Biogen ändert Strategie – was bedeutet das für Anleger?

Das US-Unternehmen Biogen gehört zu den größten Biotech-Konzernen der Welt. Anleger sind mit der Biogen-Aktie bislang gut gefahren, steht auf 10-Jahressicht ein Kurszuwachs von rund 400 % zu Buche.

Doch in den vergangenen 2 Jahren ist es ruhig um Biogen geworden, die Papiere notieren heute deutlich unter ihrem einstigen Rekordhoch von über 400 US-$ aus dem Jahr 2015.

Multiple Sklerose (MS) war bislang das Kerngeschäft von Biogen

Der Grund: Bislang hat sich Biogen mit seinen Medikamenten (Tecfidera etc.) sehr stark auf den Markt für Multiple Sklerose (MS) konzentriert – dabei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Biogen ist im MS-Markt einer der Schlüsselanbieter, dürfte der US-Biotech-Konzern rund 38 % aller weltweiten MS-Patienten mit seinen Medikamenten betreuen. Das Problem ist, dass der Markt für Multiple Sklerose (MS) Medikamente zunehmend umkämpft ist, neue Wettbewerber drängen in den MS-Markt und machten Biogen zuletzt das Leben schwer.

Biogen reagiert und verordnet sich neue Strategie

Aus diesem Grund hat Biogen reagiert und sich eine neue Strategie verordnet. Das Unternehmen will mehrere hundert Millionen US-$ im Jahr in die Erforschung neuer neurologischer Medikamente investieren.

Hier hatte Biogen zuletzt mit dem Medikament Spinraza, eines der teuersten Medikamente der Welt und die weltweit erste Therapie gegen die spinale Muskelatrophie (SMA), Erfolg. Das neue Medikament spülte im jüngsten Quartal 203 Mio. US-$ ein, ein Zuwachs von 328 % gegenüber dem Vorquartal.

Neben der massiven Aufstockung der Forschungsgelder für Neurowissenschaften um 400 Mio. US-$ bis 2019, will Biogen seinen operativen Betrieb straffen und gleichzeitig Übernahmemöglichkeiten – egal welcher Größe – wahrnehmen.

Konzentration auf Alzheimer-Medikament

Daneben will sich Biogen stärker auf seine Alzheimer-Pipeline konzentrieren. Alzheimer ist bislang die große Herausforderung für die Medizinindustrie, gibt es für diese Krankheit weltweit noch keine wirksame Therapie.

Bei Alzheimer handelt es sich um eine unheilbare Gehirnerkrankung, von der insbesondere ältere Menschen betroffen sind. Alzheimer führt meist zu Gedächtnisverlust, Verlust der Sprachfähigkeit und des Urteilsvermögens, je nach Stadium beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung etwa sieben Jahre.

In Deutschland sind schätzungsweise etwa 1,2 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen, Tendenz steigend. Da die Gesellschaft immer älter wird, erwartet das US-Brokerhaus Goldman Sachs, dass im Jahr 2050 alle 33 Sekunden ein Mensch in den USA mit Alzheimer diagnostiziert wird.

Entsprechend wichtig sind Therapien gegen die Alzheimer-Krankheit. Dieser Herausforderung will sich Biogen stellen. Große Hoffnung hegt Biogen auf seinen Antikörper Aducanumab, der sich in einer späten klinischen Testphase (Phase III) befindet.

Sollte Aducanumab die Auswirkungen von Alzheimer verlangsamen oder gar stoppen können, wäre das Marktpotenzial gewaltig. Die Analysten bei Goldman Sachs taxieren das mögliche Umsatzpotenzial von Aducanumab auf 12 Mrd. US-$. Ausreichende klinische Daten, die eine Zulassung von Aducanumab rechtfertigen könnten, werden im Jahr 2019 bzw. 2020 erwartet.

Fazit: Biogen hat großes Potenzial, doch die Risiken bleiben

Biogen hat mit seiner neuen Strategie und seiner Alzheimer-Pipeline großes Potenzial, vorausgesetzt, dass US-Biotechkonzern schafft es, eines dieser Wirkstoffe tatsächlich auf den Markt zu bringen.

Dennoch sollten Anleger wachsam bleiben. Sollte sich Aducanumab als Flop herausstellen, wäre dies ein herber Rückschlag für Biogen, zumal das US-Biotech-Unternehmen neue Wachstumstreiber benötigt, nachdem sich die Wachstumsraten im Kerngeschäft rund um MS-Medikamente deutlich verlangsamt haben.

Sollte sich Aducanumab aber tatsächlich als der große Wurf gegen Alzheimer erweisen, sind deutlich höhere Kurse möglich, denn dann stünde erstmals ein wirksames Mittel gegen die tückische Gehirnerkrankung zur Verfügung, was wiederum den Biogen-Umsatz und damit auch die Biogen-Aktie beflügeln könnte.

28. August 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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