Bitcoin: Kurssturz sorgt für Verunsicherung

Der jüngste Kurssturz bei Bitcoin und Co. stellt die Nerven der Anleger einmal mehr auf eine harte Probe - Wie geht es weiter? (Foto: 3Dsculptor / Shutterstock.com)

Die Digital-Währung Bitcoin ist mit einer kräftigen Korrektur in das neue Jahr 2018 gestartet. Viele Anleger fragen sich, ob der Bitcoin Kurssturz nur ein Auftakt zu einer länger andauernden Korrektur war oder ob die weltweit führende Kryptowährung in diesem Jahr noch neue Rekordhochs markieren wird?

Zunächst müssen Anleger wissen, dass der Krypto-Markt auch in den letzten Jahren schon sehr volatil war und der Bitcoin schon mehrere Kursstürze erfolgreich „überlebt“ hat. Zunächst ging es im Jahr 2011 für den Bitcoin steil von 1 US-$ binnen 6 Monaten auf 32 US-$ nach oben, bevor sich der Bitcoin-Kurs 6 Monate später wieder auf dem Niveau von 2 US-$ fand. Anfang 2014 kam es zu einem weiteren Bitcoin Kurssturz, nachdem die damals größte Bitcoin-Handelsbörse Mt. Gox nach einem Hacker-Angriff schließen musste und 750.000 Bitcoins von Kunden verloren gingen.

Notierte der Bitcoin Anfang 2014 noch bei über 1.000 US-$, mussten Bitcoin-Fans einen Kurssturz auf unter 387 US-$ miterleben. Doch was sind die Ursachen der aktuellen Korrektur, die den Bitcoin-Kurs von Höchstkursen von knapp 20.000 US-$ auf zuletzt deutlich unter 8000 US-$ haben abstürzen lassen?

Anleger müssen wissen, dass der Bitcoin Anfang 2017 für rund 950 US-$ gehandelt wurde, Ende 2017 stand die Kryptowährung bei über 14.000 US-$ – damit hat der Bitcoin-Kurs in 2017 um mehr als 1.300 % zugelegt.

Gewinnmitnahmen der Trader und Investoren

Viele Spekulanten und Investoren, die in den vergangenen Jahren günstig beim Bitcoin einstiegen waren, haben ihr Kapital vervielfacht. Hier ist es wenig verwunderlich, dass der ein oder andere Investor den massiven Kursanstieg genutzt hat, um Kasse zu machen.

Nach Schätzungen der Investmentfirma AQR Capital besitzen außerdem rund 1.000 Personen ca. 40 % der Bitcoins. Nehmen einige Großinvestoren Gewinne mit, kann dies den Bitcoin-Kurs deutlich unter Druck bringen.

Transaktionskosten steigen, erste Händler springen ab

Der massive Run auf den Bitcoin im zweiten Halbjahr hatte aber auch Nachteile und ging mit steigenden Transaktionen einher. Nachdem zeitweise mehr als 200.000 Bitcoin-Transaktionen im Mempool auf Bestätigung warten mussten, schnellten die Transaktionskosten in die Höhe.

Betrugen die Transaktionskosten für eine Bitcoin-Transaktion Anfang 2017 noch weniger als 0,5 US-$, schnellten die Transaktionskosten im Dezember 2017 auf 20 bis 50 US-$ nach oben. Erste Händler wie zum Beispiel die Spieleplattform Steam sprangen ab und gaben bekannt, keine Bitcoin-Transaktionen mehr akzeptieren zu wollen – ein Rückschlag für die weltweit führende Kryptowährung, die eigentlich nahezu kostenlose Transaktionen ohne Bankgebühren ermöglichen wollte.

Umsetzung von SegWit und Lightning Networks erfordert Zeit

Aus diesem Grunde setzen die Entwickler hinter Bitcoin auf zwei Skalierungslösungen: SegWit und das Lightning Network sollen Bitcoin-Transaktionen schneller und kostengünstiger machen.

Bei SegWit (Segregated Witness) wird die sogenannte Signatur (Witness) aus dem Block herausgenommen, wodurch mehr Transaktionen in einem Block untergebracht werden können. Beim Lightning Network werden nicht mehr alle Transaktionen auf der Blockchain eingetragen, sondern laufen über Payment Channels (Off-Chain-Transaktionen).

Das Problem: Die Umsetzung von SegWit und Lightning geht langsam voran. Wer gehofft hatte, dass SegWit schnell bei über 90 % der Transaktionen eingesetzt wird, sah sich getäuscht. Bislang machen SegWit-Blocks weiterhin nur 12 % der Transaktionen aus – wichtige Kryptobörsen wie Coinbase fehlten bislang und müssen SegWit erst implementieren.

Das Lightning Network steckt noch in den Kinderschuhen und muss erst noch erprobt werden. Zwar gibt es bereits erste Lightning Nodes auf dem Hauptnetz (Mainnet), doch bis Lightning breitflächig im Einsatz ist kann es nach Entwicklerangaben noch mehrere Quartale oder gar Jahre dauern.

Fazit: Bitcoin bleibt äußerst schwankungsanfällig

Nach dem jüngsten Kurseinbruch sind viele Investoren und Anleger vorsichtiger geworden, was Kryptowährungen wie den Bitcoin angeht. Die erwartete Massenadoption des Bitcoins wird nicht so schnell kommen, wie von vielen Optimisten erwartet.

Noch dazu müssen sich technische Lösungen wie SegWit und das Lightning Network erst noch in der Praxis beweisen, ob sie die Skalierungsprobleme des Bitcoins wirklich nachhaltig lösen können.

Unter dem Strich bleibt der Bitcoin weiterhin ein spekulatives Anlagegut, dass sich zwar gerne als digitales Gold präsentiert, jedoch enormen Kursschwankungen unterliegt – dies sollten sich Anleger immer bewusst sein, wenn es um Investitionen in Kryptowährungen geht.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands