die Zahl jüngerer, aktienorientierter Anleger abnimmt, sinkt das durchschnittliche KGV. So ging eine Forschungsabteilung der US-Notenbank Fed vor sieben Jahren von einem Szenario aus, demzufolge das KGV von 15 bis 2025 auf 8,3 sinken könnte. Bei gleich bleibenden Gewinnen wäre das eine Halbierung der Kurse und bei einer Verdoppelung der Gewinne immer noch eine Stagnation.

Doch langsam – die Tendenz mag gegeben sein und die Folgen erscheinen logisch, doch ein immer düsteres Bild ist kein zwangsläufiger Automatismus. Zum Beispiel lag Anfang des Jahres das durchschnittliche KGV des Dow Jones bei 21,44, im Dax betrug es 14. Das liegt zwar unter den historischen Werten der letzten 30 Jahre von 25 bzw. 19, doch gar so dramatisch ist es nicht eingebrochen. Auch setzen Versicherungen wie Allianz oder Axa bei ihren Lebensversicherungen mittlerweile vermehrt auf höhere Aktienanteile, was die Verschiebung in Zinsanlagen bremst.

Unvorhergesehenes und neue Chancen

Zukunftsprognosen lassen sich eben nur aufgrund vorhandener und absehbarer Prämissen erstellen. Neue Einflussfaktoren stellen linear basierte Vorhersagen schnell infrage. Und sei es nur, dass sich das Konsumverhalten der älteren Semester ändert. Das britische Institute für New Economic Thinking etwa lenkt jetzt den Blick auf deren gestiegene Konsumquote. Die Folge: Trotz geringeren Wirtschaftswachstums steigt die Nachfrage und damit die Zinsen und Inflation.

Ein weiterer Punkt: Wenn das Rentenzugangsalter steigt, verlängert es die Erwerbsphase und trägt zum Wirtschaftswachstum bei. In Deutschland wurde aus der Rente mit 60, die Rente mit 65 und demnächst mit 67. Und völlig anders als vorhergesehen verlief hierzulande auch die Bevölkerungsentwicklung. Anstatt abzunehmen legte sie auf fast 82,7 Mio. Menschen zu. Hauptgrund sind Flüchtlinge bzw. Zuwanderer. Der weltweite Immigrationsdruck in die Industrieländer wird eher zunehmen.

Unabhängig davon, inwieweit es gelingt, die unerwartete Verjüngungskur gesellschafts- und wirtschaftspolitisch in positive Bahnen zu lenken: Es wird mehr ältere Menschen geben. Und das bringt eine Verschiebung im Konsumverhalten mit sich.

Wenn man im Zusammenhang mit der Demografie von den Finanzmärkten profitieren will, kommt man um Anlagethemen wie Seniorenheime oder Gesundheit sowie die Pharmaindustrie und Biotechnologie nicht herum. Eine Einzelauswahl von Aktien ist nicht einmal nötig. Eine ganze Reihe von ETFs setzt auf den Megatrend der alternden Bevölkerung. Die Aktien von potenziellen Gewinnern der Demografie werden etwa in Ageing Population ETFS von iShares, Lyxor und anderen abgebildet.

30. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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