Biontech, Pfizer und Co.: Wo steht die Impfstoffentwicklung?

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Ein Impfstoff gilt als Heiliger Gral der Pharmaforschung, als Schlüssel zur Rückkehr zur Normalität. Der Forschungsstand im Überblick. (Foto: rangizzz / Adobe Stock)

Anfang der Woche machten die wichtigsten Börsenindizes rund um den Globus einen kräftigen Satz nach oben. Hintergrund waren – neben erfreulicher als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten und dem Wahlsieg Joe Bidens als künftiger US-Präsident – in erster Linie die Meldungen von Biontech und Pfizer.

Die Mainzer Biotechnologiefirma und ihr US-amerikanischer Kooperationspartner verkündeten einen wesentlichen Meilenstein bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19. Ihr Präparat zeigt in der entscheidenden Phase III der klinischen Studien eine hohe Wirksamkeit von über 90 Prozent und scheint zudem gut verträglich zu sein.

Damit stehen die Chancen gut für eine zeitnahe Zulassung. Noch in diesem Jahr könnten nach Angaben von Biontech rund 50 Millionen Impfdosen hergestellt werden, was für die Immunisierung von 25 Millionen Menschen reicht, da der Wirkstoff zweimal verabreicht werden muss, ehe der Impfschutz wirkt. Für 2021 ist die Produktion von 1,3 Milliarden Impfdosen angepeilt.

Biontech und Pfizer: Aktien im Höhenrausch

Anleger reagierten euphorisch: Die Biontech Aktie schoss um zeitweise mehr als 30 Prozent in die Höhe und hat sich auf Jahressicht mehr als vervierfacht. Auch die Pfizer Aktie machte einen Satz nach oben, wenn auch mit rund 10 Prozent nicht ganz so heftig wie das Papier der Mainzer.

Fest steht schon jetzt: Gelingt die Zulassung, sind die Auftragsbücher bereits jetzt prall gefüllt. Zahlreiche Staaten haben sich vorab Millionenkontingente gesichert. So schnell wie möglich sollen so viele Menschen wie möglich gegen Covid-19 geimpft werden. Wer hier als erstes auf den Markt kommt, greift somit ein großes Stück des Kuchens ab – wobei angesichts der Produktionskapazitäten im Verhältnis zum Bedarf noch hinreichend Spielraum für weitere Wirkstoffe von Seiten der Wettbewerber besteht.

Hohe Erwartungen

Unklar ist bislang, wie lange der Impfschutz anhält, ob langfristig Nebenwirkungen auftreten können oder wie Patienten mit bestimmten Risikokonstellationen auf die Verabreichung reagieren. Dennoch ruhen auf dem Impfstoff große Hoffnungen: Steht dieser erst einmal flächendeckend bereit, lässt sich die weltweite Pandemie wirksam eindämmen und eine Rückkehr zur Normalität wird ermöglicht.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen und entsprechend groß der Zeitdruck, mit dem an möglichen Impfstoffen geforscht wird. Biontech und Pfizer bilden nur eines von weltweit derzeit elf Projekten mit aussichtsreichen Vakzinen, sechs davon haben gute Chancen, in Europa zugelassen zu werden.

Moderna

Die US-Pharmafirma Moderna befindet sich mit ihrem Wirkstoff ebenfalls in der Schlussphase der klinischen Studien und dürfte in Kürze Ergebnisse vorstellen. Genau wie Biontech/Pfizer basiert der Impfstoff auf dem neuartigen mRNA-Verfahren. Auf dieser Basis wurden bislang keine Impfstoffe für den Menschen zugelassen, allerdings versprechen sich die Forscher eine bessere Verträglichkeit als bei bisherigen Impfverfahren. Die jüngsten Ergebnisse von Biontech nähren die Hoffnung, dass auch die Wirksamkeit des Verfahrens vielversprechend ausfällt und somit auch Moderna einen aussichtsreichen Kandidaten in der Pipeline hat.

