BGH: Bank darf Fehlbuchungen nicht in Rechnung stellen

Unglaublich! Manche Banken verlangen selbst für Fehlbuchungen Entgelte. Damit ist jetzt aber Schluss, hat der Bundesgerichtshof entschieden. (Foto: wara1982 / Shutterstock.com)

Wie kundenfreundlich ist Ihre Bank? – Falls Sie da Defizite sehen, ist Ihre Bank (leider!) in guter Gesellschaft.

Immerhin sorgt ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2015 für etwas mehr Gerechtigkeit zugunsten der Bankkunden.

Nicht erlaubt: pauschale Gebühren für jede Buchung

Im entschiedenen Fall ging es um ein Girokonto. Neben den Gebühren für die Kontoführung legte das Preis- und Leistungsverzeichnis der Bank noch ein buchungsabhängiges Entgelt fest.

Es handelt sich also um einen Preis, der für jede Überweisung, Lastschrift oder jede Einzahlung bzw. Abhebung anfiel.

„Preis pro Buchungsposten 0,35 EUR“; so stand es in der betreffenden Klausel. Nicht gerade kundenfreundlich, denn mit dieser Klausel konnten auch Buchungsposten in Rechnung gestellt werden, die die Bank fehlerhaft ausführte.

Das wären beispielsweise Papierüberweisungen, die ein Bankmitarbeiter bei der Eingabe in die Banken-EDV versehentlich mit einem Zahlendreher oder Tippfehler eingegeben hatte.

Sogar die Buchungen, die nötig waren, um einen solchen Fehler wieder zu beheben, sollten demnach kostenpflichtig sein; so verstanden die Richter die pauschale Formulierung der einschlägigen Klausel.

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Das geht natürlich nicht, urteilte der Bundesgerichtshof. Eine fehlerhafte Buchung zu berichtigen, gehöre zu den Pflichten einer Bank. Die Kosten dafür dürfe sie nicht auf ihre Kunden abwälzen, so die Richter (27.01.2015, Az. XI ZR 174/13).

Achtung: Buchungsentgelt für eigene Fehler ist statthaft

Sie wissen jetzt: Für Fehlbuchungen, die die Bank verschuldet hat, darf Ihr Kreditinstitut kein Geld von Ihnen verlangen. Das gilt auch für die Buchungen, die nötig sind, um einen solchen Fehler wieder zu beheben.

Keinen solchen Schutz genießen dagegen Fehlbuchungen, die Ihnen selbst passieren – etwa durch Eingabe der falschen IBAN in Ihr Online-Banking-System. Wenn der Fehler auf Seite des Bankkunden passiert, dann darf die Bank ein Entgelt dafür verlangen.

Was tun im Ernstfall?

Falls Ihnen die Fehleingabe gleich auffällt, empfehle ich Ihnen: Greifen Sie am besten umgehend zum Hörer und rufen Sie bei Ihrer Bank an! Gerade bei Volksbanken, Sparkassen und Direktbanken haben Sie oft Glück.

Sie werden dann zum Zahlungsverkehr des jeweiligen Kreditinstituts durchgestellt, das für die Abwicklung der anstehenden Aufträge zuständig ist.

Mit etwas Glück ist Ihre Überweisung womöglich noch gar nicht ausgeführt worden, denn die Bank kann sich damit einen vollen (Bankenarbeits-)Tag Zeit lassen. Wenn Sie rechtzeitig um Berichtigung der fehlerhaften Buchung bitten, dann ist alles paletti. In der Regel erheben die Banken keine Gebühren für solche nachträglichen Korrekturen.


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Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst (MBA) ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin und schreibt vorwiegend Ratgebertexte. Sie hat mehrere Bücher zu den Themen Börse, Geldanlage, Immobilien, Recht & Steuern sowie Kommunikation verfasst. Daneben arbeitet sie als Dozentin an der Business School Alb-Schwarzwald, die zur Steinbeis Hochschule Berlin gehört.