Bitcoin: Die Blase wird bedrohlicher

Platzt die Bitcoin-Blase, wäre die Realwirtschaft bislang kaum betroffen. Doch bald gibt es Derivate für echtes Geld auf die Kryptowährung. (Foto: 3Dsculptor / Shutterstock.com)

Keine Aufsicht, keine Regulierung, keine Notenbank, aber dennoch ein noch nie gesehener Massenzulauf: der Bitcoin zieht als digitale Kryptowährung immer mehr Glücksritter an.

War er 2012 noch 10 US-$ wert, waren es vor einem Jahr bereits 1.000 US-$, und seitdem schoss er bis Ende November weit über die Marke von 10.000 US-$. Die darauf folgende Korrektur wurde verbreitet als Hinweis für ein bevorstehendes Platzen der Bitcoin Blase gesehen.

Dass dies bislang nicht geschehen ist, liegt auch an der jüngsten Entscheidung der US-Finanzaufsichtsbehörde CFTC, Futures auf Bitcoins zu genehmigen. Ist schon die Bitcoin-Rally nichts anderes als Spekulation, kommen nun spekulative Termingeschäfte hinzu, die mit hohen Hebeln nicht nur Preisschwankungen absichern. Wenn nun auch Großinvestoren zusteigen, dürfte der schwindelerregende Auftrieb einstweilen weitergehen. Die Bitcoin-Blase wird sich weiter ausdehnen.

Der Crash ist programmiert

Zwar kann man bei Microsoft, Dell oder Starbucks mit Bitcoins bezahlen, doch das sind Ausnahmen, weshalb die digitale Währung eigentlich nur zur Spekulation dient. Und weil sich die Spirale dreht, zahlt auch niemand mit Geld, das schon morgen viel mehr wert ist. Das Ganze funktioniert natürlich nur, solange alle an die Werthaltigkeit des virtuellen Zahlungsmittels glauben, so wie bei regulärem Geld. Was fasziniert: Der Bitcoin entzieht sich jeglicher staatlichen oder institutionellen Kontrolle.

Kein Wunder, dass gerade Freigeister und immer mehr Chinesen, die sich der allgegenwärtigen Parteikontrolle entziehen wollen, angezogen werden. Die frei wuchernde Währung, die rein auf gigantischen Rechnerleistungen beruht, mag zwar schon wegen ihres anarchischen Ansatzes bestechen, doch wenn es zum Crash kommt, gibt es niemanden, der die Verantwortung übernimmt.

Insidern zufolge würden im dem Fall auch jegliche Steuerungsmechanismen versagen, weil aufgrund des völlig überlasteten Netzwerks keiner mehr dem System entrinnt. Damit wäre der Totalverlust im Prinzip programmiert. Ein Crash könnte aber auch schnell von externer Seite provoziert werden. Was, wenn die Börsenaufsicht auf einmal den Handel reguliert? Was, wenn Großbanken ein eigenes System auf die Beine stellen, das ganz anderen Standards gerecht wird?

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Bitcoin-Blase greift langsam in die Realwelt über

Und: Platzt die Bitcoin-Blase, welche Auswirkungen hätte das auf die Realwirtschaft? Immerhin hat die Blockchain-Technologie, auf der die Währung beruht, das Potenzial, die Effizienz von Warenlieferungen und Transaktionen zu steigern. Doch die Technologie selbst ist nicht vom Bitcoin abhängig. Und Verflechtungen der Kryptowährung mit der Wirtschaft gibt es bislang kaum.

Vorwiegend sind es einige kleinere Unternehmen und Teams, die ihr Geld mit Bitcoins verdienen. Zum großen Teil tut dies auch die Bitcoin Group aus Herford, deren Aktie an der Düsseldorfer Börse gelistet ist. Das Papier hat sich innerhalb eines Jahres von 5 € auf über 80 € verteuert, nicht zuletzt dank der Plattform bitcoin.de, die als größter Handelsplatz gilt.

Doch nur 5 % der Aktien sind im Streubesitz, weshalb die Zahl betroffener Aktionäre überschaubar wäre. Bei einem Umsatz von immerhin 1,8 Mio. € im ersten Halbjahr sind zehn Mitarbeiter beschäftigt – in Sachen Jobverlust auch keine echte Größe. Ebenso ist der Einfluss des Bitcoin auf den Kapitalverkehr von Unternehmen gering. Derzeit bringt er es am Weltmarkt auf 170 Mrd. €, allein in den Euro-Ländern aber liegt die Geldmenge bei rund 12 Bio. €.

Den direkten Bezug zur Realwährung könnte es jedoch bald an anderer Stelle geben: Verluste, die mit den frisch zugelassenen Bitcoin-Futures und möglichen weiteren Derivaten in Dollar entstehen, können im Milliardenbereich auf die Finanzwirtschaft durchschlagen. Das Bedrohungspotenzial hängt von der Ausprägung eines Hypes mit entsprechenden Derivaten ab. Insofern war die Entscheidung der US-Börsenaufsicht durchaus mutig.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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