Börsengang von Aston Martin: Sportlich sieht anders aus

Nach dem enttäuschenden Börsengang von Aston Martin wird es auch wirtschaftlich schwer werden, den neuen Erfolgskurs auf Dauer zu halten. (Foto: Evannovostro / shutterstock.com)

Sportwagen mit Power begeistern oft Kinder wie Erwachsene. Neben Porsche, Maserati oder Ferrari durfte ein Aston Martin nie fehlen. Weltweit bekannt wurde die britische Traditionsmarke spätestens in den Sechzigern mit dem James Bond-Film „Goldfinger“. Und sie stellt noch heute edle Rennkarossen her. Dieser Tage wagte Aston Martin seinen Börsengang.

Rapider Kursverlust seit Handelsstart

Doch sportlich sieht anders aus: Aston Martins Börsengang an der Londoner Börse startete am 4. Oktober mit dem Ausgabepreis von 19 Britischen Pfund und fiel gleich am ersten Tag um 6,4 %. Wenige Tage später betrug das Minus fast 12 %. Die initiale Marktkapitalisierung von 4,3 Mrd. Pfund begann zu schmelzen. Dabei waren über 5 Mrd. Pfund geplant, mit einem höheren Ausgabepreis.

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass sich der Ausgabepreis neuer Aktien im unteren Bereich der Spanne einpendelt und dass die ersten Wochen von Unsicherheiten geprägt sind. Was auffällt, ist, dass der Kurs sofort zu Handelsbeginn kräftig nachgab. Das war übrigens auch bei Ferrari der Fall, dessen Aktie sich seit dem Börsengang vor drei Jahren verdoppelt hat.

Insofern ist bei Aston Martin das Spiel für Kurschancen völlig offen. Allerdings wird es das Papier wohl nicht so schnell in den britischen Leitindex FTSE 100 schaffen. Zumindest haben die Briten den Börsengang noch vor möglichen Turbulenzen eines harten Brexit geschafft. Der Austritt aus der EU und drohende Handelsbarrieren sind ohnehin schlechte Vorzeichen. Schließlich bezieht Aston Martin einen Großteil seiner Bauteile aus Europa. Auch AMG-Motoren von Daimler stecken unter den Motorhauben.

Aston Martin mit ehrgeizigen Plänen

Die Stuttgarter sind seit 2013 nicht nur über eine technische Partnerschaft verbunden. Sie halten zudem fast 5 % an Aston Martin – das will Daimler auch weiterhin. Die beiden anderen Investorengruppen aus Kuweit sowie Italien gaben indes Beteiligungen ab. Der Streubesitz der Aktien kommt nun auf 25 %.

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Mit seinem Börsengang hat Aston Martin ein neues Kapitel in seiner über 100-jährigen Firmengeschichte aufgeschlagen. Nach einem Wechsel von Höhen und Tiefen, sieben Pleiten sowie der Zugehörigkeit zu Ford zwischen 1987 und 2007 schaffte es der legendäre Autobauer im letzten Jahr erstmals wieder, schwarze Zahlen zu schreiben.

Nach einem Rekordumsatz von 880 Mio. Pfund und 5.117 verkauften Sportwagen blieben 87 Mio. Pfund als Vorsteuergewinn. Im Jahr zuvor gab es noch ein Minus von 163 Mio. Pfund. Besonders gut lief der neue DB11. In den kommenden Jahren sollen fortlaufend neue Modelle auf den Markt kommen. Wurden 2016 noch 3.229 Fahrzeuge verkauft, sollen es nächstes Jahr bereits 7.300 werden. Das Margenziel liegt bei rund 30 %, fast so viel wie bei Ferrari.

Kaum Spielraum für Dividenden

Das ist einerseits attraktiv, doch mit derart ehrgeizigen Wachstumsplänen muss Aston Martin sein ganzes Kapital in die Entwicklung und Produktion stecken. Eine neue Fabrik ist in Planung. Für Schuldentilgung oder Dividenden aber wird da wenig Spielraum bleiben. Angesichts der sportlichen Preise von 184.000 Euro allein für den DB11 liegen die Gefahren weniger bei Zöllen, die sich nach einem Brexit nur marginal niederschlagen werden.

Schon mit Blick auf die Vergangenheit ist kaum davon auszugehen, dass der Erfolgszyklus auf Dauer ununterbrochen zu halten ist. Wer mit der Aktie liebäugelt, sollte warten, bis in einem halben Jahr mit den eventuellen Brexit-Turbulenzen der Kurs eine Bodenbildung erreicht hat. Aus britischer Sicht jedenfalls ist Aston Martin nach dem Ausverkauf der Traditionsmarken Jaguar, Bentley und Rolls Royce wieder der erste heimische Hersteller an der Börse.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.