Bombardier Aktie steigt – denn Strafzölle sind kein Thema mehr

Noch vor wenigen Wochen schauten Anleger besorgt auf die Aktie von Bombardier. Strafzölle der Amerikaner drohten die Flugzeugsparte der Kanadier mitten im Sanierungsprozess ins Mark zu treffen. Wegen Subventionen wurden bis zu 300 % Einfuhraufschläge vom US-Handelsministerium angekündigt, und zwar auf Mittelstreckenmaschinen des Typs CS100, ein Konkurrenzprodukt zur B737 von Boeing.

Der US-Hersteller war es auch, der das Ganze ins Rollen gebracht hatte. Wegen der Strafzölle ist die Bombardier-Aktie zunächst eingeknickt, nur um eine Woche später auf neue Höhen zu schießen. Denn mittlerweile hat sich ein weißer Ritter eingemischt: Airbus. Auch dessen Aktie machte einen Sprung. Das Boeing-Papier beendete erst mal seinen Höhenflug, der vor einem Jahr begann und gab nach.

Bombardier Aktie: Strafzölle vom Tisch

Boeing wollte einen lästigen Konkurrenten loswerden – und hat nun einen Erzrivalen vor der Haustür. Airbus beteiligt sich nämlich bei den Kanadiern und erledigt die Endfertigung für den US-Markt im eigenen Werk in Alabama. Damit sollten die Strafzölle vom Tisch sein, die Beschwerde bei der Regierung läuft ins Leere.

Boeing hatte bisher den Verkauf von Bombardier-Flugzeugen an amerikanische Airlines weitgehend verhindern können – teils mit 70 %-Rabatten auf eigene Produkte. Als zuletzt Delta Airlines Maschinen bei Bombardier bestellte, intervenierte Boeing bei der Regierung, weil die Kanadier angeblich über staatliche Subventionen zum Dumpingpreis verkaufen könnten.

Damit trafen sie bei Donald Trump den richtigen Nerv zur richtigen Zeit. Der will gerade das Freihandelsabkommen Nafta neu aushandeln und hat Forderungen an Kanada. Die Ankündigung drastischer Strafzölle gegen Bombardier rief zugleich Großbritannien auf die Barrikaden. In Nordirland ist Bombardier größter Arbeitgeber, lässt Rumpf und Flügel der C-Serie fertigen und versorgt zahlreiche Zulieferbetriebe. Überlegungen der Londoner Regierung, nach dem Brexit der Nafta beizutreten, erhielten durch den drohenden Verlust der Jobs einen kräftigen Dämpfer.

Weißer Ritter Airbus schlägt zu

Die C-Serie hatte Bombardier ohnehin beinahe in die Insolvenz getrieben. Über 6 Mrd. US-$ wurden in die Entwicklung des Flugzeugs gesteckt, das mit 100 und 150 Sitzen kleiner als die meisten Airbus-Flieger ist und in eine Marktlücke stößt. In Fachkreisen wird das Flugzeug gelobt. Offenbar aber fehlten die Kontakte sowie ein Vertriebsnetz gerade in Asien. Und in den USA blockierte Boeing.

Um eine Pleite abzuwenden, hatte sich die Investitionsgesellschaft der Provinz Quebec mit rund 1 Mrd. US-$ an der C-Serie beteiligt. Der jüngste Auftrag von Delta Airlines über 75 Maschinen mit der Option auf 50 weitere war ein Lichtblick, der aber von Boeings Beschwerde getrübt wurde. Delta legte seine Bestellung wegen der Strafzölle zunächst aufs Eis. Bombardier drohte das Geld auszugehen.

Da sah Airbus seine Stunde gekommen. Der Konzern greift sich 50,01 % an der C-Serie, übernimmt aber keine Schulden und zahlt auch keinen Cent. Was er einbringt: Die Fertigung im eigenen US-Werk zur Vermeidung von Strafzöllen, Einkauf, Service und ein etabliertes Vertriebsnetzwerk, mit dem es etwa den chinesischen Markt viel schneller aufrollen kann. Damit kann Airbus quasi zum Nulltarif seine Produktpalette in einem wachsenden Segment erweitern, in dem es nur Boeing als Konkurrenten gibt.

Bombardier wiederum erhält seinen Anteil an einem Geschäft, das es beinahe verloren hätte und das mit Airbus nun aufblühen kann. Außerdem kann es seine groß angelegte Sanierung fortsetzen, um mit der Flugzeugsparte wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Nebenbei bleiben auch die 4.200 Arbeitsplätze in Nordirland erhalten.

Boeing kalt erwischt

Mit der Airbus-Beteiligung und den abgewendeten Strafzöllen zog die Bombardier-Aktie auf Anhieb um über 7 % an. In den letzten Jahren hatte sie auch wegen Problemen in der Zugsparte zu kämpfen. Zuletzt war ein Zusammenschluss mit Siemens gescheitert. Die Airbus-Aktie konnte ihren Erfolgskurs fortsetzen, nachdem sie wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck geraten war.

Einziger Verlierer in dem Spiel ist Boeing. Die Beschwerde wegen Dumpings erwies sich als Boomerang. Mit der Airbus-Aktion wurde der Konzern kalt erwischt. Allerdings kann er durchaus erneut intervenieren – sofern er nachweist, dass die Komponenten, die im Airbuswerk Alabama zusammengebaut werden, zu Dumpingpreisen produziert wurden.

19. Oktober 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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