Bitcoin, Etherum, Ripple – sind Kryptowährungen das Geld von morgen?

Digitale Währungen wie der Bitcoin gewinnen immer mehr an Bedeutung. Sie bieten großes finanzielles Potential, bergen aber auch ein ebenso großes Risiko. (Foto: 3Dsculptor / Shutterstock.com)

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Vom Schwarzmarkt bis ins globale Rampenlicht. Kryptowährungen sind längst kein Geheimtipp mehr.

Immer mehr Geschäfte akzeptieren mittlerweile sogar die bekannteste Währung, den Bitcoin, als Zahlungsmittel. Und die Kurse der verschiedenen Währungen steigen durch die Decke.

Lag der Wert eines Bitcoins Anfang 2011 noch bei rund 0,3 US-$, erreichte der Wert im April 2013 sein bis dahin absolutes Hoch von 266 US-$.

Im Herbst 2017 erreichte der Wert für einen Bitcoin bereits Werte um 4.ooo US-$, doch damit nicht genug. Im Januar 2018 spitze sich die Kursentwicklung bis auf 13.500 US-$ Euro zu. Und auch bei den anderen digitalen Währungen ist ein deutlicher Wertzuwachs erkennbar.

So steigerte sich Kryptowährungskonkurrent Ethereuum von Mitte 2017 und einem Kurs von 177,5 US-$ auf zwischenzeitlich 1.383,4 US-$ Anfang 2018. Auch der Ripple konnte sich im Vergleich zu 0,16 Us-$ auf auf 2,77 US-$ im selben Zeitraum verbessern.

Offensichtlich ist das Gewinnpotential, dass in digitalen Währungen liegt, immens.

Experten zufolge könnten vier Bitcoins, die ein Anleger für rund 6.400 US-$ kauft, auf lange Sicht bis zu 1,9 Millionen US-$ wert sein, wenn die Marktkapitalisierung eines Tages mehr als 10 Billionen betragen wird.

Wenn Anleger in den Markt der digitalen Währungen einsteigen wollen, ist der Bitcoin als älteste und etablierteste, digitale Währung ein guter Anfang. Aber wie ist das digitale Geld eigentlich entstanden?

Bitcoin – Ein historischer Rückblick

2009 hat ein Programmierer, der sich den Decknamen Satoshi Nakamoto gab, einen Algorithmus gestartet, der digitale, sogenannte „coins“, also Münzen, generierte. Um an Bitcoins zu kommen, musste man mit einem gut ausgestatteten Computer den Algorithmus knacken und erlangte, nach einer Verifizierung der Lösung in der öffentlichen „blockchain“, eine Art Netzwerk“, die Bitcoins. Dieses System wird und wurde nicht zentral gesteuert, sondern ist über zahlreiche Computer und ohne überwachende Institution dezentral aufgestellt. Die Community sorgt für eine Selbstregulierung des Bitcoinhandels.

Aufgrund der sehr schwierigen unmöglichen Rückverfolgung von Bitcoin-Transaktionen und der damit zusammenhängenden Anonymität, waren Bitcoins vor allem als Währung auf dem digitalen Schwarzmarkt beliebt.

Erst nachdem ein Blogger im Jahr 2011 die Aufmerksamkeit auf den Schwarzmarkt und dessen beliebteste Währung aufmerksam machte, geriet der Bitcoin in die öffentliche Wahrnehmung. Weltweit ernsthaft relevant wurde er jedoch erst im Jahr 2013, Zeiten der Finanzkrise in den südeuropäischen Ländern – vor allem Zypern und Griechenland. Menschen fürchteten um ihre Ersparnisse, bunkerten Bargeld und standen vor auszahlungsunfähigen ATMs. Viele sahen ihre Chance in der digitalen Alternative und investierten, das Ergebnis: Der Bitcoin erreichte seinen bis damals höchsten Wert von 266 US-$ im April 2013.

Der Bitcoin war keine dubiose Währung mehr, sondern entwickelte sich zu einem ernstzunehmenden Zahlungsmittel. Mittlerweile akzeptieren Unternehmen wie Expedia, der Time Verlag, Greenpeace oder auch Microsoft Bitcoins als Bezahlung. Auch auf Kundenseite wächst die Akzeptanz: Die Nutzer von digitalen Bitcoin-Geldbörsen stieg von Anfang 2013 mit rund 80.000 Nutzern auf rund 15 Millionen Nutzer bis Mitte 2017.

Dabei spielen für Kunden sicherlich eine ganze Reihe von Gründen eine Rolle: Das fehlende Vertrauen in den Wert von Währungen, die politische Lage in Ländern wie den USA oder auch die Angst vor einer wiederkehrenden, umfassenden Bankenkrise.

Bitcoin – ist das überhaupt richtiges Geld?

Die historische Entwicklung des Bitcoins zeigt die stetig wachsende und sich international ausbreitende Relevanz von Kryptowährungen auf. Wer jetzt aber in seine Geldbörse schaut und die Münzen und Scheine betrachtet, der fragt sich zurecht: Ist digitales Geld wirklich mit echtem zu vergleichen?

Die Antwort darauf lautet Ja, denn es erfüllt die dazu nötigen Eigenschaften. Dies soll am Beispiel der Bitcoins näher erklärt werden:

  • Beständigkeit: Bitcoins basieren auf dem Netzwerk der Benutzer. Daher kann diese Währung nicht einfach verschwinden, außer man würde das komplette Internet abstürzen lassen. Trotz hoher Schwankungen des Wertes haben sich die Nutzer als loyal erwiesen, sodass das Netzwerk hohe Stabilität zeigt.
  • Portabilität: Bitcoins sind genau genommen Computercodes, die auf einer Festplatte gespeichert werden können und dann extern und offline aufbewahrt werden können, zum Beispiel in einem Bankfach oder einem Safe. Sobald das Speichermedium wieder an das Netzwerk angeschlossen wird, kann der Nutzer wie zuvor auf seine Bitcoins zugreifen.
  • Leichte Austauschbarkeit (Fungibilität): Jeder Bitcoin ist bis zu 8 Nachkommastellen aufteilbar. Auf diese Weise kann die begrenzte Anzahl an Bitcoins in derart viele Teile aufgeteilt werden, sodass Millionen von Menschen damit handeln könnten.
  • Innerer Wert: Digitale Währungen stehen nicht nur für ihren jeweilige, tagesabhängigen Wert. Sie sind Teil einer neuen digitalen Ära, und versprechen Anonymität in einer Welt, in der Privatsphäre sich zu einem Luxusgut entwickelt.

Wie funktioniert Bitcoin-Handel für private Anleger?

Um als privater Anleger in den Handel mit Bitcoins einzusteigen, gibt es einiges zu beachten. Zunächst geht es um die Methode, wie man an Bitcoins herankommt.

Wie bereits beschrieben, bestand ursprünglich die einzige Möglichkeit, um Bitcoins zu erhalten, darin, den Algorithmus zu lösen und so einen Block mit Bitcoins zu bekommen. Diese Methode nennt sich „Mining“. Zu Beginn der Bitcoin-Ära gab es für einen Block noch 50 Bitcoins. Allerdings halbiert sich diese Menge alle 210.000 Blöcke, sodass es zurzeit für einen Block noch 12,5 Bitcoins gibt. Das liegt an der limitierten Anzahl an existierenden Bitcoins, die bei 21 Millionen liegt.

Mining nur noch etwas für professionelle Unternehmen

Brauchte man fürs Mining früher nur einen privaten Computer mit ordentlichen Grafikprozessoren, ist Mining heutzutage nur noch etwas für Profis, da der zu lösende Algorithmus mit der Zeit immer komplexer und schwieriger wird. Mittlerweile gibt es Unternehmen, deren einziges Ziel es ist, Bitcoins mit dieser Methode zu generieren, sodass einem privaten Anleger auf diese Weise kaum Chancen bleiben.

Experten haben errechnet, dass der letzte Block Bitcoins im Jahr 2140 gefunden werden wird. Allerdings muss man keine Angst haben, leer auszugehen. Jeder Bitcoin ist bis auf 8 Dezimalstellen aufteilbar. Das bedeutet wiederum, dass die kleineste Bitcoin-Einheit, auch Satoshi genannt, 0,000000001 eines Bitcoins darstellt. Dadurch ist eine Menge an Bitcoin-Einheiten von rund 2,1 Billiarden generierbar. Diese Menge wäre auch in Zukunft in der Lage, das stabile Fundament einer Wirtschaft zu bilden, sollten Kryptowährungen weiter an Akzeptanz gewinnen.

Private Anleger sollten Bitcoins wie Devisen kaufen

Für den privaten Anleger bietet es sich an, Bitcoins wie jede andere Devise zu erwerben. Zu diesem Zweck gibt es eine steigende Zahl an Websites und Smartphone-Apps, die den Handel mit Bitcoins im Tausch mit beliebigen Währungen wie dem Dollar oder dem Euro anbieten. Es gibt sogar die Möglichkeit, physische Münzen aus Metall zu erwerben, die einen manipulationssicheren Bitcoin-Code enthalten.

Nach dem Erwerb von Bitcoins werden diese in einer digitalen, sogenannten „Wallet“, zu Deutsch Geldbörse, abgelegt. Mit dem vorhandenen Geld können dann Einkäufe, weiterer Handel oder auch Geldtransaktionen getätigt werden.

Kryptowährungen: Risiken und Gewinnpotential

Das Geschäft mit den Kryptowährungen ist voller unwägbarer Risiken, birgt aber auch ein hohes Gewinnpotential. Allein die Kursentwicklungen von Bitcoin und Etherum machen die möglichen Gewinnchargen deutlich. Experten sind außerdem der Meinung, dass Kryptowährungen in der Zukunft ein etabliertes Finanzsystem darstellen werden und nicht einfach wieder von der Bildfläche verschwinden werden. Ein Investment in Kryptowährungen könnte also ein Investment in das Finanzsystem der Zukunft sein.

So rosig das klingt, so verlustreich kann dieses Geschäft auch sein.

Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung des Bitcoins in der Vergangenheit. Wenn auch die Entwicklung langfristig eine positive ist, so hat der Wert der Währung zwischenzeitlich herbe Verluste verzeichnet. Bereits im Jahr 2011 gab es infolge von kriminellen Geschäften, Trojanern und dem Hacken von Bitcoin Konten einen Abbruch des Kurses, nachdem er zuvor ein Hoch von 30 US-$ erreichte. Aufgrund von Angriffen auf Bitcoin-Konten oder Kurskorrekturen stieg und fiel der Kurs auch im weiteren Verlauf rapide. Notierte der Bitcoin Anfang 2014 beispielsweise mit rund 1.100 US-$, lag er ein Jahr später wieder bei rund 200 US-$. Der ungebremste Kurszuwachs zwischen 2016 und 2016 ließ ebenfalls vermuten, dass es möglicherweise zu einer erneuten Kurskorrektur kommen könnte und der Bitcoin-Wert auch in Zukunft nicht stabil bleiben wird. So trat 2018 die vorhergesagte Korrektur ein, der Bitcoin brach massiv ein und fiel: von über 19.000 US-$ Ende 2017 auf rund 6.000 US-Dollar in der Mitte des Jahres 2018.

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Woher kommen dieses hohe Risiko und die Kursschwankungen? Wie bereits beschrieben, ein Hauptgrund dafür ist die potentielle ‚Hackbarkeit‘ von Bitcoin-Konten und immer wieder aufkommende Fälle von geglückten Raubzügen auf solche Konten.

