Branchen-ETFs: Stabilität plus Renditechancen

Branchen-ETFs erlauben als günstige und relativ sichere Renditebringer im Depot Rotationsstrategien, die mit Einzelaktien kaum möglich sind. (Foto: Imilian / Shutterstock.com)

Wie stelle ich ein chancenreiches und dennoch stablies Depot zusammen – direkt mit Aktien oder ETFs? Wenn man den Zeitaufwand für Einzelpapiere in Kauf nimmt und Dividenden als Zusatzeinkommen will, sind Aktien gefragt. Ansonsten sind ETFs klar im Vorteil. Sie lassen sich wie Aktien handeln, kosten aber keine Ausgabeaufschläge und Rücknahmegebühren.

Mit Branchen ETFs Dynamik von Sektoren nutzen

Spezifische Chancen bieten verschiedene Branchen, von Agrar und Automobil über Industriegüter bis zu Telekommunikation und Versorger. Wollte man genügend Aktien all der Sektoren kaufen, wären Organisations- sowie Kostenaufwand enorm, die Auswahl dennoch extrem eingeschränkt und das Risiko sehr hoch.

Anders bei Branchen-ETFs. Sie verbinden Stabilität mit Renditechancen. Weil  jeder ETF alle Aktien im Index abbildet, gleicht es sich aus, wenn einige Titel schlechter, andere dafür besser laufen. Derselbe Effekt zeigt sich auf der übergeordneten Ebene, denn jede Branche hat ihre eigene Dynamik. Mit Branchen-ETFs kann man in ganze Aktienkörbe investieren und damit etwa die Gesundheits- oder Infrastrukturbranche Europas oder weltweit abdecken. Die Konstellationen sind vielfältig.

Branchen-Rotations-Strategie

Jeder ETF verhält sich entsprechend der Dynamik, die typisch für jeden Sektoren ist. So sind fast alle Banken ähnlichen Einflüssen und Rahmenbedingungen ausgesetzt. Deshalb entwickeln sie sich im Konjunkturzyklus nahezu gleich. Selbiges gilt für Firmen der Chemie- oder Medienbranche.

Mit Branchen-ETFs kann man nicht nur über zahlreiche Sektoren hinweg streuen, sie ermöglichen auch eine Strategie, bei der man die Gewichtung der Branchen-ETFs an die Performance der Branchenindizes anpasst, die vom Zyklus abhängig mal besser, mal moderater ist.

Das Vorgehen nennt sich Branchen-Rotations-Strategie und richtet sich nach folgender Gesetzmäßigkeit: Verschiedene Branchen entwickeln sich in der Phasen des Konjunkturzyklus unterschiedlich.

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Chancen im Konjunkturzyklus

So profitieren zu Beginn eines Zyklus in der Regel Chemieunternehmen, weil dann die Rohstoffe günstig sind. Im anhaltenden Konjunkturaufschwung erstarkt die Investitionsgüterbranche, denn die steigende Nachfrage veranlasst die Unternehmen, ihre Produktion hochzufahren und zu investieren.

Auf dem Höhepunkt ist das Lohnniveau gestiegen Es wird mehr konsumiert, was Handel und Konsumgüterherstellern zugute kommt. Und wenn es gegen Ende der Hochkonjunktur mehr Bauprojekte gibt, schlägt die Stunde der Baubranche.

Die in den vier Phasen genannten Branchen lassen sich um weitere Beispiele erweitern. Nach dem Prinzip der Branchen-Rotations-Strategie wird das Gewicht der Branchen, die absehbar schlechter laufen, verringert und verstärkt in diejenigen investiert, die vor dem Aufschwung stehen. Parallel oder alternativ kann man Branchen höher gewichten, die gute langfristige Aussichten haben. Beispielsweise alles was mit Robotik oder Digitalisierung zu tun hat.

Alternativ auf Berechenbarkeit setzen

Eine solch nachhaltige Strategie ist aus aktueller Sicht sogar etwas sicherer. Zumindest solange bis einigermaßen ersichtlich wird, wie es mit Donald Trumps unberechenbarer Wirtschaftspolitik weitergeht. Seine teils bizarren Vorstellungen sind völlig neue Einflussfaktoren, die den Zyklusfahrplan an einigen Punkten durcheinander bringen können.

Insgesamt sind Branchen-ETFs potenzielle Renditebringer im Depot. Doch anders als beim ruhigen Ansatz mit Indexfonds auf große, marktbreite Indizes erfordert die Rotationsstrategie ein aktives Management. Nicht nur der Zeit- und Informationsaufwand ist höher, auch die Gesamtkosten (TER) liegen über denen klassischer ETFs etwa auf den regulären Dax oder MSCI World.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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