Börsen-Strategie: Unterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien

Falls Sie hohe Börsen-Gewinne anstreben, müssen Sie nicht zwangsläufig höhere Risiken eingehen (z. B. Optionsscheine oder Hebel-Zertifikate kaufen). Es gibt […] (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Falls Sie hohe Börsen-Gewinne anstreben, müssen Sie nicht zwangsläufig höhere Risiken eingehen (z. B. Optionsscheine oder Hebel-Zertifikate kaufen).

Es gibt auch noch “vergessene” Aktien, die ein hohes Kurs-Potenzial aufweisen.

2 unterschiedliche Aktien-Gattungen

Denn: Einige Unternehmen sind am deutschen Aktienmarkt mit 2 Aktien-Gattungen (Stammaktien und Vorzugsaktien) an der Börse vertreten.

Wenn die Kurs-Unterschiede zwischen diesen Aktien-Gattungen ungewöhnlich hoch sind, deutet das darauf hin, dass:

  1. eine Gattung gerade besonders begehrt ist (etwa aufgrund einer geplanten Übernahme)
  2. oder eine Gattung von den Anlegern kurzzeitig vernachlässigt wurde.
  3. Eine weitere Erklärung könnte die beabsichtige Zusammenlegung von Stamm- und Vorzugsaktien sein (dadurch steigt das Index-Gewicht).

Alle 3 Erklärungen sprechen dafür, dass die günstigere Gattung eine Aufholjagd starten wird – und das relativ unabhängig vom Gesamtmarkt.

Stammaktien beinhalten ein Stimmrecht

Stammaktien besitzen – im Gegensatz zu den Vorzugsaktien – auf der Hauptversammlung ein Stimmrecht:

Wer auf der Hauptversammlung die meisten Stimmen hat, kann den Kurs des Konzerns bestimmen. Wird eine Übernahme geplant, muss sich der Investor die Stimmrechte sichern.

Daher wird ein Käufer zunächst die Stammaktien einsammeln und ist im Regelfall auch bereit, eine Prämie für das Stimmrecht zu zahlen.

Bei Firmen mit Übernahme-Phantasie notieren die Stammaktien häufig deutlich höher als die Vorzugsaktien.

Ein zusätzlicher Grund für die oft höhere Bewertung der Stammaktien: Einige Fonds legen feste Anlage-Regeln fest.

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So kommt es vor, dass Fondsmanager grundsätzlich nur Aktien mit Stimmrecht kaufen dürfen. Daher ist die Nachfrage nach Stammaktien größer. Eine höhere Nachfrage führt zu höheren Preisen.

Vorzugsaktien bieten dafür höhere Dividenden

Ein höherer Kurs bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Performance. So erhalten Besitzer von Vorzugsaktien als Ausgleich für das fehlende Stimmrecht eine höhere Dividende.

Diesen „Mehrertrag” sieht man nicht im Kursverlauf, wohl aber auf dem Kontoauszug.

Bei der Bewertung von Stamm- und Vorzugsaktien muss daher immer die Gesamt-Performance (Kursveränderung und erhaltene Dividenden-Erträge) betrachtet werden.

Über 30% Nachschlag für Vorzugs-Aktionäre von Wella

Vorzugsaktien werden von einigen Investoren wie „Aktien 2. Klasse” behandelt – doch das kann ein Fehler sein, wie der folgende Fall zeigt:

2003 hat der Konsumgüter-Riese Procter&Gamble ein Übernahme-Angebot für den deutschen Kosmetik-Hersteller Wella vorgelegt.

Die Besitzer der Stammaktien sollten 92,25 € je Aktie erhalten, die Besitzer der Vorzugsaktien nur 61,50 €. Einige Vorzugs-Aktionäre schalteten ihre Anwälte ein.

Im Jahr 2005 präsentierte Procter&Gamble plötzlich ein neues Angebot:

Den Wella-Aktionären wurde einheitlich 80,37 € je Stamm- und Vorzugsaktie geboten. Die Vorzugsaktionäre, die auf Zeit gespielt hatten, kassierten einen Aufschlag von über 30%.

Fazit

Es lohnt sich für Sie, die Kurs-Unterschiede zwischen Stamm- und Vorzugsaktien regelmäßig zu beobachten und zuzuschlagen, wenn eine Gattung plötzlich deutlich schwächer läuft als die andere.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.