Bitcoin Absturz: ein Krimi mit Opfern und Tätern

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Im jüngsten Bitcoin-Absturz offenbart sich: Kursmanipulationen haben die Kryptowährung gestützt – nun kommt der Einsturz. (Foto: 3Dsculptor / Shutterstock.com)

Es dürfte wohl kaum jemandem entgangen sein: Der jüngste Absturz des Bitcoin wirbelt Staub auf. Er bestätigt Kritiker, die schon lange davor gewarnt haben, mit der Digitalwährung zu spekulieren und sorgt bei denen, die es gewagt haben, für lange Gesichter.

Vorläufiges Ende digitaler Währungsträume

Kostete eine Einheit zur Weihnachtszeit 2017 bereits über 20.000 US-Dollar, waren es rund 4.000 Dollar, als sich Ende November Kunden von Amazon & Co.auf Black Friday-Angebote freuten. Für Bitcoin-Fans war es ein Desaster, ein echter Black Friday. Die Kurskurve lief steil in den Keller. Inzwischen ist der Kurs noch weiter eingebrochen und gemessen am Rekordstand hat der Bitcoin-Absturz mehr als 80 % an Wert mitgerissen.

Zur Erinnerung: Noch im Oktober letzten Jahres hatte der Bitcoin auf ähnlicher Höhe notiert, war dann in die Höhe geschossen, um anschließend in eine Achterbahnfahrt mit Abwärtstendenz wechseln. Nach dem ersten dramatischen Absturz bis Februar pendelte sich der Bitcoin mit einigem Auf und Ab in einem Korridor von etwas über 6.000 US-Dollar ein, bis es Mitte November erneut rapide bergab ging – die Marke von 3.000 Dollar im Visier.

Die Blase ist geplatzt. Ist der Bitcoin tot? Bei aller Kritik, die neue Art von Währung hatte Hoffnungen geweckt: endlich anonym und ohne direkten Einfluss von Börsen, Politik und Notenbanken. Nach dem Motto demokratisch und korruptionsfrei waren zahllose weitere Digitalwährungen aufgekommen. In der Aufbruchstimmung aber blieb der Bitcoin das Leitbild der neuen Bewegung. Folglich zog sein Absturz auch die meisten anderen Kryptowährungen in die Tiefe.

Absturz des Bitcoin lange vorgesehen

Auf der Suche nach den Gründen lässt sich einiges finden. Etwa Bitcoin-Verbote und Einschränkungen oder der Streit über die Aufteilung des Bitcoin-Ablegers Bitcoin-Cash. Auch warteten Anleger bislang vergeblich auf die Zulassung erster Bitcoin-ETF. Hat am Ende gar das böse Establishment am Ast gesägt?

Fest steht: Auf jede Übertreibung folgt irgendwann die Gegenbewegung. Bestes Beispiel bei Aktien war die Dotcom-Blase, die zur Jahrtausendwende geplatzt war. Und beim rasanten Aufstieg des Bitcoin gab es schließlich Warnungen genug. Insofern könnte man den Absturz als überfällige Korrektur abhaken. Spannender ist indes wie es zur extremen Kursübertreibung kommen konnte.

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Hinzu kommt, dass hinter Kryptowährungen weder Materialwerte wie bei Gold oder Firmenwerte mit  Fundamentaldaten wie bei Aktien stehen. Alte Hasen wie Warren Buffett haben seit Anbeginn von einem „leeren Fass ohne Boden gesprochen“. Wurden sie in der Bitcoin-Szene gerne als „verstaubte Vertreter“ einer alten Welt abgetan, so sollten sie Recht behalten. Die Verblendung, in einer neuen überlegenen Digitalwelt mitzumischen, wurde offenbar von einigen undurchsichtigen Playern kräftig befeuert.

Kriminelle Kursmanipulationen

Die US-Behörden jedenfalls ermitteln seit Längerem wegen massiver Kursmanipulationen. Laut Wall Street Journal riecht fast „jede fünfte Kryptofirma nach Betrug“. Im Zentrum steht wohl Bitfinex. Die weltweit größte Krypto-Börse auf den Britischen Jungferninseln wird von der Plattform iFinex in Hong Kong geleitet, die ihrerseits eng mit dem Management der Digitalwährung Tether in Verbindung steht. Die wiederum lässt sich angeblich jederzeit gegen je einen Dollar eintauschen.

Dass zur Stütze des Bitcoin-Kurses über Bitfinex neue Tether ausgegeben und mit ihnen Bitcoins gekauft wurden, konnte nur im Glauben an die Handelbarkeit der Digitalwährung gelingen. Die angepriesene Umtauschmöglichkeit in eine echte Währung schuf Vertrauen und half den Kurs zu pushen. Nun scheint sich ein Verdacht zu erhärten, den etliche Analysten sowie der US-Ökonom Roubini bereits Ende 2017 hatten: Die Dollar-Reserven hinter Tether gibt es überhaupt nicht.

Um den Schein zu wahren, konnten zwar etliche Kunden Tether in Dollar tauschen, doch ihre Zahl wurde über komplizierte AGBs auf einen kleinen Kreis beschränkt. Insidern zufolge geht rund die Hälfte des sagenhaften Kursanstiegs auf diese Form krimineller Kursmanipulation zurück. Die Profiteure konnten vor einem Bitcoin-Absturz absahnen und das Spiel wieder neu beleben.

Von daher ist völlig ungewiss wie es mit Digitalwährungen weitergeht. Sobald sich zur Angst vor Kursverlusten die Gewissheit gesellt, Opfer krimineller Machenschaften geworden zu sein, wird es eng am Markt. Die ansonsten sinnvolle Blockchain-Technologie hinter den Digitalwährungen allein wird ihn dann kaum stützen. Allein der hohe Energieverbrauch beim Mining, dem Bitcoin-Schöpfen, erfordert derzeit einen Mindestkurs von angeblich rund 6.000 Dollar. Es scheint jedenfalls vorstellbar, dass der Bitcoin, einstweilen zumindest, klinisch tot ist. Eine echte Wiederbelebung dürfte nur unter neuen Rahmenbedingungen gelingen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.