Bei der Lanxess Aktie stimmt die Chemie – Warren Buffett mischt mit

Die Lanxess-Aktie ist seit Buffets Einstieg unter Beobachtung. Positive Signale sind aber schon eingepreist. Potenzial besteht langfristig. (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Konzerne mittlerer Größe können ihr Entwicklungspotenzial oft dynamischer entfalten als die Dickschiffe. So brachte der Mdax die letzten fünf Jahre ein Plus von 52 %, während der Dax nicht mal auf 30 % kam. Bei den mittelgroßen Unternehmen richtet sich die Aufmerksamkeit seit geraumer Zeit auf die Lanxess-Aktie.

Lanxess Aktie auf Höchstmarken

Sie legte die letzten zwölf Monate um über 72 % zu, und das in einer Branche, die mit Megaübernahmen im Umbruch ist. Die Spezialchemie formiert sich neu. Einen Turbo zündete die Lanxess-Aktie am 26. Mai. Innerhalb weniger Tage kletterte sie um rund 11 % in die Höhe und erreichte kurzzeitig die Rekordmarke von 70,3 €. Anlass für die Freude war die Meldung, dass Starinvestor Warren Buffett mit 3 % beim Kölner Konzern eingestiegen ist.

Verkündet wurde die Botschaft auf der Hauptversammlung von Lanxess. Dessen Chef Matthias Zachert, der seit seiner Amtsübernahme Anfang 2014 das Unternehmen aus schwierigem Fahrwasser manövriert, konnte trotz rückläufiger Umsätze den Jahresüberschuss 2016, der den Aktionären zusteht, um 16,36 % auf 192 Mio. € steigern. Entsprechend kletterte der Gewinn pro Aktie auf 2,10 €, was mit einer Erhöhung der Dividende einherging: Ausgeschüttet wurden 0,70 €.

Doch was veranlasste Warren Buffett, über General Reinsurance, eine Tochterfirma seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, einzusteigen? Damit gesellt er sich zwar zum Fondsriesen Blackrock, der bereits 5,6 % hält, doch er kaufte knapp unterhalb des Allzeithochs.

Schärferes Profil und gute Aussichten

Hat ihn die erfolgreiche Sanierung und Neuausrichtung angelockt? Lanxess hatte zuletzt den US-Konkurrenten Chemtura für 2,4 Mrd. € gekauft – die größte Übernahme in der zwölfjährigen Firmengeschichte nach der Abspaltung von Merck. Damit wurde das Geschäft mit Schmierstoffen und Flammschutzmitteln ausgebaut. Zugleich hat Lanxess seine internationale Basis verbreitert und wird unabhängiger vom Heimatmarkt.

Lanxess mit 1. Erfolgs-Nachweis nach der Chemtura-ÜbernahmeDie Chemtura-Übernahme hat den Lanxess-Gewinn im 1. Halbjahr belastet. Doch die Mittelfrist-Perspektive bleibt sehr gut. Hier mehr dazu: › mehr lesen

Erklärtes Ziel von Zachert ist, Marktanteile zurückzuerbobern und profitabler zu werden. und hier geht es darum, sich im Spezialmarkt zu profilieren. Deshalb wurde auch das Massengeschäft mit Kautschuk für die Reifenproduktion in ein Joint Venture mit dem Ölkonzern Saudi-Aramco ausgelagert. Lanxess setzt einerseits auf Wachstum aus eigener Kraft, was aber Zachert nicht von weiteren Übernahmen abhalten wird, wie er betonte.

Auf jeden Fall dürfte Buffett nicht entgangen sein, dass die konjunkturellen Aussichten für international aufgestellte Chemieunternehmen so gut ist wie lange nicht mehr. Und im weltweiten Konsolidierungsprozess wird Lanxess eine gewichtige Rolle spielen.

Perspektiven langfristig sehen

Auch im laufenden Jahr steuert der Konzern auf neue Rekordergebnisse zu. Bereits das erste Quartal war mit einem Gewinnzuwachs von 25 % überraschend gut gelaufen. Neue Zahlen werden für den 10. August erwartet. Das weitere Potenzial dürfte davon abhängen, wie gut es gelingt, den US-Zuwachs Chemtura zu integrieren. Dies wird von vielen Analysten als Prüfstein gesehen.

Was Kurschancen anbelangt, so sind all die positiven Signale längst eingepreist. Neue Kursziele werden bei 72 € gehandelt. Mittelfristig dürfte die Lanxess-Aktie also nur moderat steigen. Interessant ist sie vor allem langfristig. Deshalb ist vermutlich auch Buffett eingestiegen. Langfristige Perspektiven sind ein Merkmal seiner Strategie. Ein anderes ist der passende Preis zum richtigen Zeitpunkt. Mit einem KGV von 15 im nächsten Jahr ist die angesichts der Wachstumsperspektiven sehr günstig.

Deutsche und europäische Aktien scheinen übrigens derzeit weiter oben auf seiner Beobachtungsliste zu stehen. Seiner Ansicht nach bietet Europa „sagenhafte Möglichkeiten“. Der alte Kontinent sei ein „fruchtbarer Boden für Käufe“.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.