Bitcoin klettert über 10.000 Dollar – Was steckt dahinter?

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Der Bitcoin hat die Marke von 10.000 US-$ überschritten - Was treibt den Kurs und wo sehen Experten den Bitcoin in 2018? (Foto: 3Dsculptor / Shutterstock.com)

Der Kurs des Bitcoin kennt derzeit scheinbar nur eine Richtung: nach oben. Wurde 1 Bitcoin zu Jahresbeginn noch bei rund 1.000 US-$ gehandelt, müssen für einen Bitcoin derzeit mehr als 10.000 US-$ bezahlt werden.

Insgesamt sind derzeit mehr als 190 Mrd. US-$ in Bitcoins investiert – mehr als in General Electric (GE) oder Boeing. Wer oder was ist für den massiven Kursanstieg beim Bitcoin in den vergangenen Wochen und Monaten verantwortlich und welche Höhen kann der Bitcoin-Kurs noch erreichen?

Bitcoin erreicht 10.000 US-$ – hohe Nachfrage aus Asien

Nach dem in den letzten Jahren der Bitcoin vor allem aus China nachgefragt wurde, haben inzwischen andere asiatische Länder das Reich der Mitte als großen Bitcoin-Nachfrager abgelöst: Dazu zählen insbesondere Japan und Südkorea.

Inzwischen ist Südkorea der drittgrößte Bitcoin-Markt hinter den USA und Japan. Die koreanische Handelsplattform Bithumb ist nach Angaben seines Chefs Kim Dae-shik inzwischen zur weltgrößten Krypto-Börse avanciert.

Auch andere koreanische Krypto-Börsen wie Korbit und CoinOne verzeichnen massiv steigende Handelsvolumen. Aufgrund des Krypto-Booms in Südkorea hat sich der dortige Gaming-Konzern Nexon im September für 80 Mio. US-$ rund 65 % der Anteile an der Krypto-Börse Korbit gesichert.

Steigender Bitcoin-Preis zieht Anleger und Spekulanten an

Der steigende Bitcoin-Preis hat natürlich auch psychologische Wirkung. Viele Anleger haben Angst, den Boom zu verpassen und springen auf den Bitcoin-Zug auf – im Fachjargon gern als FoMo (Fear of Missing out) – bezeichnet, was den Bitcoin-Preis weiter nach oben treibt.

Die bei Anfängern populäre Krypto-Börse Coinbase betreut inzwischen mehr als 12 Millionen Nutzer über 41 Millionen digitale Geldbörsen (Wallets), nach 5 Millionen Nutzern im November 2016. Im November konnte Coinbase gleich an mehreren Tagen mehr als 100.000 neue Kunden begrüßen.

Auch in Indien sind Kryptowährungen auf dem Vormarsch. Rund 95 % des Handelsvolumens in Indien wird über die dortige Krypto-Börse Unicoin abgewickelt – auch diese Krypto-Börse konnte sich allein im November über 200.000 neue Kunden freuen.

Eine Führungsrolle im Bitcoin-Handel hat inzwischen auch Japan eigenommen. Rund 50 % des weltweiten Bitcoin-Handels wurden zuletzt in japanischen Yen abgewickelt. Die führende japanische Krypto-Börse Bitflyer zählt inzwischen mehr als 800.000 Kunden.

Bitcoin kommt an der Wall Street an

Hinzu kommen positive Meldungen von der institutionellen Seite. Die US-Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) hat zuletzt angekündigt, mit dem Handel von Bitcoin-Futures (Terminkontrakte) am 18. Dezember 2017 beginnen zu wollen.

Durch den Future-Handel wird es in Zukunft für institutionelle Investoren einfacher, in den Bitcoin-Handel einzusteigen. An herkömmlichen Krypto-Börsen gibt es in der Regel Begrenzungen, was das Abziehen von hohen Summen angeht. Derartige Hürden stehen im Future-Handel nicht mehr im Weg, wodurch sehr viel schneller hohe Volumen bewegt werden können.

Für institutionelle Anleger steht mit dem Future-Handel daher auch erstmals ein Instrument zur Verfügung, sich gegen die starken Kursschwankungen beim Bitcoin abzusichern. Die CME ist mit seinem Vorhaben nicht allein, denn auch die US-Technologiebörse Nasdaq plant, den Handel mit Bitcoin-Futures im Jahr 2018 aufzunehmen.

Erwartungen auf weiter steigende Kurse treiben den Bitcoin-Kurs

Mit dem Beginn des Future-Handels könnten institutionelle Investoren weiter Geld in den Bitcoin pumpen. Dies glaubt auch Coinbase-Gründer Brian Armstrong, der auf Schätzungen verweist, wonach institutionelles Kapital in Höhe von 10 Mrd. US-$ an der Seitenlinie wartet, um in Kryptowährungen investiert zu werden. Dazu verweist Armstrong auf mehr als 100 Hedge Funds, die allein über das vergangene Jahr gegründet wurden, um exklusiv in Kryptowährungen zu investieren.

Insgesamt ist der Kryptowährungsmarkt mit rund 350 Mrd. US-$ vergleichsweise klein (in Gold sind weltweit 6 Billionen US-$ investiert), große Player können den Kurs sehr schnell in die ein oder andere Richtung bewegen. Dennoch rechnen Branchenexperten wie die Hedge Fund Legende Mark Novogratz damit, dass der Bitcoin-Kurs weiter steigen wird. Novogratz, der den Preisanstieg des Bitcoins auf 10.000 US-$ bereits korrekt vorhergesagt hat, rechnet mit einem Bitcoin-Kurs von über 40.000 US-$ bis Ende 2018.

Bei aller Euphorie rund um den Bitcoin sollten Anleger weiter rational bleiben und stets bedenken, dass auch der Markt für Kryptowährungen keine Einbahnstraße ist. Regulierungen von Seiten der Regierung (z.B. ein Handelsverbot) könnten den Markt genauso negativ beeinträchtigen wie Softwarefehler und Hacker-Angriffe. Bitcoins sind daher wenn überhaupt nur für sehr spekulativ orientierte Anleger geeignet.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands