Boeing Aktie: nach Crash im Sinkflug

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Die Boeing-Aktie ist erheblich unter Druck. Die Folgen der jüngsten Flugzeugabstürze sind noch nicht absehbar. Konkurrent Airbus wird profitieren. (Foto: Maxene Huyiu / shutterstock.com)

Als sich Donald Trump dieser Tage via Twitter aufregte, dass immer mehr automatische Systeme an die Stelle der Flugerfahrung von Piloten trete, wirkte das wieder einmal sehr holzschnittartig und voreilig, doch nach dem erneuten Absturz einer Boeing 737 Max 8 traf er zumindest einen Nerv. Auch die Boeing-Aktie stürzte ab – um rund 10 %. Zwar machen auch Piloten Fehler, wenn aber der Wurm im System sitzt, ist die nächste Crashsituation regelrecht programmiert.

Unabsehbare Folgen drücken Boeing-Aktie

Ob dem so ist und was die Ursachen waren, müssen Experten herausfinden. Nach dem Motto ‚abwarten und beim günstigen Kurs zugreifen’ erholte sich die Aktie von Boeing am Tag danach ein Stück, fiel dann aber noch tiefer, als auch die US-Luftfahrtbehörde FAA ein Start- und Überflugverbot für alle Maschinen des Typs verhängte und den Maßnahmen anderer Behörden wie aus Kanada oder der EU folgte.

Parallel kletterte die Aktie von Airbus aus ihrem Tief, das unter anderem auf das Aus für den A380 zurückging. Der eine stürzt, der andere steigt – als Anleger kann man nun spekulieren, wie sich die Turbulenzen auf die beiden Rivalen auswirken. Was die Boeing-Aktie angeht, so herrscht einstweilen Unsicherheit, zumindest bis der Bericht zum Absturz vorliegt.

Derweil gibt es lediglich Szenarien zum möglichen Ausmaß der Folgen. Gut vorstellbar, dass es nicht beim Ende eines Fluges mit Absturz bleibt, sondern ein Absturz ohne Ende wird. Ein, zwei Mrd. US-Dollar an Zahlungen für Schadensersatz wären angesichts eines Gewinns von 10,45 Mrd. US-Dollar kein Drama. Norwegian Air hat bereits Forderungen angekündigt. Auch der Reisekonzern TUI muss wöchentlich Verluste von drei Mio. Euro einstecken. Dass weitere Klagen folgen, liegt auf der Hand.

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Massiver Vertrauensverlust

Dabei geht es zunächst um Ausfallsentschädigungen, weil über zwei Drittel der betroffenen Maschinen weltweit auf Monate hinaus am Boden bleiben müssen. Sollte sich herausstellen, dass ein Systemfehler Ursache war, wird es nicht beim Austausch und Nachbessern bleiben. Hinzu kommt vor allem ein Image- und Vertrauensverlust, der schon jetzt eingetreten ist. Längst berichten Piloten über gravierende Probleme mit dem Autopiloten des Flugzeugs, über unzureichende Einweisungen sowie mangelhafte Gebrauchsanleitungen.

Die 737 Max 8 ist die jüngste einer in mehreren Etappen nachgebesserte Version des seit 1968 beliebten Flugzeugtyps. Da sie mit den neuen veränderten Konstruktionen anfälliger für Strömungsabrisse ist, wurde das Kontrollsystem MCAS eingebaut, das sie verhindern soll. Womöglich aber ist sie Ursache für die beiden Abstürze innerhalb eines halben Jahres.

Bislang ist das Modell der Verkaufsschlager von Boeing. 380 Maschinen wurden verkauft, bestellt sind 5.111. Der Einzelpreis beträgt bis zu 109 Mio. US-Dollar. American Airlines und Southwest zählen zu den besten Kunden und haben derzeit 22 bzw. 32 Maschinen im Einsatz. Allzu viele Stornierungen dürfte es wohl nicht geben, schon wegen der Anzahlungen, die bereits geleistet wurden. Unterdessen hat Boeing seine Auslieferungen bis auf weiteres ausgesetzt. Die Lufthansa übrigens ist bei dem Flugzeugtyp außen vor.

Auftrieb für Airbus

Schwerwiegender noch ist ein möglicher Schwenk zum direkten Konkurrenten A320 Neo von Airbus. Das insgesamt modernere Modell verkauft sich mit 687 Auslieferungen und 6.500 Bestellungen auch besser als die 737 Max 8 von Boeing. Je nach Variante der Neo-Familie bewegen sich die Preise in der Größenordnung von Boeing. Abgesehen von der Serie für Kurz- und Mittelstrecken könnten auch andere Typen von Airbus verstärkt nachgefragt werden. Damit kann sich der Umsatzrückgang von zuletzt -4,58 % in einen Zuwachs verwandeln und für Ausgleich der Verluste durch den A380 Stopp sorgen. Die Aktie dürfte auf jeden Fall profitieren.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.