Bitcoin Lightning steht vor Einführung – und befeuert den Preis

Der Bitcoin hat jüngst die Marke von 4.000 US-$ übersprungen. Damit hat die weltweit führende Kryptowährung binnen 5 Jahren um fast 35.000 % zugelegt.

Binnen weniger Wochen ist der Preis des Bitcoin von unter 2.000 auf über 4.000 US-$ marschiert. Mit ein Grund für den rasanten Preisanstieg sind sicherlich Erwartungen, wonach Transaktionen auf der Bitcoin-Blockchain künftig nicht nur schneller, sondern auch günstiger werden.

Bitcoin bekommt SegWit – damit werden Transaktionen schneller und günstiger

Denn Segregated Witness (SegWit) wurde bereits eingeloggt. Dies bedeutet, dass SegWit in etwas mehr als zwei Wochen implementiert wird. Damit wird die Signatur aus der Transaktion genommen und in einem Extra-Paket übertragen, wodurch insgesamt mehr Transaktionen in einem Block untergebracht werden können. SegWit-Transaktionen dürften daher günstiger werden.

Dies ist aber nur der erste Schritt. Nach der Aktivierung steht die Umsetzung von SegWit2x an, wodurch die Blockgröße Mitte November voraussichtlich von bisher 1 Megabyte auf 2 Megabyte (MB) angehoben werden wird – damit dürften sich Bitcoin-Transaktionen nochmals beschleunigen.

SegWit ist die Grundlage für das Bitcoin Lightning Network

Viel wichtiger ist jedoch der Punkt, dass mit der Einführung von SegWit die Grundlage für das Lightning Network gelegt wird, da so die Transaction Malleability beseitigt wird. Was bedeutet das?

Bislang konnten Angreifer im Bitcoin-Netz die Kennung (ID) einer Bitcoin-Transaktion unter bestimmten Umständen manipulieren, noch bevor die Transaktion bestätigt wurde – dies ist mit SegWit dann de facto nicht mehr möglich.

Bitcoin Lightning Network – was ist das?

Mit der Umsetzung von SegWit2x dürfte auch das Bitcoin Lightning Network aktiviert werden. Das Bitcoin Lightning Network ist von enormer Bedeutung, könnte das Konzept alle Skalierungsprobleme des Bitcoins lösen.

Doch was ist das Bitcoin Lightning Network? Durch das Lightning Network sollen Transaktionen nicht mehr auf der Blockchain selbst, sondern außerhalb der Blockkette (Off-Chain-Transaktionen) möglich sein.

Dies hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen sind dadurch Sofort-Transaktionen möglich, zum anderen erhöht sich dadurch auch der Schutz der Privatsphäre für den Nutzer, da Einzeltransaktionen nicht mehr auf der Blockchain ersichtlich sind.

Wie funktioniert das Bitcoin Lightning Network?

Das Bitcoin Lightning Network bildet sogenannte Payment-Channels, also eigene Kanäle, über die Transaktionen zwischen Einzelpersonen abgewickelt werden. Diese Transaktionen werden zunächst nicht auf der Blockchain erfasst, sondern nur auf dem jeweiligen Knotenpunkt der Teilnehmer. Man könnte auch sagen, dass 2 Handelspartner ihren eigenen privaten Zahlungskanal eröffnen, um viele kleine Transaktionen durchzuführen (Mikrotransaktionen).

Um einen Payment-Channel zu eröffnen, stoßen 2 Teilnehmer eine Zahlungstransaktion an. Über diesen Payment-Channel können die beiden Teilnehmer beliebig viele Zahlungen mit unterschiedlichen Bitcoin-Beträgen abwickeln, ohne dass diese Zahlungen auf der Blockchain vermerkt werden.

Zum Beispiel kann Teilnehmer A täglich 0,1 Bitcoins an Teilnehmer B überweisen (monatlich ca. 3 Bitcoins). Erst wenn am Monats- oder Jahresende der Payment-Channel geschlossen wird, wird die Transaktion auf der Blockchain tatsächlich vermerkt. Aus 30 kleinen Transaktionen wird de facto eine große Transaktion.

Das kann man sich als Überweisungsschein vorstellen, der monatlich zwischen Teilnehmern hin- und hergeschoben wird, erst am Monatsende wird dieser dann mit dem vollen Betrag eingelöst – diese Transaktion erscheint dann auf der Blockchain.

Fazit: Lightning Network verleiht dem Bitcoin Flügel

Wird das Lightning Network in den nächsten Monaten umgesetzt, dürften die Skalierungsprobleme des Bitcoin schlagartig gelöst sein. Blockchain-Experten halten theoretisch eines Tages bis zu 100.000 Transaktionen pro Sekunde für möglich, nachdem vor wenigen Monaten nur etwa 7 Transaktionen pro Sekunde auf der Bitcoin-Blockchain drin waren.

Mit dem Lightning Network dürfte der Bitcoin als solches auch deutlich interessanter für viele Unternehmen werden, ihr Geschäft auf die Blockchain zu verlagern. Denn dann wäre das Bitcoin-Netz nicht nur deutlich schneller und günstiger, es wäre dann auch bereit für die breite Masse der Nutzer.

Anleger sollten aber stets beachten, dass Kryptowährungen sehr volatil sind. Starke Kuranstiege sind ebenso an der Tagesordnung wie scharfe Kurskorrekturen.

14. August 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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