Blockchain-Kreditkarte für Flüchtlinge soll bei der Integration helfen

Viele Flüchtlinge erhoffen sich von ihrer Ankunft in Europa ein besseres Leben. Angekommen auf dem neuen Kontinen,t holt viele jedoch erst einmal die harte Realität ein.

Sie haben keine Papiere bei sich und können sich dadurch nicht ausweisen, was es schwierig macht, sich ein Leben in Europa aufzubauen.

Finnland ist Vorreiter bei der Verteilung der Blockchain-Kreditkarten an Flüchtlinge

Für Behörden ist dieser Punkt ebenfalls kritisch. Ohne Papiere können Sie die Neuankömmlinge nur schwer zuordnen und schwer vermitteln. Eine Blockchain-Kreditkarte bietet Flüchtlingen die Möglichkeit, sich eine Identität aufzubauen.

Finnland verteilt bereits Blockchain-Kreditkarten an Flüchtlinge, um ihnen zumindest bei der finanziellen Organisation und Inklusion zu helfen. Der Vorteil liegt hierbei nicht nur bei den Flüchtlingen, sondern auch bei den Behörden, die dadurch mehr Kontrolle über die Flüchtlinge bekommen. Datenschützer bemängeln diesen Punkt.

So funktioniert die Blockchain-Kreditkarte

Die Kreditkarte ermöglicht digitales Bezahlen und gleichzeitig ist ein Konto angeschlossen, das Flüchtlinge dann als Gehaltskonto nutzen können. Mit diesem Konto können dann Rechnungen beglichen, Gehalt empfangen und Geld abgehoben werden.

Die Identität des Flüchtlings – zumindest wenn bekannt – wird an die Blockchain-Kreditkarte gekoppelt und all seine Transaktionen werden dann in einer Blockchain, also einer dezentralen Datenbank, aufgezeichnet.

Wer gibt die Kreditkarten heraus?

Das Start Up, das die Blockchain-Kreditkarten herausgibt heißt MONI. Sie sehen in der Blockchain-Kreditkarte Chancen für Flüchtlinge, sich etwas aufzubauen und wollen gleichzeitig den Behörden eine größere Kontrolle ermöglichen.

Für den Nutzer der Karte ist alles wie bei einer „normalen“ Kredit- oder EC-Karte, die Technologie die dahinter steht ist aber eine andere und wird durch MONI realisiert. Sie kümmern sich um den kryptografischen Austausch der digitalen Transaktion und transferieren die kryptografische Währung in die reale Währung.

Kryptowährungen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie stark schwanken und kein Ersatz für reale Währungen sein sollten.

Chancen für Flüchtlinge, mehr Kontrolle für Behörden und Länder

Kritiker bemängeln, dass durch die Transparenz der Karten und die Nachvollziehbarkeit aller finanziellen Transaktionen ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Flüchtlinge erfolgt. Schließlich können neben den Finanzdienstleistern auch von den Behörden alle Finanzbewegungen eingesehen werden.

Dennoch ist diese Karte ein Weg zu einer Identität in einem neuen Land und bietet daher auch klare Vorteile.

Mit ihr können Flüchtlinge bestimmte Dienstleistungen in Anspruch nehmen oder eben einen Job finden, was ohne diese digitale Identität nicht möglich wäre. Für die Länder ist die zusätzliche Kontrolle – auch wenn der Datenschutz ein Problem darstellen kann – wünschenswert und erleichtert einiges.

Mehr Länder sollen auf Finnland folgen

Eine Ausweitung der Blockchain-Technologie auf weitere Teile Europas ist in Planung und auch die Vereinten Nationen beschäftigen sich schon mit dem Thema, um weltweit Menschen ohne Papiere zu einer Identität zu verhelfen.

Dies ist nämlich einer der Gründe, warum viele Menschen keine Arbeit haben – insgesamt rund 1,1 Mrd. Menschen ohne Ausweispapiere gibt es auf der Welt.

Dennoch bleibt offen, ob sich die Blockchain-Kreditkarten wirklich durchsetzen werden und flächendeckend eingesetzt werden kann. Schließlich befindet sich die Technologie noch am Anfang und das System bietet gerade im Bereich Datenschutz viele Lücken.

9. Oktober 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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