Darüber hinaus sind es zumeist risikiofreudigere Investoren, die in Kryptowährungen investieren. Diese sorgen mit großen Anlagesummen oder aber dem Verkauf ihrer Anlage ebenfalls für Schwankungen des Kurses.

Weitere Risiken bergen beispielsweise Programmierfehler, schwindendes Interesse bei Nutzern und ein daraus resultierendes, finanzschwächeres Netzwerk, die geringe Transaktionsanzahl oder auch die Gefahr vor dem Eingreifen der nationalen Institutionen.

Als Anleger muss man sich dieser Risiken bewusst sein: Ein Investment in Kryptowährungen ist keine sichere Anlage mit einem stabilen Kurs und einer erwartbaren Rendite, dafür winken jedoch potentiell hohe Gewinne.

Ein Überblick über die Konkurrenz des Bitcoins

Der Bitcoin ist längst nicht die einzige und vor allem nicht die einzig erfolgreiche Kryptowährung auf dem Markt. Zum 1. Juli 2018 lag, nach Marktkapitalisierung, auf Platz zwei hinter dem Bitcoin (109.385 Mio US-$) Ehtereum mit 45.777 Mio US-$. Auf Platz 3 folgt der 2013 gegründete Ripple mit rund 18 Mio US-$. Laut verschiedener Websites soll es mittlerweile über 1500Kryptowährungen geben.

Ether

Etherum wurde das erste Mal 2013 vorgestellt und startete dann im Jahr 2015 durch. Das sogenannte verteilte System bietet eine Plattform an, auf der Benutzer Smart Contracts ausführen können und dabei mit der digitalen Währung, dem Ether (ETH), bezahlen können. Das System basiert auf einer eigens entwickelten Blockchain, jeder Benutzer kann bei diesem dezentralen System die Smart Contracts erstellen, die dann vom Netzwerk der anderen Benutzer geprüft und verifiziert werden. So könnten ein Käufer und Verkäufer über Etherum einen Kaufvertrag austauschen, bestätigen und von der Community prüfen lassen. Sind alle zufrieden, kann dann per Klick auch noch die Bezahlung des Vertrages sofort erfolgen. Neben der Existenz von Smart Contracts machen auch Dezentrale Apps, kurz Dapps, das System besonders. Apps wie Bezahlsysteme oder auch einfach Spiele können im Etherum System viel einfacher und ohne Einschalten einer dritten Instanz vom Entwickler an Benutzer weitergegeben werden.

Ripple

Die Währung Ripple (XRP) wird vom Ripple Network seit 2012 vertrieben. Das dezentrale Netzwerk versteht sich selbst als Tauschnetzwerk, über das alle Währungen transferiert werden. Im Gegensatz zu Anbietern wie Bitcoin oder Etherum können über Ripple also nicht nur Ripple, sondern auch Bitcoin und Ether, aber auch Euro und Dollar gehandelt werden. Besonders macht Ripple ebenfalls, dass das System das Bankensystem nicht ersetzen soll, wie es die Idee anderer Kryptowährungen ist, sondern Ripple das bestehende Finanzsystem vielmehr erleichtern und kostengünstiger machen will. So sollen Überweisungen deutlich schneller gehen und Transaktionen mit 0,00001 XRP extrem gering sein. Darüber hinaus können Ripple nicht gemint werden. Ripple verteilt seine Währung nach und nach und behält einen Teil für weitere Entwicklungen des Systems ein. Dadurch ist die Verteilung der Währung nicht so transparent wie andere Kryptowährungen.

 

Die Werte der Kryptowährungen schwanken stark, extreme Kurszuwächse oder -tiefflüge sind nicht selten. Das Investment in diese Währungen birgt also in jedem Fall ein hohes Risiko. Das gilt für jede Kryptowährung. Es gibt allerdings auch Kryptowährungen, in die man in keinem Fall investieren sollte. Wie immer, wenn eine Geschäftsidee und sogar eine ganze neue Sparte durch die Decke geht und langfristig hohe Gewinne verspricht, gibt es auch hier schwarze Schafe unter den Anbietern.

Kryptowährungen, die sie meiden sollten

Wenn sie sich bei den Kryptowährungen an jene halten, die nach Marktkapitalisierung am besten dastehen, dann unterliegen diese nach wie vor den starken Schwankungen, die dieser Sparte nun mal inne liegen, aber es sind zumeist seriöse Anbieter, die ihre Methoden transparent machen.

OneCoin – Abzocke und Intransparenz

Transparenz und Seriosität sucht man derweil bei Onecoin umsonst.

Seit 2015 existiert die Kryptowährung OneCoin, das Unternehmen sitzt in Bulgarien und soll mittlerweile ein Milliarden-Euro-Unternehmen sein. Angeblich sei OneCoin seit 2016 die zweitgößte Kryptowährung weltweit. Das Unternehmen selbst wirbt mit dem Slogan: „Nehmen sie an der Finanzrevolution teil. Die erste transparente, globale Kryptowährung für alle.“.

Dabei fehlt es der Währung in erster Linie genau daran – an Transparenz. Im Gegensatz zum Bitcoin oder auch anderen, erfolgreichen Kryptowährungen, können OneCoin-Transaktionen ausschließlich über das Unternehmen und deren Webseite abgewickelt werden. Nach Angaben des Unternehmens gibt es auch eine Blockchain, die ist aber für Nicht-Nutzer des Systems nicht einsehbar.

Neben der Währung an sich bietet das Unternehmen eine Reihe von „unabkömmlichen“ Produkten an, die das OneCoin-System vervollständigen sollen. Ein Teil dessen sind Kurse für Anleger, in denen sie den Handel mit Kryptowährungen lernen können. Der teuerste Kurs kostet dabei rund 30.000 Euro. Der Vorwurf liegt nahe, dass sich das System durch diese Kurse finanziert und diese seinen Kunden aufdrängt.

Staatsanwaltliche Ermittlungen wegen Betrugs bei OneCoin

Mittlerweile sind auch die Behörden auf das Unternehmen aufmerksam geworden. So untersagte beispielsweise die deutsche Bankenaufsicht dem International Marketing Service, dem Zahlungsabwickler von OneCoin, Transaktionen mit der Währung in Deutschland abzuwickeln, da die dazu notwendigen Lizenzen nicht vorlägen. Auch die Dubaier Gesellschaft OneCoin Ltd und OneLife Network Ltd aus Belize dürfen nicht mehr in Deutschland operieren. Darüber hinaus wurden im Zuge der Entwicklungen Konten im Wert von 29 Millionen Euro gesperrt, die Bielefelder Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug aufgenommen.

Nach einem ähnlichen System funktionieren auch die Anbieter Swisscoin und Giracoin.

Anlegern sollten also vor einem Investment in Kryptowährungen eine sehr gewissenhafte Recherche anstellen und sich erst nach reiflicher Überlegung für oder gegen einen Anbieter entscheiden.

Bitcoin – die Vor- und Nachteile

Um einen finalen Überblick zu gewährleisten, sollen an dieser Stelle noch einmal die Vor- und Nachteile von Bitcoin aufgelistet und zusammengefasst werden. Wer über ein Investment in andere Kryptowährungen nachdenkt, sollte bedenken, dass es teilweise große Unterschiede zwischen diesen gibt. Es schadet jedoch nicht, sich der Pro- und Contra-Argumente bewusst zu sein, um eine durchdachte und fundierte Investmententscheidung zu fällen

Die Vorteile

  • Das Bitcoin-System ist dezentral und damit unabhängig von jedweder Institution wie beispielsweise Banken. Es kann also eigentlich Einfluss von Dritten auf die Währung genommen werden. Die Nutzer bestimmten.
  • Bitcoins versprechen Anonymität, da den Bitcoin-Wallets keine persönlichen Daten wie Namen oder Wohnorte zugeordnet sind. Ein Benutzer kann auch mehrere Wallets besitzen.
  • Die Eröffnung eines Bitcoin-Kontos ist nicht, wie bei einer Bank, mit Gebühren verbunden. Jeder mit einem Internetzugang kann Teil des Bitcoin-Systems werden und Transaktionen mit dem Bitcoin ausführen.
  • Das System ist transparent. Der Quellcode des Programms ist öffentlich zugänglich und auch die Blockchain kann eingesehen werden. Die Blockchain ist das Register, in dem jede einzelne Transaktion des Netzwerkes gespeichert wird.
  • Transaktionen, vor allem länderübergreifende, sind zwar nicht kostenfrei, jedoch muss nur ein Bruchteil des Betrages aufgebracht werden, den eine Bank für eine internationale Überweisung verlangen würde.
  • Eine Transaktion kann sehr schnell von statten gehen. Statt mehrerer Tage kann eine Transaktion von Bitcoins bereits innerhalb einiger Stunden erfolgen. Die Prozedur dafür gleicht dem Verschicken einer Email und soll es dem Benutzer so leichter machen, sein Geld zu versenden.
  • Bitcoins gelten als nicht fälschbar, da mittels des Registers jede Transaktion verzeichnet und gleichzeitig auch überprüft wird. Darüber hinaus ist jeder Bitcoin-Code einzigartig
  • Das Bitcoin-System ist theoretisch inflationssicher aufgebaut, da es nur eine limitierte Anzahl von 21 Millionen Bitcoins gibt und daher nicht, wie bei Papiergeld, der Markt mit weiterer Währung überschwemmt werden kann
  • Die Gewinnspannen können, bei hohem Risiko, immens sein. So sind sowohl hohe Kurssprünge als auch noch größere Kurseinbrüche regelmäßig an der Tagesordnung. Auch die Gefahr einer Kryptoblase muss zumindest im Hinterkopf behalten werden.

Die Nachteile

  • Der Kurs des Bitcoins schwankt immer wieder stark. Grund sind risikofreudige Anleger, Hackerangriffe und die totale Abhängigkeit von der Gunst der Nutzer. Theoretisch kann es immer sein, dass die Bitcoin-Blase platzt und die Coins ihren Wert verlieren. Das wäre beispielsweise bei einer Hyperinflation der Fall. Das würde konkret bedeuten, wenn irgendwann der Bitcoin als alltägliches Zahlungsmittel anerkannt würde, dann könnten auch andere Kryptowährungen unendlich neue Zahlungsmittel schaffen, sodass schlussendlich ein Zusammenbruch des Systems wegen Überangebot drohen könnte.
  • Immer wieder wurden Bitcoin-Konten gehackt und ausgeraubt. Auch Trojaner oder Fehler in der Software machen deutlich, das Bitcoin-System ist nicht hundertprozentig sicher. Selbst wenn Bitcoin-Codes auf einer Festplatte gespeichert werden, kann auch diese verloren gehen und mit ihr die Bitcoins.
  • Auch sind die Bitcoin-Transaktionen zwar gut verschlüsselt und versprechen Anonymität, jedoch hat sich herausgestellt, dass sich diese mit der richtigen Software ebenfalls theoretisch zurückverfolgen lassen können. Die totale Anonymität ist also mindestens kritisch zu hinterfragen.
  • Kritiker erkennen hinter dem Bitcoin ein Schneeballsystem. Es könnten nur Gewinne erzielt werden, solange es neue Käufer gäbe, die Bitcoins zu immer höheren Preisen kaufen. Wäre aber das Limit an Bitcoins erreicht, fiele der Wert der Währung wieder rapide. Dann stünden späte Investoren mit wertlosen Coins da, während frühe Besitzer der Währung für ihre Bitcoins große Mengen an etablierten Währungen erhalten hätten.
  • Bitcoin ist zwar als dezentrales und damit unabhängiges System aufgebaut, jedoch könnten Staaten gegen das Zahlungsmittel vorgehen, beispielsweise als Maßnahme gegen Geldwäsche. Würde der Bitcoin als Zahlungsmittel in wichtigen Handelsländern verboten, würde das seinen Einfluss massiv schmälern.

