Braas Monier-Übernahme: Aufstockung machte aus Feinden Freunde

Regelmäßig informieren wir Sie über die heißesten Deals im Übernahme-Geschäft.

Und wir teilen Ihnen eine konkrete Einschätzung mit, ob eine Übernahme gut, durchschnittlich oder schlecht ist.

Wer gewinnt bei der Übernahme, wer verliert?

Sie erfahren, was an aktuell kursierenden Übernahme-Gerüchten dran ist:

  • Wo wird heiße Luft versprüht und wo könnte sich wirklich ein Deal anbahnen?
  • Welche Übernahme-Pläne haben eine Chance und wo ist Vorsicht angebracht
  • Wie werden die Wettbewerbsbehörden entscheiden?

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen eine Verteidigungs-Taktik von Übernahme-Kandidaten vorstellen, die besonders häufig im anglo-amerikanischen Markt eingesetzt wird: die Giftpille.

Ist der Preis zu niedrig, wird das Übernahme-Angebot abgelehnt

Nicht immer ist ein Bieter beim Übernahme-Kandidaten willkommen.

Lehnt das Management eines Übernahme-Kandidaten das Angebot eines Bieters ab und entscheidet der Bieter sich, das Angebot am Management vorbei direkt an die Aktionäre zu geben (denen gehört ja das Unternehmen), wird das als feindlicher Übernahme-Versuch bezeichnet.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Warum lehnt das Management einen Übernahme-Versuch ab?

Meistens geht es dabei um den Preis, der nach Ansicht der Konzernführung zu niedrig ist.

Das Management teilt dann den Aktionären mit, dass die Übernahme zu den bestehenden Konditionen nicht gewollt ist und empfiehlt, das Angebot abzulehnen.

Giftpille soll Anleger vor zu niedrigem Übernahme-Angebot schützen

Wenn das Management der Ansicht ist, dass die Anleger vor einer feindlichen Übernahme besonders geschützt werden müssen, zückt es – soweit rechtlich möglich – die Giftpille.

Dies geschieht, wenn befürchtet wird, dass eine Offerte trotz der ablehnenden Haltung erfolgreich sein könnte.

Mit der Giftpille versucht die bedrohte Firma die Übernahme für den Bieter unattraktiv oder zumindest teurer zu machen.

Es werden Maßnahmen ergriffen, damit der Bieter eine günstige Börsen-Bewertung nicht einfach ausnutzen kann.

Die 3 häufigsten Arten der Giftpille sind der Verkauf von Konzernteilen, das Leeren der Unternehmenskasse oder eine Kapital-Erhöhung.

Braas Monier als Praxis-Beispiel

Im Sommer 2016 wurde der Dachziegel-Hersteller Braas Monier mit einer feindlichen Übernahme-Offerte konfrontiert:

Der US-Rivale Standard Industries verständigte sich mit Braas Moniers Anker-Aktionär auf eine Übernahme zu 25 € je Aktie.

Da der Bieter durch den Erwerb auf über 30% der Anteile kommen würde, war er gesetzlich dazu verpflichtet, auch den anderen Aktionären eine Übernahme-Offerte zu unterbreiten.

Diese lag ebenfalls bei 25 € je Aktie, spiegelte in den Augen der Konzernführung allerdings nicht den fairen Wert von Braas Monier wider.

Trotzdem wollte Standard Industries das Angebot nicht nachbessern. Braas reagierte mit der Giftpille:

Aktionäre erhielten für je 10 Aktien 1 Aktie gratis. Gleichzeitig wurde eine vorgezogene Dividende beschlossen. Dies hob den Angebotswert für die Aktionäre auf 28,23 € je Aktie.

Standard Industries versuchte die vom Braas-Management ergriffenen Maßnahmen noch gerichtlich zu unterbinden, sah sich offenbar letztendlich doch gezwungen mit dem Übernahme-Kandidaten das Gespräch zu suchen.

Am Ende lief es dann wie so oft in solchen Fällen: Aus Feinden wurden Freunde und die beiden Parteien einigten sich auf eine freundliche Übernahme zu 28,50 € je Aktie.

Damit gewann Standard Industries aber nicht nur das Management:

Auch der Großteil der Anleger empfand die aufgestockte Übernahme-Offerte als fair. Über 90% dienten ihre Aktien dem Großaktionär an.

Kurze Zeit später erreichte Standard Industries dann sogar über 95% der Anteile.

Der Bieter machte von seinem Squeeze-Out-Recht Gebrauch und fand die übrigen Aktionäre zum gleichen Preis ab.

1 Jahr nach Beginn des feindlichen Vorstoßes konnte die Übernahme freundlich abgeschlossen werden.


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17. Mai 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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