Binnen Jahresfrist ist die Moderna Aktie um 350 Prozent gestiegen, knapp 25 Prozent legte das Papier innerhalb der letzten Woche zu – auch Anleger schöpfen demnach Hoffnung aus den positiven Nachrichten des Wettbewerbers.

AstraZeneca

Einen Corona-Impfstoff basierend auf einem sogenannten Vektorverfahren erforscht der britisch-schwedische Konzern AstraZeneca in Zusammenarbeit mit der Oxford University. Mit ersten Ergebnissen wird gegen Ende des Jahres gerechnet.

Die AstraZeneca Aktie profitierte Anfang der Woche ebenfalls und legte um knapp 10 Prozentpunkte zu.

Johnson & Johnson

Der US-Pharmariese forscht ebenfalls an einem Vektorimpfstoff und will Ende des Jahres Zwischenergebnisse veröffentlichen. Auch die Johnson & Johnson Aktie konnte im Zuge des Biontech/Pfizer-Erfolgs zulegen, allerdings nur moderat um knapp 5 Prozent.

Novavax

Anfang 2021 sollen auch vom US-Pharmaunternehmen Novavax erste Ergebnisse vorliegen. Hier wird an einer anderen Impfstoffvariante geforscht. Die Novavax Aktie hat sich unterdessen als echter Geheimtipp entpuppt: Noch im Mai war das Papier für unter 25 Euro zu haben, vervielfachte sich dann binnen weniger Wochen auf über 150 Euro Anfang August und musste seither wieder Federn lassen. Das Kursplus von rund 10 Prozent im Zuge der Biontech/Pfizer-Meldung am Montag ist inzwischen weitgehend zusammengeschmolzen. Zurzeit ist die Novavax Aktie für etwa 75 Euro zu haben. Hier liegt bei einer erfolgreichen Impfstoffzulassung möglicherweise noch weitere Kurspotenziale.

Weitere Projekte in frühen Stadien

Neben den genannten Entwicklungsverfahren wird auch in Indien und Australien an möglichen Mitteln zur Bekämpfung von Covid-19 geforscht, hier dürfte es jedoch noch bis in den Sommer hinein dauern, bis verlässliche Ergebnisse vorliegen.

Noch relativ am Beginn der Entwicklung befinden sich darüber hinaus Projekte von CureVac und IDT Biologika, die jeweils mit dreistelligen Millionenbeträgen von der Bundesregierung gefördert werden. Der Impfstoff von CureVac befindet sich derzeit in Phase I der klinischen Studien, IDT Biologika wird hiermit voraussichtlich in Kürze beginnen.

EU sichert sich 300 Millionen Impfdosen von Biontech

Auch bei Biontech fließen Gelder aus Berlin, mit insgesamt 375 Millionen Euro hat sich der Bund an dem Forschungsprojekt der Mainzer Firma beteiligt. Inzwischen steht auch fest, dass Deutschland frühzeitig mit zahlreichen Impfdosen versorgt wird, sobald eine europäische Zulassung erfolgt ist. Die Hürden der Medikamentenzulassung in Europa sind höher als in den USA, sodass das Mittel womöglich zuerst in den Vereinigten Staaten zur Verfügung steht.

Doch auch die EU hat sich nun 300 Millionen Impfdosen des Biontech-Wirkstoffs gesichert. Laut Verteilungsschlüssel sollen davon 56 Millionen nach Deutschland gehen, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach zuletzt von bis zu 100 Millionen Stück.

So oder so werden entsprechend einer kürzlich vorgestellten nationalen Impfstrategie zunächst Menschen aus Risikogruppen sowie Personen aus systemrelevanten, risikoreichen Berufen geimpft. Bis eine weitgehend flächendeckende Immunisierung sichergestellt ist, dürfte es noch bis weit ins Jahr 2021 – oder auch darüber hinaus – dauern.

Dennoch ist es ein Hoffnungsschimmer am Ende des dunklen Coronatunnels, der wohl auch in den kommenden Monaten noch für erhebliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens sorgen dürfte.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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