    Auch könnte China, das Land, in dem die meisten Serverfarmen stehen, die das Bitcoin-System sichern, Maßnahmen ergreifen, die Server abzuschalten. Damit wäre das System längst nicht mehr so flexibel und leistungsstark und wäre nur noch bedingt als ernstzunehmendes Zahlungsmittel brauchbar.

  • Das System ist noch nicht ausgereift genug. Laut Experten seien auf Dauer einfach nicht genug Transaktionen auf einmal möglich, außerdem müssen vor der Nutzung von Bitcoin zunächst alle Transaktionen des Netzwerks geladen werden, was sowohl Energie als auch Zeit verbraucht.
  • Auch die Akzeptanz kommt noch nicht ansatzweise an die Stellung von klassischem Papiergeld heran. Es gibt zwar bereits eine ansehnliche Zahl an Läden, die diese Währung akzeptieren, doch sind es häufig auch noch kleinere Unternehmen. Die Tendenz ist steigend, aber noch ist die Kryptowährung nicht als Ersatz zum Papiergeld im alltäglichen Leben geeignet.
  • Bitcoins stehen nicht unter Einlagenschutz wie zum Beispiel Papiergeld auf Sparkonten, denn Bitcoins gelten als Sondervermögen wie Gold und Aktien. Für Bitcoins gilt also der gesetzliche Schutz für Spareinlagen nicht.
  • Zwar sind Bitcoins laut Bundesfinanzministerium inzwischen als „privates Geld“ rechtlich anerkannt, doch im Gegensatz zu gesetzlichen Währungen, hat man mit Bitcoins keinerlei Rechte auf einen Eintausch. Das heißt: Jeder Gläubiger muss in Deutschland bzw. im Euro-Währungsgebiet die Zahlung von Euro zur Begleichung von Geldschulden akzeptieren, Bitcoins dagegen können abgelehnt werden.
  • Die Konkurrenz zum Bitcoin wächst jeden Tag. Die Sparte der Kryptowährungen bommt und es gibt einige, sehr erfolgreiche Anbieter, wie Etherum oder Ripple. Außerdem gibt in der Masse der Anbieter einige unseriöse Währungen und Unternehmen, die dem Ansehen und der Akzeptanz der digitalen Währungen schaden und ihre Kunden ausnutzen.

Fazit

Eine einfache Empfehlung von Kryptowährungen als Anlage ist angesichts des komplexen Themas genauso unangemessen wie ein pauschales Abraten.

Der seit Jahren immer weiterwachsende Markt an immer zahlreicheren und vielen erfolgreichen digitalen Währungen legt allerdings nahe: Kryptowährungen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Bestandteil des Finanzmarktes der Zukunft sein und vermutlich nicht wieder einfach verschwinden. Vielleicht also werden diese Währungen, oder zumindest ein oder zwei davon, einmal wie Papiergeld verwendet und akzeptiert werden. Aber auch nur vielleicht. Denn noch sind die Vorteile von Kryptowährungen noch nicht deutlich stärker und überzeugender genug den Nachteilen überlegen.

Anleger sollten sich in jedem Fall vor einem Investment in diese Sparte außerordentlich gründlich informieren und den Markt, sowie die Kursschwankungen, sehr genau beobachten. Außerdem sollte möglichst nicht das gesamte Vermögen oder der größte Anteil dessen in diesen risikoreichen Markt investiert werden. Zu empfehlen sind digitale Währungen entweder für ausgewiesene Finanzprofis, sehr risikofreudige Anleger oder, am besten, als Beimischung zum Depot.


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Sophia Ly Weidner
Von: Sophia Ly Weidner.